DAX unter Druck: Amazon-Crash und KI-Zweifel erschüttern Märkte
Der DAX zeigt sich am Freitag schwächer und notiert bei 24.455 Punkten – ein Minus von 0,2 Prozent. Sollte die Abwärtstendenz bis zum Handelsschluss anhalten, wäre der Montag der einzige positive Handelstag dieser turbulenten Woche gewesen. Die Börse Frankfurt kämpft mit hartnäckigen Belastungsfaktoren.
Amazon-Schock versetzt Anleger in Sorge
Die Hauptbelastung kommt aus den USA: Die Amazon-Aktie brach im nachbörslichen Handel um zeitweise 11 Prozent ein, nachdem der Onlineriese exorbitant erhöhte Investitionen in neue Rechenzentren und KI-Chip-Entwicklung angekündigt hatte. Analysten kritisieren, dass Gewinn und Umsatz nicht stark genug mit den Milliardeninvestitionen mithalten. "Die Anleger wollen schnellere Ergebnisse sehen", bringt es Jefferies-Experte Brent Thill auf den Punkt.
"Der KI-Investitions-Kater verwandelt sich gerade in eine wilde Flucht", kommentiert Stephen Innes von SPI Asset Management die Marktlage. Die Anlegerstimmung erinnere an die Gegenbewegung zum Boom von 2021. Die zentrale Frage lautet: Wann zahlen sich die massiven KI-Investitionen aus?
Tech-Werte unter Dauerbeschuss
Diese Woche entwickelte sich zu einer besonders schwierigen Phase für Technologiewerte. Nach Alphabet und AMD traf es nun Amazon. Bereits am Donnerstag war die Google-Mutter an der Börse abgestraft worden, nachdem sie überraschend hohe KI-Investitionen verkündet hatte. Die Sorge vor einer Überhitzung des KI-Sektors ohne entsprechende Renditen wächst.
Die US-Börsen hatten am Donnerstag bereits deutlich nachgegeben: Der Dow Jones verlor 1,2 Prozent auf 48.908 Punkte, der S&P 500 gab um 1,2 Prozent auf 6.798 Zähler nach, und der technologielastige Nasdaq fiel um 1,6 Prozent auf 22.540 Punkte.
Auch in Asien wurden KI- und Tech-Aktien heute massiv abverkauft. Die Sorgen aus den USA trieben Anleger von Tokio bis Shanghai um und verstärkten den weltweiten Ausverkauf.
Bitcoin rutscht unter kritische Marke
Zusätzlich verunsichert der Kursrutsch des Bitcoin, der zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 60.000 Dollar fiel. Mittlerweile hat sich die Kryptowährung zwar etwas stabilisiert, doch die Nervosität bleibt hoch. Auch Gold wird etwas teurer gehandelt, kostet aber deutlich weniger als 5.000 Dollar pro Feinunze.
"Die Zinsangst schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger, während Sorgen über Liquiditätsknappheit, institutionelle Kapitalabflüsse und eine ausgeprägte Risikoaversion den Markt belasten", erklärt Analyst Timo Emden von Emden Research. Insbesondere über das Wochenende sollten sich Investoren auf weitere Unwägbarkeiten einstellen.
Weltweit werden Vermögenswerte, die in den vergangenen Monaten stark gestiegen sind, zunehmend hinterfragt: KI-Aktien, Kryptowährungen und Edelmetalle stehen gleichermaßen unter Druck. "Von einer gewöhnlichen Korrekturbewegung kann nicht mehr die Rede sein", warnt Emden.
Gemischte Konjunktursignale aus Deutschland
Die deutschen Konjunkturdaten boten keine Unterstützung. Zwar sind die Exporte im Dezember so stark gewachsen wie seit über vier Jahren nicht mehr. Gleichzeitig haben deutsche Unternehmen ihre Produktion trotz verbesserter Auftragslage spürbar gedrosselt.
"Die Industriezahlen von heute kontrastieren stark zu den gestrigen sehr guten Auftragszahlen. Aber das ist erst einmal eine Momentaufnahme, nachdem die Produktion zuvor zulegen konnte", kommentiert Jens-Oliver Niklasch von der LBBW zurückhaltend.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht die Lage kritischer: "Die Auftragseingänge gehen dank höherer Rüstungsausgaben zurzeit durch die Decke. Aber die heute veröffentlichte, deutlich gesunkene Industrieproduktion im Dezember bringt die Optimisten wieder auf den Boden der Tatsachen zurück." Die Produktion bewege sich weiter auf niedrigem Niveau seitwärts. "Für die kommenden Monate zeichnet sich noch keine nennenswerte Erholung ab, weil Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima wegen ausbleibender Reformen in den letzten Monaten tendenziell gefallen sind."
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Zur AktienanalyseTrotz des schwierigen Umfelds gibt es auch positive Nachrichten. Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer meldete einen Durchbruch in der Forschung zu einem neuen Blutgerinnungshemmer. Tests ergaben, dass das Risiko, erneut einen Schlaganfall zu erleiden, mit diesem Medikament um 25 Prozent niedriger ist. Die Nachricht katapultierte die Bayer-Aktie nach vorn.
Ebenfalls im Plus notieren die Aktien des Rüstungsunternehmens Renk. Die Investmentbank Exane BNP hat die Aktie auf "Outperform" hochgestuft und ein Kursziel von 65 Euro ausgegeben.
Ausblick: Weitere Turbulenzen erwartet
"Die Kombination aus Ausmaß, Geschwindigkeit und Marktdynamik hat bereits zu spürbaren Verwerfungen geführt", warnt Analyst Emden. "Die jüngste Verkaufsdynamik birgt das Risiko, dass sich die entstandenen Marktverwerfungen nicht nur auf den Kryptosektor beschränken, sondern auch Ansteckungseffekte auf die globalen Finanzmärkte haben und Flurschäden hinterlassen könnten."
Trotz temporärer Erholungsversuche sollten sich Anleger weiterhin auf Abwärtsrisiken einstellen. Die fundamentale Frage nach der Profitabilität massiver KI-Investitionen bleibt vorerst unbeantwortet und dürfte die Märkte weiter beschäftigen.


