DAX unter Druck: Ölpreisanstieg und brüchige Waffenruhe belasten Märkte
Nach der Erholungsrally zur Wochenmitte fehlen die Anschlusskäufe – steigende Ölpreise und neue Spannungen im Nahen Osten drücken auf die Stimmung.

Der Deutsche Aktienindex (DAX) startet mit Verlusten in den Handelstag. Broker IG taxierte den Index rund zweieinhalb Stunden vor dem Xetra-Start auf 23.880 Punkte – ein Minus von 0,8 Prozent. Die Erholungsrally vom Mittwoch findet damit vorerst keine Fortsetzung. Anleger agieren angesichts wieder gestiegener Ölpreise deutlich defensiver.
Auslöser der neuen Unsicherheit ist die fragile Lage im Nahen Osten. Die am Wochenende vereinbarte Waffenruhe steht auf der Kippe: Nach israelischen Luftangriffen im Libanon droht Iran mit einem Scheitern des Abkommens. Irans Außenminister Abbas Araghtschi richtete auf der Plattform X eine klare Botschaft an Washington: „Die USA müssen sich entscheiden – entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben."
Ölpreis springt zurück auf 97 Dollar
Die geopolitischen Spannungen schlagen sich unmittelbar am Ölmarkt nieder. Noch am Vortag war der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent auf knapp 90 Dollar gefallen – das tiefste Niveau seit Mitte März. Inzwischen notiert Brent wieder bei rund 97 Dollar pro Barrel (159 Liter). Zusätzlich belasten Berichte, wonach die für den globalen Öltransport entscheidende Straße von Hormus weiterhin nicht frei befahrbar ist. Eine in iranischen Medien veröffentlichte Grafik legt sogar eine mögliche Verminung der Meerenge nahe.
Nigel Green, Chef der Vermögensberatungsgruppe deVere Group, brachte die Lage auf den Punkt: „Ein Fünftel des weltweiten Öl-Angebots bewegt sich durch einen Korridor, der immer noch faktisch unter dem Einfluss einer der Konfliktparteien steht. Das ist keine Stabilität."
Asiatische Börsen ebenfalls unter Druck
Die angespannte Lage am Golf hinterließ auch an den asiatischen Märkten Spuren. Der japanische Nikkei-Index verlor 0,5 Prozent, die Börse in Shanghai gab ebenfalls um 0,5 Prozent nach. Zusätzlichen Gegenwind lieferten die Protokolle der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve: Demnach erwägt eine wachsende Zahl von Fed-Mitgliedern weitere Zinserhöhungen, um die Inflation einzudämmen.
Ganz anders noch die Stimmung an der Wall Street am Mittwoch: Die Nachricht von der vereinbarten Waffenruhe hatte dort für kräftige Kursgewinne gesorgt. Der Dow Jones schloss 2,9 Prozent höher bei 47.914 Punkten. Der breite S&P 500 legte 2,5 Prozent zu, der technologielastige Nasdaq gewann 2,8 Prozent auf 22.637 Punkte. Der konjunktursensible Transport-Index erreichte sogar ein neues Allzeithoch.
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Zur AktienanalyseFluggesellschaften und Kreuzfahrtanbieter als Gewinner
Besonders stark profitierten an der Wall Street jene Sektoren, die seit Beginn des Konflikts besonders gelitten hatten. Aktien von Fluggesellschaften wie Delta Air Lines, Southwest Airlines und United Airlines verzeichneten deutliche Kursgewinne. Delta verzichtete zwar wegen der anhaltenden Unsicherheiten auf eine Aktualisierung der Jahresprognose – die Anleger störte das jedoch nicht.
Auch die Kreuzfahrtanbieter Carnival und Norwegian Cruise Line verbuchten kräftige Gewinne. Levi Strauss sprang nach einer Anhebung der Jahresumsatz- und Gewinnprognosen ebenfalls nach oben. Die Frage bleibt nun, ob die gestrige Euphorie an der Wall Street angesichts der erneut aufgeflammten Spannungen Bestand haben kann – oder ob die Märkte in den kommenden Tagen erneut unter Druck geraten.


