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Deutsche Bank beendet Overweight für europäische Softwareaktien nach Rally

Nach einem Kursanstieg von 13% schließt die Deutsche Bank ihre taktische Übergewichtung und empfiehlt eine neutrale Haltung im Sektor.

Deutsche Bank beendet Overweight für europäische Softwareaktien nach Rally

Die Deutsche Bank hat ihre direktionale „Overweight"-Empfehlung für europäische Softwareaktien beendet. Auslöser ist eine beeindruckende Rally von 13% im Sektor, die die Bank veranlasst, Anleger zu einer neutralen Positionierung in den Technologie-Subsektoren zu raten. Als Begründung nennen die Strategen KI-Disruptionen und Kapazitätsbeschränkungen bei Rechenzentren, die die Markterwartungen neu definieren.

In einer Research-Note mit dem Titel „Semi convinced II" stellte ein Strategieteam unter der Leitung von Maximilian Uleer und Johannes Schaller fest, dass kurzfristige Ankündigungen zu Investitionsausgaben (Capex) großer Technologieunternehmen den europäischen Halbleiteraktien nach einem Rückgang von 17% im Juli zur Stabilisierung verhelfen könnten. Die langfristigen Nachfrageunsicherheiten bleiben jedoch bestehen. „Sofern Sie keine gefestigte Meinung haben, könnte der klügste Weg darin bestehen, im Sektor neutral zu bleiben", schrieben die Analysten.

Hintergrund: Die ursprüngliche Strategie seit März

Die Deutsche Bank hatte ursprünglich im März empfohlen, europäische Softwareaktien als Portfolio-Absicherung gegen die Volatilität im Halbleiterbereich aufzunehmen. Diese Strategie erwies sich als äußerst erfolgreich: Ein gleichgewichtetes 50/50-Portfolio aus europäischen Software- und Halbleiteraktien lieferte seit dem 10. März eine Sharpe-Ratio von 4,7 und übertraf damit deutlich die risikobereinigte Rendite von 3,8 einer reinen Halbleiter-Allokation.

Nachdem Softwareaktien im vergangenen Monat um 13% zulegten – und damit sowohl den Anstieg des breiteren STOXX 600 von 2% als auch den Rückgang bei Technologie-Hardware von 17% übertrafen – schloss die Bank ihre taktische Overweight-Position. Die Short-Positionierung bei europäischen Softwaretiteln, die fast ein Rekordniveau erreicht hatte, als die Deutsche Bank im März optimistisch wurde, hat sich seitdem wieder in Richtung historischer Durchschnitte normalisiert.

Die Note hob spezifische Softwaretitel hervor, bei denen sich das Short-Interesse als Prozentsatz der Marktkapitalisierung aufgelöst hat:

  • SAP SE
  • Dassault Systèmes SE
  • Hexagon AB
  • The Sage Group plc
  • Nemetschek SE
  • Temenos AG

Nächster Aufwärtsschub muss von Long-only-Investoren kommen

„Das bedeutet, dass der nächste Aufwärtsschub von Long-only-Investoren kommen muss", hieß es in dem Bericht. Gleichzeitig warnte die Deutsche Bank, dass das sich entwickelnde Paradigma der „Agentic AI" – also agentenbasierter KI – weiterhin auf die Stimmung drücken könnte, bis Softwareanbieter deutlichere Beweise für künftiges Wachstum liefern.

Trotz der Beendigung des direktionalen Overweight merkte die Deutsche Bank an, dass die Bewertungen europäischer Softwareunternehmen immer noch übermäßig pessimistische langfristige Annahmen widerspiegeln. Die aktuellen Marktpreise implizieren eine terminale Wachstumsrate von etwa 2% ab 2030 für etablierte europäische Softwareunternehmen – ein Anstieg gegenüber dem stagnierenden bis negativen terminalen Wachstum, das während des Ausverkaufs im Februar und März impliziert wurde, aber immer noch eine Unterschätzung der Anpassungsfähigkeit etablierter Anbieter.

Bei den Einzelaktien reichen die impliziten terminalen Wachstumsraten derzeit von über 4% für Hexagon AB bis hinunter zu etwa 1,5% für Dassault Systèmes SE, wobei SAP SE, The Sage Group plc, Nemetschek SE und Temenos AG dazwischen liegen.

Rechenzentren und Hyperscaler im Fokus

Der Bericht wies auch auf wachsende Marktbedenken hin, dass große Cloud-„Hyperscaler" aufgrund von Lieferkettenengpässen und schwindender lokaler politischer Unterstützung zunehmend Schwierigkeiten beim Ausbau neuer Rechenzentren haben könnten. Die Deutschen Bank-Strategen sehen darin jedoch eher eine Chance für Softwareunternehmen: „Unserer Ansicht nach wird der Markt die Hyperscaler kaum für geringere Investitionsausgaben bestrafen. Das Angebot an Halbleitern bleibt kurzfristig begrenzt, wenn auch potenziell etwas weniger als zuvor. Der offensichtlichere Gewinner wäre Software."

Für deutsche Privatanleger ist besonders relevant, dass mit SAP SE und Nemetschek SE zwei DAX-notierte bzw. MDAX-notierte Unternehmen explizit in der Analyse der Deutschen Bank erwähnt werden. Die Einschätzung der Bank unterstreicht, dass der Sektor zwar strukturell interessant bleibt, kurzfristig jedoch die Luft nach oben dünner wird – und der nächste Kursschub fundamentaler Überzeugung statt Short-Eindeckungen bedarf.

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