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Deutsche Bahn: Softwarefehler beim Switch-Tausch legte Zugverkehr lahm

Ein geplanter Netzwerkkomponenten-Tausch löste einen Softwarefehler aus – und brachte den bundesweiten Zugverkehr für zwei Stunden zum Stillstand.

Deutsche Bahn: Softwarefehler beim Switch-Tausch legte Zugverkehr lahm

In der Nacht auf Dienstag stand der Zugverkehr in ganz Deutschland still. Die Deutsche Bahn hat nun die genaue Ursache des Ausfalls ihres digitalen Bahnfunksystems GSM-R offengelegt und erklärt, welche Gegenmaßnahmen ergriffen wurden.

Auslöser war demnach der planmäßige Austausch eines sogenannten Switches – einer Netzwerkverteilkomponente. Dieser routinemäßige Eingriff zog einen Softwarefehler nach sich, der weitreichende Folgen hatte.

Automatischer Failover versagte

Das eigentlich vorgesehene Sicherheitssystem versagte in dieser Nacht vollständig. Der Softwarefehler hätte automatisch eine Fehlermeldung auslösen und das betroffene System auf ein Parallelsystem umschalten sollen – doch genau das blieb aus. Der Wechsel musste stattdessen manuell durchgeführt werden.

Bevor die Techniker jedoch handeln konnten, mussten sie zunächst einen Cyberangriff als Ursache ausschließen. Erst nach dieser Prüfung war der manuelle Systemwechsel möglich. Gegen 0.30 Uhr – rund zwei Stunden nach dem Ausfall – funktionierte der Bahnfunk wieder und die Züge konnten ihre Fahrten fortsetzen.

Dabei ist das Bahnfunksystem in Deutschland eigentlich redundant aufgebaut: Fällt ein System aus, soll der Funk automatisch auf ein Zwillingssystem umspringen. Gibt es auch dort Probleme, steht eine weitere Rückfallebene über den öffentlichen Mobilfunk bereit. Laut Bahn hätten diese Parallelsysteme in der betreffenden Nacht technisch einwandfrei funktioniert – der automatische Wechsel scheiterte jedoch an der ausbleibenden Fehlermeldung.

Bahn stoppt weitere Komponenten-Tausche vorerst

Als direkte Konsequenz hat die Deutsche Bahn mehrere Maßnahmen beschlossen, um eine Wiederholung des Vorfalls zu verhindern. Zunächst sollen keine weiteren Komponenten ausgetauscht werden, bis der Fehler gemeinsam mit dem Gerätehersteller behoben ist.

Darüber hinaus sollen Instandhaltungsarbeiten am System künftig ausschließlich in der Nacht zwischen 0.00 und 4.00 Uhr stattfinden – und nur an dem System, das zu diesem Zeitpunkt nicht aktiv genutzt wird. Damit will die Bahn das Risiko für den laufenden Betrieb minimieren.

Philipp Nagl, Chef der Bahn-Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo, betonte die Notwendigkeit weiterer Investitionen: „Klar ist: Die Modernisierung unserer Infrastruktur ist der einzige Weg nach vorn. Im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie erneuern wir das aktuelle GSM-R-Netz deshalb gerade noch mal umfassend, unterziehen es einem Upgrade und machen es resilienter."

GSM-R: Über 20 Jahre altes System bleibt noch mindestens ein Jahrzehnt im Einsatz

Das Funksystem GSM-R (Global System for Mobile Communications – Railway) ist mehr als 20 Jahre alt und dennoch nach wie vor europaweiter Standard bei allen Eisenbahnen. Das Nachfolgesystem FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) ist laut Bahn frühestens in zehn Jahren einsatzbereit. Bis dahin muss das bestehende System zuverlässig funktionieren.

Der Vorfall, von dem Tausende Reisende betroffen waren, hat politische Kritik und Reaktionen aus Branchenverbänden ausgelöst. Im Fokus steht dabei vor allem die veraltete Infrastruktur der Deutschen Bahn – ein Thema, das angesichts des milliardenschweren Sanierungsbedarfs auch für Investoren und Steuerzahler von Bedeutung bleibt.

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