Delivery Hero, Rewe und Raumfahrt: Märkte im Umbruch
Übernahmeschlacht um Delivery Hero, Rewes möglicher Italien-Rückzug und ein Raumfahrt-Rally prägen die deutschen Märkte.

Der deutsche Markt steht unter dem Zeichen tiefgreifender Veränderungen: Übernahmekämpfe, strategische Neuausrichtungen im Handel und ein Kursfeuerwerk bei Raumfahrtunternehmen bestimmen das Geschehen. Anleger und Unternehmenslenker navigieren durch eine Phase intensiven strukturellen Wandels.
Übernahmeschlacht um Delivery Hero
Im Mittelpunkt steht der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero. Uber hat sich als größter Aktionär positioniert und hält inzwischen rund 19,5 Prozent des ausgegebenen Kapitals. Der US-Konzern hat Delivery Hero formell ein Übernahmeangebot von 33 Euro je Aktie unterbreitet, was das Unternehmen mit über 10 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot liegt damit rund 1,76 Prozent unter dem Schlusskurs des vorangegangenen Freitags.
Doch der Widerstand ist erheblich. Mehrere Großinvestoren fordern einem Bericht zufolge einen Mindestpreis von 40 Euro je Aktie, was einer Bewertung von knapp 13 Milliarden Euro entspräche. Zusätzlich mischt der US-amerikanische Lieferdienst DoorDash mit: Das Unternehmen soll Gespräche mit Delivery-Hero-Investoren führen und zeigt besonderes Interesse an regionalen Einheiten wie dem Nahost-Geschäft mit Talabat und HungerStation sowie der türkischen Tochter Yemeksepeti. Eine vollständige Übernahme gilt ebenfalls als möglich.
Der Übernahmedruck trifft Delivery Hero in einer ohnehin angespannten Phase. CEO Niklas Östberg hatte zuletzt seinen Rücktritt angekündigt – auf Druck von Aktionären, die eine umfassende strategische Überprüfung forderten. Delivery Hero bestätigte den Eingang des Uber-Angebots, erklärte jedoch, man konzentriere sich weiterhin auf den laufenden strategischen Überprüfungsprozess und gab keine weiteren Details zur möglichen Transaktion bekannt.
Rewe prüft Rückzug aus Italien
Im Einzelhandel steht die Rewe Group vor einer weitreichenden Entscheidung. Berichten zufolge erwägt der Kölner Konzern den Verkauf seiner Penny-Market-Kette in Italien. Die Kette umfasst knapp 500 Filialen und erzielt einen Jahresumsatz von rund 2 Milliarden Euro. Der mögliche Rückzug spiegelt die strukturellen Schwierigkeiten wider, mit denen internationale Händler auf dem italienischen Markt konfrontiert sind: stagnierende Konsumausgaben, intensiver Preiswettbewerb und demografischer Druck.
Das Marktumfeld in Italien hat zuletzt für Schlagzeilen gesorgt. Der französische Einzelhandelsriese Carrefour zog sich bereits aus dem Land zurück und verkaufte sein Geschäft für den symbolischen Preis von einem Euro. Als potenzielle Käufer für die Penny-Filialen gelten die deutschen Discounter Lidl und Aldi. Auch eine Zerschlagung der Kette – ähnlich wie beim früheren Rewe-Ausstieg aus dem italienischen Billa-Geschäft – wird als Option gehandelt.
Parallel dazu verändert TikTok Shop die digitale Handelslandschaft in Europa. Laut einem Goldman-Sachs-Bericht wächst der Umsatz von TikTok Shop in Deutschland, Frankreich und Italien, bleibt aber deutlich hinter den Werten in den USA und Großbritannien zurück. Das Wachstum wird vor allem durch Impulskäufe in Kategorien wie Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel getrieben – nicht durch das Kerngeschäft etablierter Modehändler wie Zalando. Goldman Sachs bewertet diese traditionellen Retailer weiterhin positiv und sieht sie trotz neuer digitaler Konkurrenz als Marktanteilsgewinner.
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Zur AktienanalyseRaumfahrt-Rally beflügelt europäische Satellitenwerte
An den Finanzmärkten sorgt die bevorstehende Börsennotierung von SpaceX für Aufregung. In Erwartung des IPO – das als das größte in der Geschichte gilt – strömten Anleger in europäische Wettbewerber. Eutelsat Communications legte über 17 Prozent zu und erreichte ein Jahreshoch. Der deutsche Satellitenhersteller OHB kletterte um 12 Prozent auf ein Allzeithoch. Das luxemburgische Unternehmen SES stieg auf ein Vierjahreshoch. Analysten sehen die europäischen Unternehmen trotz ihrer deutlich geringeren Marktkapitalisierung im Vergleich zu SpaceX als wichtige regionale Alternativen im wachsenden Satellitenmarkt.
Abseits der großen Unternehmensthemen zeigt der deutsche Konsumsektor Widerstandsfähigkeit. Auf deutschen Campingplätzen wurden im vergangenen Jahr Rekordübernachtungszahlen verzeichnet. Experten sehen darin einen Trend zu budgetfreundlichem Inlandstourismus trotz steigender Reisekosten. Zudem feiert die Klosterfrau Healthcare Group ihr 200-jähriges Bestehen. Das Unternehmen wurde im 19. Jahrhundert von der Ordensschwester Maria Clementine Martin gegründet und ist bis heute eine feste Größe im deutschen Markt – ein Symbol für die Beständigkeit traditioneller deutscher Marken inmitten rasanten wirtschaftlichen Wandels.


