Depot beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung
Sanierung soll durch Einschnitte und Zugeständnisse beschleunigt werden

Die Deko-Kette Depot hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Eigentümer Christian Gries bestätigte, dass am Montag beim Amtsgericht Aschaffenburg die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens beantragt wurde. Gries will damit die Anfang des Jahres gestartete Sanierung des angeschlagenen Unternehmens deutlich beschleunigen. Zur Unterstützung hat er den Restrukturierungsexperten Sven Tischendorf in die Geschäftsführung geholt. Trotz der schwierigen Lage beurteilt Tischendorf die Zukunftsaussichten des Unternehmens positiv und betont, dass das Verfahren gut vorbereitet sei. Dennoch ist unklar, wie lange die Liquidität des Unternehmens noch ausreicht, da die Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit eingeleitet wurde.
Gries möchte das Insolvenzverfahren nutzen, um bis Ende September Klarheit über die künftige Aufstellung des Unternehmens zu erlangen. Jedes einzelne Geschäft soll auf seine Zukunftsfähigkeit geprüft werden, bevor entschieden wird, wie viele Filialen weitergeführt werden. Laut Tischendorf muss jede Filiale einen positiven Vorsteuergewinn erzielen, um bestehen zu bleiben. Bereits im März hatte Gries angekündigt, dass 90 Filialen, deren Mietverträge auslaufen, auf dem Prüfstand stehen. Das Insolvenzverfahren ermöglicht es nun, alle Verträge ohne Einhaltung von Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten zu kündigen, was mehr Freiheit beim Umbau des Unternehmens schafft.
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2024 deutlich gestiegen. 162 Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz beantragten ein Insolvenzverfahren, was einem Anstieg von 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders stark betroffen ist der Einzelhandel, neben Maschinenbau, Immobilienfirmen und Automobilzulieferern. Die Quote der Unternehmen, die in der Insolvenz gerettet werden können, sinkt jedoch deutlich. Für die Gries Deco Company, die Muttergesellschaft von Depot, ist Tischendorf jedoch zuversichtlich, dass eine Rettung gelingen kann, da das Unternehmen keine Bankschulden hat und über ein volles Lager verfügt.
Von den Vermietern erwartet Tischendorf ein Entgegenkommen bei den Mietkonditionen. Ziel ist es, die Mietbelastung zu senken und variable Bestandteile in die Mietverträge aufzunehmen, um das Risiko zu verteilen. Wie viele der knapp 4000 Mitarbeiter weiterhin beschäftigt bleiben, hängt von der Zahl der geschlossenen Filialen ab. Inhaber Gries verspricht jedoch, dass es keinen Kahlschlag geben wird und bekennt sich zu dem Unternehmen, das er in dritter Generation führt. In der Zentrale des Unternehmens wurden die Personalkosten bereits um rund zehn Prozent gesenkt, und Co-Geschäftsführer Rainer Schrems, der ursprünglich die Restrukturierung leiten sollte, hat das Unternehmen verlassen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDepot kämpft zudem mit Schwierigkeiten in der Lieferkette. Die Frachtkosten sind wegen Preiserhöhungen der Reeder gestiegen und Container kommen verspätet an. Die wichtigste Aufgabe sei es, die Ware für das Weihnachtsgeschäft pünktlich zu bekommen, so Gries. Der Händler sucht daher den Schulterschluss mit seinen Lieferanten und plant neue Liefermodelle, um das Risiko zu teilen. Spätestens im Januar soll der Insolvenzplan stehen, der entscheiden wird, ob Christian Gries das Unternehmen seines Großvaters in eine erfolgreiche Zukunft führen kann.


