Deutsche Bahn: Milliardenverlust, Verspätungen und unsichere Zukunft
Die Deutsche Bahn kämpft mit maroder Infrastruktur, einem Verlust von 2,3 Milliarden Euro und wachsender Konkurrenz ab 2028.

Die Deutsche Bahn steckt tief in der Krise. Pünktlichkeit, Finanzen und Infrastruktur bereiten dem Staatskonzern gleichermaßen Sorgen – und eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Am Donnerstag präsentiert die Bahn ihre Halbjahresbilanz, die erneut die strukturellen Probleme offenlegen dürfte, vor denen Bahnchefin Evelyn Palla steht.
Im Juni 2025 erreichten lediglich 52,6 Prozent der Fernverkehrshalte ihr Ziel pünktlich – also mit maximal fünf Minuten und 59 Sekunden Verspätung. Das ist selbst im Vergleich zu den ohnehin schwachen Vormonatswerten ein alarmierender Tiefstand. Ausgefallene Züge fließen in diese Statistik gar nicht erst ein. Dabei hatte sich der Konzern für das laufende Jahr eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 60 Prozent vorgenommen.
Als Hauptursache nennt die Bahn die jahrzehntelang vernachlässigte Schieneninfrastruktur sowie die zahlreichen Baustellen im Netz. Zuletzt gelang es dem Konzern lediglich, eine weitere Verschlechterung des Netzzustands zu verhindern – von einer echten Verbesserung ist man weit entfernt. Erst zum 200-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland im Jahr 2035 soll die Lage deutlich besser sein. „Eine Bahn, die stolz macht, ist keine Utopie, sondern Anspruch und Ansporn für jeden Tag", erklärte Palla dazu.
Finanzielle Schieflage und operativer Lichtblick
Wirtschaftlich steht der Konzern erheblich unter Druck. Für 2025 weist die Deutsche Bahn unter dem Strich einen Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro aus. Operativ sieht das Bild etwas freundlicher aus: Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um 630 Millionen Euro auf plus 297 Millionen Euro. Für das laufende Jahr peilt der Konzern ein bereinigtes Ebit von rund 600 Millionen Euro an.
Bahnchefin Palla hat einen umfassenden Konzernumbau eingeleitet, der mehr dezentrale Verantwortung, Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen umfasst. Besonders angespannt ist die Lage bei der Güterverkehrssparte DB Cargo: Sie muss 2026 zwingend schwarze Zahlen schreiben, sonst drohen Konsequenzen seitens der EU-Kommission. Cargo-Chef Bernhard Osburg hat dafür einen Restrukturierungsplan vorgelegt, der allein in Deutschland den Abbau von 6.200 Stellen vorsieht.
Investitionslücke: Bund plant Kürzungen ab 2027
Ein zentrales Problem bleibt die unzuverlässige Finanzierung durch den Bund. Laut einer Berechnung der Allianz Pro Schiene investierte der Bund 2025 etwas mehr als 220 Euro pro Kopf in die Schieneninfrastruktur. Verbandschef Dirk Flege erwartet zwar, dass dieser Wert 2026 übertroffen wird – warnt aber gleichzeitig: Die aktuellen Haushaltspläne der Bundesregierung sehen für 2027 eine Kürzung der Schienenmittel um 1,3 Milliarden Euro gegenüber 2026 vor.
„Der Bund muss endlich eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre aufbauen, wie es etwa in der Schweiz seit vielen Jahren der Fall ist", forderte Flege. Das Bundesverkehrsministerium hatte zuletzt den Aufbau eines Verkehrsinfrastrukturfonds geplant, der sowohl die Sanierung des Bestandsnetzes als auch Neu- und Ausbau langfristig absichern soll. Minister Patrick Schnieder (CDU) ist inzwischen zurückgetreten.
Neue Konkurrenz ab 2028 und Streikpause bis Ende 2027
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Zur AktienanalyseZusätzlicher Druck kommt ab 2028 aus dem Wettbewerb: Das italienische Unternehmen Italo will dann in den deutschen Fernverkehr einsteigen, und Flixtrain hat eine Offensive mit neuen Zügen angekündigt. Die Bundesnetzagentur hat bereits entschieden, dass Wettbewerber auf hochbelasteten Strecken mehr Trassen erhalten sollen – auf Kosten der Deutschen Bahn.
Der Konzern warnt, dass dadurch weniger profitable Fernverkehrslinien mit Halten in kleineren Städten gefährdet werden könnten. Ob Fahrgäste letztlich von sinkenden Ticketpreisen profitieren, ist offen. Gleichzeitig könnte der Markt unübersichtlicher werden, etwa wenn Tickets verschiedener Anbieter nicht gegenseitig anerkannt werden.
Zumindest auf der Arbeitsfront herrscht vorerst Ruhe: Die Tarifverträge mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) laufen bis Ende 2027. Streiks sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen. Die Friedenspflicht mit der GDL dauert sogar noch etwas länger. Für die Finanzplanung des Konzerns bedeutet das zumindest in diesem Bereich eine willkommene Planungssicherheit.


