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Deutsche Aircraft: Milliardäre hinter Deutschlands neuem Linienjet-Projekt

Das Dresdner Unternehmen Deutsche Aircraft will einen eigenen Linienjet entwickeln – finanziert von einem türkischstämmigen Milliardärspaar mit beeindruckender Erfolgsgeschichte.

Deutsche Aircraft: Milliardäre hinter Deutschlands neuem Linienjet-Projekt

Das Dresdner Unternehmen Deutsche Aircraft hat große Ambitionen: Gründer Nico Neumann und sein Team wollen einen eigenen Linienjet entwickeln, der gegen die Modelle etablierter Flugzeugbauer bestehen kann. Hinter dem Projekt steht ein Eigentümer, der in der Luftfahrtbranche kaum bekannt ist – obwohl seine Geschichte kaum spektakulärer sein könnte.

Fatih Özmen und seine Frau Eren sind die Köpfe hinter der Sierra Nevada Corporation (SNC), einem der weltweit führenden Rüstungs- und Raumfahrtkonzerne. Das in der Türkei geborene Ehepaar übernahm einst als Gaststudenten in Reno, Nevada, ein 20-Mitarbeiter-Unternehmen – und baute es zu einem Konzern mit rund 6.000 Angestellten und einem geschätzten Jahresumsatz von mehr als vier Milliarden Dollar aus. Ihr gemeinsames Vermögen wird auf bis zu neun Milliarden Dollar geschätzt.

Vom Fahrradverleih zur Raumfahrt

Die Geschichte der Özmens liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel des amerikanischen Traums. Eren Özmen wuchs in der Nähe von Diyarbakir im Osten Anatoliens auf und war als Kind das einzige Mädchen im Ort mit einem Fahrrad – das sie kurzerhand an andere Kinder vermietete. Die Mondlandung inspirierte sie, in die USA zu gehen. Dort angekommen, sprach sie kaum Englisch und hatte kaum Geld. Sie finanzierte ihr Studium, indem sie hausgemachtes Baklava verkaufte und abends als Putzfrau arbeitete – ausgerechnet in den Büros der SNC, wo ihr späterer Mann Fatih als Praktikant tätig war.

Fatih Özmen war in der Türkei als Radsportmeister bekannt, in den USA jedoch ein Unbekannter. Er studierte Elektrotechnik und Maschinenbau an der University of Nevada in Reno. „Ich muss mich meistens morgens selbst kneifen, um zu glauben, was passiert ist", sagte er einmal auf einem Luftfahrtpodium. 1994 wagten beide den entscheidenden Schritt: Sie nahmen eine Hypothek auf ihr Wohnhaus auf, um die damals kriselnde SNC zu kaufen.

Die Rollenverteilung war klar: Eren übernahm als Verwaltungsratsvorsitzende die betriebswirtschaftliche Seite, Fatih führte als Vorstandschef das operative Geschäft. Das Wachstum basierte auf konsequenter Diversifikation – insgesamt 19 Unternehmen wurden im Laufe der Jahre in den Konzern integriert. Ein entscheidender Meilenstein war die Übernahme des Raumfahrtunternehmens SpaceDev im Jahr 2008, die die technische Grundlage für den Raumtransporter „Dream Chaser" legte. Dieser soll ab Ende des Jahres zur Internationalen Raumstation fliegen – als kleinere und günstigere Alternative zum Space Shuttle.

Milliarden-Aufträge vom US-Militär

Im Rüstungsbereich gelang den Özmens ein weiterer Coup: Im April 2024 sicherte sich SNC einen historischen Vertrag der US Air Force im Wert von 13,1 Milliarden Dollar. Dabei rüstet das Unternehmen gebrauchte Boeing 747-8I Jumbos zu fliegenden nuklearen Kommandozentralen um – den sogenannten Doomsday-Flugzeugen der US-Regierung. Für die US-Army entwickelt SNC im Rahmen des Hades-Programms zudem KI-gestützte Aufklärungsflugzeuge auf Basis des Bombardier Global 6500.

2021 trennte der Konzern seine Raumfahrtsparte als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Sierra Space ab. Bei einer Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar sammelte Sierra Space mehr als 1,4 Milliarden Dollar Risikokapital ein. Zu den Projekten zählt auch das LIFE-Habitat, ein aufblasbares Kevlar-Modul, das sich im All zu einem dreistöckigen Wohn- und Arbeitsraum entfaltet – gedacht für Missionen zum Mond oder Mars.

Was die Özmens Deutsche Aircraft bringen

Für Deutsche Aircraft bedeutet die Unterstützung der Özmens gleich mehrere Vorteile. Erstens können sie die auf 500 bis 700 Millionen Euro geschätzten Entwicklungskosten für das erste Flugzeug, die D328eco, aus eigener Tasche stemmen. Zweitens garantieren sie den 125 Millionen Euro großen deutschen Staatskredit der KfW. Drittens bringen sie tiefes Branchenwissen mit.

„Sie haben gelernt, wie sich ein Neuling gegen scheinbar übermächtige Konzerne wie Boeing oder Lockheed Martin durchsetzen kann", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Dieses Know-how dürfte Deutsche Aircraft im Wettbewerb mit Konkurrenten wie der Airbus-Tochter ATR zugutekommen, die bislang den Markt für Verkehrsflugzeuge mit weniger als 50 Sitzen dominiert.

Beobachter vermuten zudem, dass die Özmens mit Deutsche Aircraft mehr vorhaben als nur den Regionalluftverkehr neu zu beleben. Die D328eco kann auf kurzen und wenig befestigten Pisten landen – eine Eigenschaft, die bereits das Vorgängermodell Dornier 328 für besondere Einsätze qualifizierte. SNC modifizierte 21 Dornier 328 als C-146a Wolfhound für Spezialoperationen der amerikanischen Streitkräfte und Berichten zufolge auch für Geheimdienste wie die CIA. Auch der ADAC setzt das Modell für medizinische Rückholflüge ein. Die neue D328eco könnte ähnliche Einsatzfelder erschließen – zivil wie militärisch.

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