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Delivery Hero, Rewe und Raumfahrt: Der Wochenrückblick

Übernahmespekulationen, Einzelhandelsstrategien und ein Raumfahrt-Börsenboom prägen eine bewegte Woche für Anleger.

Delivery Hero, Rewe und Raumfahrt: Der Wochenrückblick

Die Geschäftswelt in Deutschland und Europa erlebte eine turbulente Woche. Übernahmeangebote im Lieferdienst-Sektor, strategische Überprüfungen im Einzelhandel und ein Kursanstieg bei Raumfahrtaktien sorgten für Gesprächsstoff unter Investoren und Marktbeobachtern.

Delivery Hero im Zentrum der Übernahmespekulationen

Das auffälligste Ereignis der Woche betrifft den Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero. Der US-amerikanische Fahrdienstvermittler Uber hat offiziell ein Übernahmeangebot für das Unternehmen zu einem Preis von 33 Euro je Aktie bestätigt. Dieses Angebot stieß bei Investoren und Marktanalysten jedoch auf Skepsis. Am Freitag schlossen die Delivery-Hero-Aktien bei 33,59 Euro, womit das Uber-Angebot einem Abschlag von 1,76 Prozent entspricht.

Delivery Hero verfügt derzeit über eine Marktkapitalisierung von rund 10,2 Milliarden Euro. Bedeutende Aktionäre, darunter der aktivistische Fonds Aspex sowie weitere institutionelle Investoren, drängen Berichten zufolge auf eine Bewertung von mindestens 40 Euro je Aktie. Uber ist inzwischen mit einem Anteil von 19,5 Prozent – bewertet mit rund 1,7 Milliarden Euro – zum größten Einzelaktionär aufgestiegen, hat aber erklärt, seinen Anteil vorerst nicht weiter erhöhen zu wollen.

Die Situation wird durch weitere Interessenten komplexer: Die Financial Times berichtete, dass auch der US-Konkurrent DoorDash Gespräche über einen möglichen Kauf geführt hat. Neben einer vollständigen Übernahme steht offenbar auch ein Teilverkauf im Raum – konkret die lukrativen Nahost-Aktivitäten mit den Marken Talabat und HungerStation sowie die türkische Tochter Yemeksepeti. Inmitten dieses Drucks hat Delivery-Hero-CEO Niklas Oestberg seinen Rücktritt angekündigt; das Unternehmen befindet sich derzeit in einer formellen strategischen Überprüfung.

Rewe prüft Rückzug aus Italien – TikTok mischt den Handel auf

Im stationären Einzelhandel prüft die deutsche Supermarktkette Rewe einem Bericht zufolge einen möglichen Rückzug aus dem italienischen Markt. Konkret steht der Verkauf der Penny-Market-Kette in Italien zur Debatte, die dort 500 Filialen betreibt und einen Jahresumsatz von knapp 2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das schwierige Umfeld mit stagnierenden Konsumausgaben und intensivem Preiswettbewerb macht den Markt zunehmend unattraktiv. Als potenzielle Käufer werden die deutschen Discounter Lidl und Aldi gehandelt, eine formelle Einigung wurde jedoch noch nicht erzielt.

Parallel dazu verändert der digitale Handel das Wettbewerbsumfeld. Eine neue Studie von Goldman Sachs beleuchtet die rasante Expansion von TikTok Shop in Europa. In Deutschland, Frankreich und Italien verzeichnet die Plattform deutliches Umsatzwachstum, wobei der Einfluss auf etablierte Modehändler wie Zalando und Next bislang begrenzt bleibt. TikTok Shops Erfolg basiert vor allem auf Impulskäufen in den Kategorien Kosmetik und Haushaltswaren. Besonders auffällig: Creator-Netzwerke verantworten bei führenden Händlern über 80 Prozent der Verkäufe. Analysten sehen Zalando sogar als möglichen Profiteur, wenn das Unternehmen seine Logistikdienste mit der Plattform verknüpft.

Raumfahrtaktien im Höhenflug dank SpaceX-IPO

An den Finanzmärkten löste die Ankündigung des bevorstehenden Börsengangs von SpaceX, geplant für Mitte Juni, eine Kursrally bei europäischen Satellitenwerten aus. Aktien des französischen Satellitenbetreibers Eutelsat Communications sprangen um mehr als 17 Prozent auf ein Jahreshoch. Der deutsche Satellitenhersteller OHB erreichte sogar ein Allzeithoch – die Aktie hat sich im bisherigen Jahresverlauf vervierfacht. Analysten weisen darauf hin, dass diese Unternehmen zwar als europäische Wettbewerber zu SpaceX gelten, ihre Marktkapitalisierungen jedoch deutlich kleiner sind: Eutelsat wird mit rund 4,05 Milliarden Euro bewertet.

Verbrauchertrends und ein Firmenjubiläum

Jenseits der Unternehmensfinanzierung zeigt die deutsche Wirtschaft interessante Verbrauchertrends. Trotz Rekordkraftstoffpreisen – der April war laut Berichten der teuerste Monat für Kraftstoff in der Geschichte – halten deutsche Reisende an ihren Sommerplänen fest. Tourismusexperten berichten, dass Verbraucher zwar preissensibler werden, aber eher auf alternative Reiseziele ausweichen als Urlaube ganz zu streichen. Marokko entwickelt sich dabei als beliebte Alternative zu klassischen Mittelmeerzielen. Die Branche bleibt angesichts geopolitischer Spannungen vorsichtig, was die langfristige Reisenachfrage betrifft.

Schließlich feierte die Klosterfrau Healthcare Group ihr 200-jähriges Bestehen. Das Unternehmen, dessen Geschichte mit seiner Gründerin Maria Clementine Martin verwurzelt ist, steht exemplarisch für die Beständigkeit traditioneller deutscher Marken. Das Jubiläum unterstreicht, wie etablierte Unternehmen historische Identität mit moderner pharmazeutischer Innovation verbinden – auch in einem Marktumfeld, das sich durch technologischen Wandel rasant verändert.

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