DAX steigt auf 24.850 Punkte: Trump-Kehrtwende im Zollstreit beflügelt
Der deutsche Leitindex DAX hat am Morgen kräftig zugelegt und kletterte um 1,2 Prozent auf 24.850 Punkte. Auslöser der Erholung ist die überraschende Kehrtwende von US-Präsident Donald Trump im Zollstreit. Am Vortag war der DAX noch mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 24.560 Punkten aus dem Handel gegangen – knapp 1.000 Punkte unter dem Allzeithoch von 25.507 Zählern. Die Gewinne des Jahresstarts waren damit praktisch aufgezehrt. Nun nimmt der Index wieder Kurs auf die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten.
"Die Trump-Volatilität ist zurück auf dem Frankfurter Parkett", konstatiert Jochen Stanzl, Marktbeobachter bei der Consorsbank. "Die extreme Rhetorik des US-Präsidenten fügt sich in ein bekanntes Muster ein: Auf maximal formulierte Positionen folgen später moderatere Signale, wodurch anfängliche Verluste schnell wieder aufgeholt werden."
Zollstreit vorerst entschärft – Details bleiben offen
Obwohl die Entspannungssignale aus Washington die Märkte beflügeln, bleiben wichtige Fragen ungeklärt. Wie eine künftige Einigung über Grönland im Detail aussehen wird, ist noch nicht absehbar. Derzeit ist lediglich von einer Rahmenvereinbarung die Rede. Die geopolitischen Aspekte interessieren die Finanzmärkte derzeit jedoch kaum.
"Ob das Grönland-Thema dauerhaft zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen", sagt Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Für das Erste feiern die Börsen aber die neue Faktenlage." Michael Brown, Stratege beim Broker Pepperstone, ergänzt: Für die Märkte seien die Details des Rahmenabkommens zweitrangig, entscheidend sei allein der Verzicht auf Zölle.
Frank Sohlleder, Analyst beim Broker ActivTrades, mahnt Anleger dennoch zur Vorsicht: "Die Verhandlungstaktiken der US-Regierung sind extrem dynamisch. Was heute als 'fantastischer Deal' gefeiert wird, kann morgen durch einen einzigen Social-Media-Post wieder infrage gestellt werden."
Autowerte mit kräftigen Kursgewinnen
Besonders deutlich reagieren die exportabhängigen Autowerte auf die Entspannung im Handelskonflikt. Die Aktien von Volkswagen, BMW und Mercedes legen deutlich stärker zu als der Gesamtmarkt. Der europäische Auto-Branchenindex war am Montag noch auf das tiefste Niveau seit Oktober abgerutscht.
Die Volkswagen-Aktie profitiert zusätzlich von positiven Unternehmensnachrichten: Der Konzern hat zum Jahresende bei der Kassenlage besser abgeschnitten als erwartet. Der sogenannte Netto-Cashflow im Automobilbereich – ohne Finanzdienstleistungen – lag 2024 mit rund sechs Milliarden Euro eine Milliarde über dem Vorjahreswert, wie das Management mitteilte.
Fed-Unabhängigkeit im Fokus
Neben dem Zollstreit bleibt die Frage der Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve ein wichtiges Thema für die Märkte. Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat deutliche Zweifel am Versuch von Präsident Trump geäußert, die Fed-Vorständin Lisa Cook sofort zu entlassen.
Bei einer Anhörung zeigten sich Richter aus beiden politischen Lagern skeptisch gegenüber den Vorwürfen der Regierung und betonten die besondere verfassungsrechtliche Stellung und Unabhängigkeit der Notenbank. Hinter der Personaldebatte steht die grundsätzliche Frage, inwieweit ein US-Präsident Einfluss auf die Fed nehmen darf und ob Trump mit seinem Entlassungsversuch die Grenzen seiner Macht überschritten hat.
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Zur AktienanalyseDollar erholt sich leicht
Der US-Dollar hat einen Teil der jüngsten Kursverluste wieder wettgemacht. "Eine Eskalation des Konflikts und eine sich abzeichnende Zollspirale zeichnet sich derzeit nicht ab, sodass die US-Währung einen Teil der zuletzt erlittenen Kursverluste wieder aufholen kann", heißt es von der Helaba.
Devisenanalysten hatten die Dollar-Einbußen zuvor mit sogenannten "Sell-America-Trades" begründet: Wegen der Eskalation des Grönland-Konflikts wurden amerikanische Aktien, Staatsanleihen und der Dollar verkauft. Diese Bewegung kehrt sich nun teilweise um.
Für deutsche Anleger bleibt die Lage volatil. Die schnellen Kehrtwenden in der US-Politik sorgen für erhebliche Unsicherheit. Während die kurzfristige Entspannung im Zollstreit Erleichterung bringt, mahnen Experten zu Wachsamkeit. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Erholung des DAX nachhaltig ist oder ob neue Tweets aus Washington erneut für Turbulenzen sorgen.


