DAX unter Druck: Berichtssaison endet, Geopolitik bleibt belastend
Nach einem Verlust von über zwei Prozent kämpft der DAX mit geopolitischen Spannungen und schwindenden Impulsen aus der Berichtssaison.

Der DAX steht zu Beginn der neuen Woche weiter unter Druck. Am vergangenen Freitag verlor der deutsche Leitindex 2,07 Prozent und schloss bei 23.950,57 Punkten. Inflationssorgen, Konjunkturängste und ausbleibende Fortschritte bei den Verhandlungen im Nahen Osten lasteten auf den Kursen.
Die heiße Phase der Berichtssaison ist nun weitgehend abgeschlossen. Claudia Windt von der Landesbank Helaba betont, dass die zuletzt guten Unternehmenszahlen die Aktienkurse noch gestützt hätten. Doch dieser Rückenwind lässt nun nach – die Unternehmensmeldungen werden in den kommenden Wochen deutlich spärlicher.
Windt weist zugleich darauf hin, dass sich die Börsen angesichts der zahlreichen Belastungsfaktoren bislang noch vergleichsweise gut gehalten hätten. Als Beleg verweist sie auf die Rekordstände wichtiger Indizes in den USA und Japan. Beim DAX falle die Entwicklung jedoch verhaltener aus. In den nächsten Wochen werde sich zeigen, „wie stark die realwirtschaftlichen Verwerfungen aufgrund des Energiepreis- und Teuerungsschocks ausfallen werden und womöglich auch Aktien in Mitleidenschaft ziehen". Am Anleihenmarkt sei dieser Druck mit einem kräftigen Renditeanstieg bereits deutlich spürbar.
DAX und EuroStoxx 50 hinken hinterher
Auch die DZ Bank blickt skeptisch auf die europäischen Märkte. Zwar versuchten die Aktienmärkte, den Nahostkonflikt als Belastungsfaktor hinter sich zu lassen. Dennoch notierten sowohl der DAX als auch sein Eurozonen-Pendant EuroStoxx 50 trotz einer Erholung seit Kriegsausbruch noch immer klar unter ihren früheren Kursniveaus.
Anders das Bild in New York: Dort treibt das Thema Künstliche Intelligenz (KI) eine anhaltende Rekordjagd an. Der Iran-Konflikt spiele an der Wall Street kaum noch eine Rolle, so die Einschätzung der DZ Bank. Diese Divergenz zeige sich auch in den unterschiedlichen Volatilitätsindizes auf Basis des DAX und des marktbreiten US-Index S&P 500.
Vor dem Wochenende kam es zwar weltweit zu Gewinnmitnahmen im Technologie- und insbesondere im Halbleitersektor – trotz erneut erfreulicher US-Quartalszahlen. Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass die KI-getriebene Rally nach dieser Pause weitergehen könnte. Davon würden die US-Börsen mit Tech-Schwergewichten wie dem KI-Chip-Spezialisten Nvidia, der Google-Mutter Alphabet und dem Softwarekonzern Microsoft deutlich stärker profitieren als die europäischen Märkte, wo die Technologiebranche ein weit geringeres Gewicht hat.
Nvidia-Quartalsbericht als Wochenhighlight
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Zur AktienanalyseDer mit Spannung erwartete Quartalsbericht von Nvidia steht am Mittwoch nach US-Börsenschluss auf dem Programm. Das Unternehmen ist traditionell das letzte der sogenannten „Magnificent 7", das seine Zahlen vorlegt. Die Erwartungen sind hoch – die Aktie notiert auf Rekordniveau. Die kanadische Bank RBC geht davon aus, dass Nvidia den Ausblick auf das laufende Quartal anheben wird.
Für Privatanleger bleibt die Lage damit zweigeteilt: Während US-Tech-Werte von der KI-Euphorie profitieren, kämpft der DAX mit einem schwierigen Umfeld aus geopolitischen Risiken, nachlassenden Unternehmensimpulsen und wachsenden Konjunktursorgen.


