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Demis Hassabis tritt als Google DeepMind-Chef zurück

Der KI-Pionier wechselt in die Rolle des Chairman und Chief Scientist bei Alphabet – mitten in einer tiefgreifenden Umstrukturierung.

Demis Hassabis tritt als Google DeepMind-Chef zurück

Sir Demis Hassabis, Mitgründer und bisheriger Chief Executive von Google DeepMind, tritt im Zuge einer umfassenden Umstrukturierung von seiner Führungsrolle zurück. Wie Alphabet am Mittwoch bekannt gab, übernimmt Hassabis künftig die Position des Chairman von DeepMind sowie die Rolle des Chief Scientist der Muttergesellschaft Alphabet. Die Google-Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem Kursrückgang von 5 Prozent.

Nachfolger an der Spitze des in London ansässigen KI-Labors wird Koray Kavukcuoglu, bislang Stellvertreter von Hassabis. Kavukcuoglu übernimmt den Titel des Senior Vice President von Google DeepMind. Gleichzeitig verlässt Jeff Dean, langjähriger Google-Mitarbeiter und bisheriger Chief Scientist, die Gruppe, um ein eigenes Start-up zu gründen – das von Google unterstützt werden soll.

DeepMind: Vom Pionier zum Aufholenden

DeepMind wurde 2014 von Google für rund 400 Millionen Britische Pfund übernommen – eine strategische Wette auf die Zukunft der künstlichen Intelligenz. Das damals bereits als Pionier geltende Labor hat seither Meilensteine der KI-Geschichte gesetzt: AlphaGo war das erste KI-System, das menschliche Experten im Brettspiel Go besiegte. AlphaFold revolutionierte die Vorhersage von Proteinstrukturen und brachte dem Team einen Nobelpreis für Chemie ein.

Trotz dieser Erfolge ist Google DeepMind im globalen KI-Wettbewerb unter Druck geraten. Insbesondere bei der Entwicklung von KI-Coding-Agenten ist das Labor hinter die jüngeren Konkurrenten OpenAI und Anthropic zurückgefallen – obwohl Google einst als Favorit im Rennen um leistungsstarke KI-Systeme galt. Die Forschung von Google legte sogar den Grundstein für den aktuellen KI-Boom, doch die Konkurrenten handelten früher, um die Technologie zu kommerzialisieren.

In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen seine Strategie bereits deutlich angepasst: Die Forschungsstrategie wurde überarbeitet, das Nobelpreis-prämierte Team aufgelöst und Talente in Abteilungen verlagert, die sich auf Gemini, Googles großes Sprachmodell, konzentrieren. Zudem wurde ein internes „Code Strike"-Team zusammengestellt, das die KI-Programmierfähigkeiten des Unternehmens verbessern soll. Google DeepMind verlor in dieser Zeit auch mehrere profilierte Forscher, darunter David Silver und John Jumper.

Hassabis fokussiert sich auf AGI und gesellschaftliche Fragen

Hassabis erklärte den Mitarbeitern, er ziehe sich aus dem Tagesgeschäft zurück, um sich auf das „große Ganze" zu konzentrieren und die Richtung der künstlichen allgemeinen Intelligenz (AGI) zu beeinflussen. „Wir sind an einem entscheidenden Moment der Menschheitsgeschichte angelangt. Ich habe mein ganzes Leben lang auf AGI hingearbeitet, und jetzt habe ich, wie viele von Ihnen, das Gefühl, dass sie in greifbare Nähe gerückt ist", sagte er. „Es ist entscheidend, dass wir gemeinsam die nächsten Schritte richtig angehen, um sicherzustellen, dass dies alles gut für die Menschheit ausgeht."

Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person kam die Entscheidung nicht abrupt. Hassabis möchte sich verstärkt mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von AGI befassen und an der Gestaltung künftiger KI-Regulierungen mitwirken. Im vergangenen Monat hatte er bereits einen Vorschlag für ein von der Industrie geführtes Gremium für KI-Standards skizziert – nach dem Vorbild der amerikanischen Financial Industry Regulatory Authority.

Alphabet-Chef Sundar Pichai bestätigte, dass er und Hassabis schon lange über „eine Rolle diskutiert haben, die es ihm ermöglicht, seine volle Aufmerksamkeit aktiv auf die Gestaltung der Zukunft von AGI zu richten". Der Wechsel wird von Beobachtern als logische Konsequenz gesehen. Sebastian Mallaby, Autor einer Biografie über Hassabis, kommentierte: „Demis spielt schon seit einiger Zeit die Rolle des KI-Staatsmannes, und Koray leitet schon seit einiger Zeit die Forschung bei Google DeepMind. Dies ist also eine Formalisierung von etwas, das bereits im Gange war."

Mallaby ergänzte: „Die Mission von DeepMind war es schon immer, AGI zu lösen und sie dann zu nutzen, um alles andere zu lösen. Der Teil mit der Lösung von AGI ist so gut wie erledigt. Es ist also logisch, dass Demis seine Energie von der Wissenschaft auf die gesellschaftlichen Auswirkungen verlagert." Die Umstrukturierung signalisiert zudem, dass DeepMind künftig stärker in das breitere Geschäft von Google integriert wird – ohne dabei, wie es heißt, rein kommerziell zu werden.

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