DAX zurück über 25.000: Risk-on ist wieder da – vorerst
Der aktuelle Marktbericht von Aktien.news

25.000 Punkte galten zuletzt eher als Erinnerung an bessere Tage – jetzt steht der DAX wieder darüber, als hätte es die Nervosität der vergangenen Woche nur kurz gegeben. Der Leitindex schloss am Montag 1,2 Prozent höher bei 25.014 Punkten und setzte damit seine Erholung dynamisch fort.
Noch am Donnerstag hatte das Börsenbarometer mit 24.272 Zählern dicht an seinem Jahrestief notiert. Und doch reicht ein Blick zurück in den Januar, um die Sprunghaftigkeit dieses Marktes zu begreifen: Damals kletterte der DAX bis auf 25.507 Punkte. Danach drückten neue Zoll- und geopolitische Sorgen auf die Kurse – begleitet von der Frage, ob neue KI-Anwendungen einigen Branchen schneller Marktanteile abjagen könnten, als vielen lieb ist, und ob die hohen KI-Ausgaben am Ende zu schwer wiegen.
Rückenwind aus Übersee – aber wie stabil ist der?
Der Stimmungsumschwung kommt nicht aus dem luftleeren Raum. In New York war die Risikobereitschaft am Freitag sichtbar zurück: Der Dow Jones sprang erstmals über 50.000 Punkte und markierte im frühen Montagshandel ein weiteres Hoch bei 50.218 Punkten. Das wirkt wie ein Signal an die Anleger in Europa: Risiko ist wieder gefragt – zumindest solange die Daten nicht dazwischenfunken.
Denn genau darauf läuft die Woche hinaus. Nach den US-Einzelhandelsumsätzen am Dienstag dürften vor allem die Arbeitsmarktdaten am Mittwoch und die Inflationszahlen am Freitag die Zinserwartungen bewegen. Der Markt kalkuliert derzeit überwiegend mit der nächsten Zinssenkung der US-Notenbank im Juni. Doch was, wenn die Konjunkturdaten zu schwach ausfallen? Dann könnten Zinshoffnungen schnell von Wachstumssorgen überlagert werden – und das zarte Comeback am Aktienmarkt bekäme Risse.
Berichtssaison und Politik als Taktgeber
Zur Wochenmitte öffnen Commerzbank, Siemens Energy und Deutsche Börse ihre Bücher, am Donnerstag folgen Mercedes-Benz und Siemens – ausgerechnet in einer Phase, in der Siemens sich mit SAP ein Wettrennen um den Titel des wertvollsten DAX-Unternehmens liefert. Es spricht vieles dafür, dass die Bilanzsaison erneut als Kursbeschleuniger wirkt: positive Überraschung als Korken aus der Flasche – Enttäuschung als schneller Dämpfer.
Gleichzeitig bleibt die geopolitische Kulisse unruhig. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran steht weiter im Blick, die Gespräche sind vorerst beendet, sollen aber fortgesetzt werden. Die Positionen liegen weit auseinander – und US-Präsident Donald Trump hat mehrfach mit einem Militärschlag gedroht, sollte es keine Einigung geben. Genau solche Schlagzeilen sind es, die eine Rally jederzeit aus dem Tritt bringen können.
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Zur AktienanalyseAm Devisenmarkt zeigte sich der Euro auffallend stark: Am frühen Abend wurde er bei 1,1899 Dollar gehandelt, 0,6 Prozent höher als am Freitagabend – der höchste Stand seit zwei Wochen. Treiber war laut Bericht vor allem eine ausgeprägte Dollar-Schwäche, verstärkt durch eine Bloomberg-Meldung, wonach chinesische Beamte Banken aufgefordert haben sollen, den Kauf von US-Staatsanleihen zu begrenzen. Auch Gold profitierte davon: Eine Feinunze kostete 5.076 Dollar, fast 0,8 Prozent mehr als am Freitagabend.
Und dann ist da noch Tokio: Der Nikkei überschritt erstmals 57.000 Punkte und erreichte ein Rekordhoch. Rückenwind lieferte der klare Wahlsieg von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi – an der Börse spekulieren Anleger auf neue Konjunkturprogramme der Regierung.
Eine besonders greifbare Kursgeschichte lieferte zudem UniCredit. Die italienische Großbank will ihren bereinigten Überschuss bis 2028 auf 13 Milliarden Euro steigern; im vergangenen Jahr legte der Gewinn um knapp 14 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zu. Mindestens 30 Milliarden Euro sollen in den nächsten drei Jahren über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre fließen, binnen fünf Jahren sogar 50 Milliarden Euro. Das färbte auf deutsche Finanztitel ab: Die Commerzbank, an der UniCredit mehr als 26 Prozent hält, gewann mehr als vier Prozent. Die Frage, die im Markt mitschwingt: Wird aus dem finanziellen Rückenwind irgendwann auch strategischer Druck?


