DAX springt 5% nach oben: Waffenruhe am Golf beflügelt Märkte
Die Straße von Hormus ist wieder offen – und die Börsen feiern. Nachdem eine Waffenruhe am Persischen Golf verkündet wurde, erlebten die globalen Aktienmärkte heute eine der stärksten Erholungsrallyes seit Jahren. Der DAX legte um 5,06 Prozent auf 20.080 Punkte zu und überwand damit erstmals seit einem Monat wieder die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten. Es war der größte Tagesgewinn des deutschen Leitindex seit gut drei Jahren.
Besonders bedeutsam für die Weltwirtschaft ist die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr. Die USA hatten dies zur Bedingung für eine Feuerpause gemacht. Täglich passieren in normalen Zeiten rund 135 Schiffe die strategisch wichtige Meerenge – ein Nadelöhr für die globale Energieversorgung. "Die Wiederaufnahme des Verkehrs wird selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen", mahnten die Analysten der LBBW zur Geduld.
Auch die US-Börsen starteten mit kräftigen Aufschlägen in den Handelstag. Der Dow Jones gewann bis zum frühen Abend rund drei Prozent. Besonders stark unter Druck gerieten die Ölpreise: Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um rund 13 Prozent auf 94,50 Dollar je Barrel. Anleger reagierten damit auf die Aussicht, dass die während der 40-tägigen Blockade entstandene Versorgungslücke von rund 400 Millionen Barrel schrittweise geschlossen werden könnte.
Die fallenden Ölpreise wecken Hoffnungen auf eine Entspannung bei der Inflation. "Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird", erklärte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. In der Folge steigen auch die Erwartungen an eine Zinswende der US-Notenbank Fed: Laut dem FedWatch-Tool der Chicagoer Terminbörse CME liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung zum Jahresende wieder bei über 30 Prozent.
Bei den Einzelwerten profitierten vor allem Technologie-, Bank- und Luftfahrttitel als klassische Nutznießer sinkender Energiekosten und möglicher Zinssenkungen. Siemens Energy und Infineon führten die DAX-Gewinnerliste mit Aufschlägen von jeweils über elf Prozent an. Heidelberg Materials erholte sich um mehr als neun Prozent, auch Bilfinger und Hochtief verzeichneten deutliche Zuwächse – der Bau- und Industriesektor hatte unter den Kriegsfolgen und Wachstumssorgen besonders gelitten.
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Zur AktienanalyseAuf der Verliererseite standen die bisherigen Krisengewinner. K+S verlor rund acht Prozent: Der Düngemittelkonzern hatte zuvor von gestörten Kali-Exporten durch den Persischen Golf profitiert. Die Deutsche Börse, die in der Krise von erhöhter Marktvolatilität und dem lebhaften Handel an der Energiebörse EEX profitiert hatte, büßte rund 1,1 Prozent ein. Auch Südzucker gab nach, nachdem der Kurs zuvor von gestiegenen Ethanolpreisen getrieben worden war.
Trotz der Euphorie mahnen Experten zur Vorsicht. Berichte über weiteren Beschuss in der Golfregion trübten die Stimmung im Handelsverlauf. USA und Iran liegen in zentralen Fragen noch weit auseinander – etwa bei der Urananreicherung, der freien Schiffspassage und der Einbeziehung des Libanon in die Feuerpause. Beide Seiten betonten ihre Kampfbereitschaft für den Fall eines Scheiterns der Gespräche, die am Freitag in Pakistan beginnen sollen. Die Lage bleibt fragil – und damit auch die Grundlage für die heutige Börsenrallye.


