ANZEIGE

Deutsche Autoindustrie: Warum Billigproduktion keine Lösung ist

Ökonom Martin Gornig sieht die deutsche Autoindustrie trotz Krise nicht am Ende – aber warnt vor einem fatalen Strategiefehler.

•• 3 Min
Deutsche Autoindustrie: Warum Billigproduktion keine Lösung ist

Die deutsche Automobilindustrie steckt mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Martin Gornig, Wirtschaftsforscher und Experte für Industriestruktur, bleibt dennoch verhalten optimistisch. „Noch immer in der Transformation", lautet sein nüchternes Urteil zum aktuellen Zustand der Branche – doch er fügt hinzu: Das Potenzial, diese Transformation erfolgreich zu meistern, sei durchaus vorhanden. Schließlich sei die Industrie in der Vergangenheit schon mehrfach totgesagt worden – zuletzt in der Finanzkrise, davor im Zuge der sogenannten Basar-Ökonomie-Debatte, noch früher durch den Japan-Schock und Wechselkurs-Schocks.

Die Lage ist dennoch ernst. Volkswagen-Chef Oliver Blume plant einen massiven Konzernumbau, bei dem bis zu 50.000 Stellen wegfallen könnten. Für Gornig gehört eine solche Schrumpfung jedoch zum normalen Strukturwandel dazu. Schrumpfen und anschließend wieder wachsen – dieses Prinzip habe in der Vergangenheit bereits funktioniert, auch auf Unternehmensebene.

Technologieführerschaft statt Lohnverzicht

Für Aufsehen sorgte zuletzt die Forderung von Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research, VW solle zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich zurückkehren. Gornig hält zwar temporären Lohnverzicht in Ausnahmesituationen für denkbar, betont aber den entscheidenden Punkt: Deutsche Autos wurden nie wegen ihres günstigen Preises gekauft, sondern wegen ihrer Qualität und technologischen Überlegenheit. Genau diese Überlegenheit steht heute infrage.

„Unsere Schwäche liegt doch darin, dass die Autos nicht mehr als technologisch gut oder gar führend angesehen werden", so Gornig. Wer ein Premiumfahrzeug verkaufen wolle, müsse nachweisbar führend sein. Es reiche nicht, ein Produkt anzubieten, das „fast so gut" sei wie die chinesische Konkurrenz.

Die Lösung liegt für den Ökonomen deshalb nicht in einer Kostensenkung auf chinesisches Niveau – das sei in Deutschland schlicht nicht umsetzbar. Stattdessen müsse die Effizienz in den Mittelpunkt rücken. In der Vergangenheit gelang dies durch gemeinsame Entwicklungsplattformen und Automatisierung. Künftig könnte industrielle Künstliche Intelligenz eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Kollektives Versagen und verpasste Chancen

Auf die Frage nach der Eigenverantwortung der Branche gibt Gornig eine selbstkritische Antwort: Die Verantwortung sei kollektiv. Wissenschaftler, Politik und Unternehmen hätten das Erfolgsmodell der deutschen Autoindustrie zu lange unkritisch gelobt. Die Konzerne selbst hätten zu lange von ihrer technologischen Überlegenheit gezehrt, ohne rechtzeitig in den nächsten Innovationsschub zu investieren. Das Problem dabei: Anteilseigner auf Dividendenverzicht zugunsten von Zukunftsinvestitionen einzuschwören, sei keine leichte Aufgabe.

Die Folgen dieser Schwäche treffen nicht nur die großen Hersteller. Besonders in Süddeutschland hängen ganze Regionen an der Automobilindustrie – Zulieferer, Ausbildungsplätze und kommunale Steuereinnahmen. Gelingt es nicht, die Technologieführerschaft zurückzugewinnen, droht laut Gornig nicht nur ein massiver Jobverlust, sondern auch ein dauerhafter Verlust industrieller Kompetenz in Deutschland.

Jeder siebte Arbeitsplatz hängt am Auto

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche lässt sich kaum überschätzen. Die alte These, wonach jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland irgendwie mit dem Automobil zusammenhänge, sei zwar vereinfacht, aber nicht grundlegend falsch, so Gornig. Das bedeute nicht, dass bei einem Wegfall der Autoproduktion automatisch jeder siebte Job verloren ginge – aber die Dimension sei enorm.

Was die Politik tun kann? Gornig plädiert für eine gezielte Technologiepolitik statt Dauersubventionen. Es gehe darum, strategisch zu überlegen, wie Forschungsmittel eingesetzt werden können, um die Transformation zu beschleunigen. Die Förderung bestehender Produktionsstrukturen bringe wenig – sinnvoller sei die gezielte Unterstützung des technologischen Wandels.

Investitionen als zentraler Indikator

Als wichtigsten Gradmesser für eine echte Stabilisierung des Autostandorts Deutschland nennt Gornig die Investitionstätigkeit. Sinkende Beschäftigtenzahlen seien kurzfristig verkraftbar, solange am Ende durch höhere Investitionen auch wieder mehr Wertschöpfung entstehe.

Den größten wirtschaftspolitischen Fehler der kommenden zwei Jahre sieht Gornig klar: zu glauben, Deutschland könne ein Billigproduktionsstandort werden. Das sei illusorisch. Kurzfristig möge ein solcher Ansatz etwas Luft verschaffen – als langfristige Strategie tauge er nicht. Die Stärke des Standorts liege in Qualität, Innovation und Technologie – und genau dort müsse die Antwort auf die Krise gefunden werden.

Deutsche AutoindustrieVolkswagen StellenabbauTransformation AutomobilbrancheTechnologieführerschaftAutomobilstandort DeutschlandMartin GornigStrukturwandel Industrie

Meistgelesene News

  1. Galeria-Insolvenz: Schicksal von 12.000 Jobs hängt an BA-Entscheidung
  2. Gaming und Wetten: Krypto-Klage, GTA 6 und Aktivisten-Investor im Fokus
  3. Take-Two-Aktie vor GTA-6-Release: Chance oder Risikofalle?
  4. Rheinmetall-Aktie legt 3 Prozent zu – Morgan Stanley beflügelt Rüstungssektor
  5. Nvidia, Datadog und Goldminen glänzen auf IBD-Bestenlisten

Disclaimer


Wichtiger Hinweis auf bestehende Interessenkonflikte:

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass im Rahmen dieser Publikation Interessenkonflikte bestehen:

1. Die Stock Market Media Ltd. und ihr nahestehende Personen besitzen Aktien der hier empfohlenen Gesellschaften und beabsichtigen, diese im Rahmen und zu jedem Zeitpunkt dieser Empfehlung zu verkaufen. Hierin besteht ein eindeutiger und konkreter Interessenkonflikt.

2. Der Herausgeber dieser Publikation, sowie die verantwortlichen Redakteure erhalten für die Erstellung eine finanzielle Vergütung. Auch hierin besteht ein eindeutiger und konkreter Interessenkonflikt.

3. Beachten Sie auch die weitergehenden Ausführungen zu bestehenden Interessenkonflikten im nachfolgenden Disclaimer, u.a. unter Ziff. 2.

Wichtige Informationen und Pflichtmitteilungen gemäß Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) sowie gemäß Finanzanlageverordnung (FinAnV).

Stock Market Media Ltd. hat ihre Tätigkeit als Ersteller von Anlagestrategieempfehlungen im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 34 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 oder von Anlageempfehlungen im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 35 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014, (bisher „Finanzanalysen“) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht („BaFin“) gemäß WpHG angezeigt. Die Pflichten der Stock Market Media Ltd. regeln sich primär nach den §§ 85, 86 WpHG, der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 und der Delegierten Verordnung (EU) 2016/958.

Angaben über den/die Ersteller dieser Publikation:
Verantwortlich für die Erstellung der Texte und Inhalte dieser Publikation ist Herr Roberto Gonçalves de Albuquerque, als Analyst und Chefredakteur. Herausgeber ist die Stock Market Media Ltd., 405 Kings Road, Flat 600, London; SW10 0BB, Vereinigtes Königreich, vertreten durch den Director Roberto Gonçalves de Albuquerque.

Wichtige Hinweise zur Erstellung dieser Veröffentlichung:
Diese Veröffentlichung enthält sowohl Tatsachen und Fakten zu den besprochenen Unternehmen, als auch rein subjektive Werturteile, Interpretationen, Schätzungen, Hochrechnungen, Vorhersagen und Preisziele. Diese versuchen wir, möglichst transparent voneinander abzugrenzen, um irreführende Angaben zu vermeiden. Recherche, Aufbereitung und Formulierung erfolgen dabei unter Einsatz gängiger digitaler und KI-gestützter Hilfsmittel; die inhaltliche Prüfung und die redaktionelle Verantwortung liegen bei uns. Die wesentlichen Grundlagen und Maßstäbe unserer Werturteile und Bewertungen, der besprochenen Aktien, basieren auf folgender Vorgehensweise:

Beurteilung und Bewertung von Unternehmen nach herkömmlichen Bewertungsmethoden (grundlegender Bewertungsansatz)

  • Einschätzung des Potentials der zukünftigen Unternehmensentwicklung (Wachstumsansatz) und Hochrechnung auf das entsprechende Bewertungspotential (Kurs-Potential-Analyse) sowie einer möglichen Unternehmens-Aktien-Bewertung aufgrund potentieller Gewinnerwartungen (KGV Hochrechnung)
  • Einschätzung des von uns erwarteten Best-Case-Szenarios im absoluten Erfolgsfall des Unternehmens (Blue-Sky-Potential-Ansatz)
  • Effekt der von uns erwarteten, gesteigerten Bekanntheit der empfohlenen Aktie auf den Aktienkurs durch einen starken Anstieg der Nachfrage am Markt (insbesondere maßgeblich bei marktengen oder neu bzw. erstmals empfohlenen Aktien) aufgrund der von uns oder Dritten veröffentlichten Publikationen (meistens Kaufempfehlungen), (Multiplikator- / Momentum-Effekt, Hype), dadurch überproportional steigende Rendite/Aktienkurs bei entsprechend steigendem Risiko
  • Technische Analyse des Aktienkurses gemäß gängiger Analyse-Methoden, meist zur Voraussage von Kurs-Signalen (Kauf- oder Verkaufssignal, Ausbruch der Aktie, Festlegung von Kurszielen, Unterstützungs- oder Widerstandsbereichen, erwarteten Mindestbewegungen oder Mindest-Gegenbewegungen, Voraussage von Signalpunkten (wenn-dann), etc.), größtenteils auf der erwarteten Massenpsychologie aufbauend. (technischer Ansatz).

Herkömmliche Bewertungsansätze sind bei jungen oder noch umsatzlosen Unternehmen oft schlecht sinnvoll anwendbar. Daher stützen wir uns bei der Bewertung von solchen Unternehmen tendenziell auf die von uns errechnete Potential-Analyse, sowie die Einschätzung der Nachfrage nach solchen Aktien am Kapitalmarkt. Letztendlich entscheidet der Markt über den Aktienkurs eines Unternehmens. Entsteht durch umfangreiche Empfehlungen einer Aktie, eine exzessive Nachfrage nach dieser, ist es möglich, dass der Aktienkurs bei einem hohen Handelsvolumen überdurchschnittlich steigt. Dies führt zwar zu extremen Gewinnmöglichkeit, erhöht jedoch entsprechend das Risiko einer Blasenbildung mit entsprechendem Kursrückgang. Durch die gesteigerte Volatilität der Aktie in solchen Situationen ergeben sich überdurchschnittliche Gewinn- und Verlustmöglichkeiten, sowohl in beide Handelsrichtungen als auch bei wiederkehrenden Gegenbewegungen. Auch solche Marktentwicklungen sind ein wichtiger Teil unserer Handelsempfehlungen und Bewertungsansätze.

Diese Publikation befasst sich ausschließlich mit überdurchschnittlich volatilen Werten mit hohem Gewinn- und auch Verlustpotential.

Hinweis zu Informationsquellen:
Die Zuverlässigkeit von Informationsquellen wird von uns vor deren Verwendung ausführlich geprüft und von uns entsprechend ihrer Glaubwürdigkeit und Bedeutung subjektiv bewertet. Dabei entscheiden wir nach eigenen Maßstäben, welche Quellen wir für relevant, zu konservativ oder zu optimistisch halten. Letztendlich legen wir unsere Empfehlungen aufgrund unserer persönlichen Einschätzungen fest. Bei der Informationsbeschaffung greifen wir auf zahlreiche öffentlich zugängliche Quellen zurück wie z.B. Pressemitteilungen, Ad-Hoc-Mitteilungen, Unternehmensmeldungen, Firmenpräsentationen, Publikationen und Artikeln zum besprochenen Unternehmen, gängige Finanzmedien im In- und Ausland sowie auf Unternehmens- oder Branchen-Analysen Dritter.

In unseren Publikationen werden ausschließlich öffentlich verfügbare Informationen und Quellen, sowie vom Unternehmen selbst verbreitete Informationen verwendet.

Hinweis zu bestehenden Interessenkonflikten:
Wir weisen hiermit darauf hin, dass Gesellschafter, Redakteure, Mitarbeiter sowie Personen bzw. Unternehmen die an der Erstellung dieser Veröffentlichung beteiligt sind, sowie Auftraggeber (Dritte) der Publikation von Stock Market Media Ltd. zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung direkt oder indirekt Anteile an Wertpapieren, welche im Rahmen der jeweiligen Publikation besprochen werden, halten. und daher an einer Kurs- und/oder Umsatzsteigerung, d.h. auch einer erhöhten Handelsliquidität interessiert sind, da die Absicht besteht, in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung diese Wertpapiere zu verkaufen und an steigenden Kursen und Umsätzen zu partizipieren. Ein Kurszuwachs der Aktien der vorgestellten Unternehmen kann zu einem Vermögenszuwachs bei diesen Personen führen. Durch die Besprechung des Unternehmens können jedenfalls der Aktienkurs des Unternehmens erheblich beeinflusst werden. Insbesondere wird auch durch Wertpapiertransaktionen der Aktienkurs der besprochenen Unternehmen maßgeblich beeinflusst. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um Unternehmen handelt deren Aktien keine breite Marktkapitalisierung haben und bei denen nur ein enger Markt besteht. Hier können auch nur geringe Auftragsvolumen erhebliche Auswirkungen auf die Kurse haben. Sie sind aber auch daran interessiert, dass der Kurs des besprochenen Unternehmens sinkt, wenn sie deren Aktien günstiger erwerben wollen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Stock Market Media Ltd. und seine Mitarbeiter werden zudem für die Vorbereitung, elektronische Verbreitung und Veröffentlichung dieser Publikation sowie für andere Dienstleitungen entgeltlich entlohnt. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Diese Vergütung kann durch das Unternehmen über das die Stock Market Media Ltd. Informationen veröffentlicht, durch mit diesen Unternehmen verbundene Dritte oder sonstige Dritte, die ein Interesse in Bezug auf die im Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung besprochenen Unternehmen verfolgen, erfolgen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen. Dieser wird zunächst dadurch begründet, dass die Stock Market Media Ltd. im Interesse ihres Auftraggebers ihre Ausführungen vornehmen könnte. Die Stock Market Media Ltd. und/oder mit ihr verbundene Unternehmen haben mit der gegenständlichen Gesellschaft bzw. mit deren Aktionären eine kostenpflichtige Vereinbarung zur Erstellung der redaktionellen Besprechung getroffen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Hinweis zur Handhabe der internen Organisationspflichten:
Aufgrund der geringen Unternehmensgröße des Herausgebers, ist eine interne Kontrolle der Compliance Prozesse der an dieser Publikation mitwirkenden Mitarbeiter und sonstigen Beteiligten überschaubar.

Verantwortliche Aufsichtsbehörde:
Die Stock Market Media Ltd. hat ihre Tätigkeit gemäß § 86 WpHG bei der BaFin angezeigt.