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Delivery Hero: Gewinnmitnahmen nach Uber-Einstieg – neue Offerte erwartet

Nach Ubers Anteilsaufstockung auf knapp 37 Prozent nehmen Anleger Gewinne mit – doch Experten rechnen fest mit einem neuen Übernahmeangebot.

Delivery Hero: Gewinnmitnahmen nach Uber-Einstieg – neue Offerte erwartet

Die Aktie von Delivery Hero hat am Donnerstag 3,6 Prozent auf 37,94 Euro verloren. Auslöser waren Gewinnmitnahmen nach einer bemerkenswerten Rally: In den vergangenen drei Wochen hatte sich der Kurs des Berliner Essenslieferanten infolge von Übernahmespekulationen nahezu verdoppelt.

Hintergrund ist der Einstieg von Uber. Der US-amerikanische Fahrdienstvermittler hat sich das Aktienpaket des Hongkonger Vermögensverwalters Aspex gesichert und hält nun laut einer Stimmrechtsmitteilung – direkt und über Derivate – knapp 37 Prozent an Delivery Hero. Laut „Financial Times" zahlte Uber für den Aspex-Anteil rund 40 Euro je Aktie. Weder Uber noch Delivery Hero wollten sich öffentlich zu dem Vorgang äußern.

Pflichtangebot nach deutschem Recht – eine offene Frage

Citibank-Analystin Monique Pollard weist darauf hin, dass unklar sei, ob durch die Transaktion ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre ausgelöst werde. Nach deutschem Recht muss ein Käufer beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle eine Offerte für alle verbleibenden Anteile vorlegen. Ob dabei auch Derivate angerechnet werden, hängt jedoch davon ab, ob mit diesen Kontrakten Stimmrechte verbunden sind.

Bereits am Wochenende hatte Delivery Hero bestätigt, ein unverbindliches Angebot von Uber über 33 Euro je Aktie erhalten zu haben. Dieses Angebot liegt jedoch deutlich unter dem aktuellen Kursniveau und gilt daher als wenig attraktiv. Marktbeobachter rechnen fest damit, dass Uber eine verbesserte Offerte vorlegen wird.

Mögliche Bieter: DoorDash und Prosus im Blick

Darüber hinaus schließen Experten einen Bieterwettstreit nicht aus. Als potenzielle Interessenten gelten DoorDash – der Mutterkonzern des Lieferdienstes Wolt – sowie der niederländische Technologieinvestor Prosus, der gleichzeitig Eigentümer des britischen Rivalen Just Eat Takeaway und Großaktionär von Delivery Hero ist.

Prosus hält laut dem Datenanbieter LSEG derzeit knapp 17 Prozent an Delivery Hero, müsste diesen Anteil eigentlich bis August auf unter zehn Prozent reduzieren – eine EU-Auflage im Zuge der Just-Eat-Takeaway-Übernahme. Einem Medienbericht zufolge hat Prosus bei der EU jedoch offiziell eine Befreiung von weiteren Zwangsverkäufen beantragt und könnte nun selbst eine Übernahme von Delivery Hero anstreben.

Kartellrechtliche Hürden bleiben erheblich

Jefferies-Analyst Giles Thorne dämpft dennoch allzu große Euphorie. Jeder potenzielle Käufer müsse zunächst eine Vielzahl kartellrechtlicher Fragen klären, da sich die Geschäfte der Beteiligten in mehreren Ländern überschneiden. „Ein gemeinsames Angebot mit der Zusage, den Konzern aufzuteilen, könnte diese Probleme umgehen. Die Komplexität und damit das Transaktionsrisiko wären jedoch erheblich", so Thorne.

Für Privatanleger bleibt die Lage damit spannend, aber unübersichtlich. Der aktuelle Kurs von knapp 38 Euro spiegelt bereits erhebliche Übernahmefantasie wider – ein Scheitern der Verhandlungen könnte entsprechend deutliche Kursrücksetzer nach sich ziehen.

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