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DAX knapp unter 24.000: Inflation steigt, Ölpreise explodieren

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DAX knapp unter 24.000: Inflation steigt, Ölpreise explodieren

Die Inflationsrate in Deutschland hat im April die 2,9-Prozent-Marke erreicht – ein direktes Resultat des anhaltenden Iran-Kriegs und der damit verbundenen Energiepreisschübe. Das Statistische Bundesamt meldete zur Wochenmitte, dass Waren und Dienstleistungen im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich teurer geworden sind. Besonders Heizen und Tanken belasten die Verbraucher spürbar.

Trotz dieser beunruhigenden Konjunkturdaten zeigten sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt erstaunlich gelassen. Der DAX startete mit leichten Gewinnen in den Handelstag, rutschte im frühen Verlauf jedoch ins Minus und gab die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten vorübergehend auf. Zum Handelsschluss notierte der deutsche Leitindex bei 23.954 Punkten – ein minimales Minus von 0,27 Prozent. Die abwartende Haltung der Anleger erklärt sich auch durch den mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve, der erst nach Börsenschluss in Frankfurt für 20:00 Uhr MESZ angekündigt war.

Die Ölpreise legten unterdessen kräftig zu. Neue Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran trieben den Preis für ein Barrel Brent-Öl zur Lieferung im Juni um mehr als drei Prozent auf 114,70 Dollar. Die USA bekräftigten zudem, die Seeblockade iranischer Häfen aufrechtzuerhalten, um Teherans Ölexporte zu unterbinden und das Regime an den Verhandlungstisch zu zwingen. Eine Öffnung der strategisch entscheidenden Straße von Hormus ist weiterhin nicht absehbar – mit erheblichen Folgen für die globale Energieversorgung und die Inflationsentwicklung diesseits und jenseits des Atlantiks.

Bei der Fed wird erwartet, dass sie die Leitzinsen zum dritten Mal in Folge unverändert lässt. Die geldpolitische Unsicherheit bleibt hoch, denn der Iran-Krieg könnte auch in den USA die Inflation weiter anheizen und das Wirtschaftswachstum dämpfen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Pressekonferenz nach der Zinssitzung: Es ist der letzte öffentliche Auftritt von Notenbankchef Jerome Powell, dessen Amtszeit am 15. Mai endet. Sein wahrscheinlicher Nachfolger Kevin Warsh hat eine wichtige Hürde genommen – der Bankenausschuss im US-Senat stimmte mit 13 zu 11 Stimmen für ihn, sodass nun das Plenum des Senats über seine Berufung abstimmen kann.

Parallel zur Geldpolitik nimmt die Berichtssaison mächtig Fahrt auf. In den USA öffnen gleich vier der größten Tech-Konzerne ihre Bücher: Amazon, Meta, Alphabet und Microsoft legen ihre Quartalsergebnisse nach US-Börsenschluss vor, Apple folgt am Donnerstag. Auch im DAX war es ein ereignisreicher Tag mit sechs Quartalsberichten.

Die Deutsche Bank überraschte mit einem Rekordgewinn: Der Nachsteuergewinn stieg im ersten Quartal um acht Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Dennoch landete die Aktie am Ende des DAX. Analysten monierten den Anstieg der Rückstellungen und eine niedriger als erwartet ausgefallene Kernkapitalquote – ein Zeichen dafür, dass starke Gewinne allein nicht immer für Kursgewinne sorgen.

Mercedes-Benz meldete für das erste Quartal einen Gewinnrückgang von 17,2 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. Angesichts des schwierigen Umfelds – schwache Nachfrage in China, US-Zölle, Wechselkursbelastungen und harter Wettbewerb mit sinkenden Verkaufspreisen – fiel der Rückgang aus Analystensicht jedoch überraschend moderat aus. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von einem soliden Jahresstart, der die Markterwartungen übertroffen habe. Der Jahresausblick bleibt unverändert.

Adidas lieferte ebenfalls starke Zahlen: Der Quartalsumsatz legte um gut sieben Prozent zu, das Betriebsergebnis stieg trotz Währungseffekten und Zöllen um 15,5 Prozent. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach bestätigte seinen Jahresausblick und hofft auf zusätzlichen Rückenwind durch die Fußball-WM, die am 11. Juni in Mexiko, Kanada und den USA beginnt.

Eine der größten Überraschungen des Tages kam aus dem Industriesektor: Der finnische Aufzughersteller Kone will den deutschen Rivalen TK Elevator für 29,4 Milliarden Euro übernehmen. Die Thyssenkrupp-Aktie reagierte mit einem zweistelligen Kursplus und war zweitstärkster Wert im MDAX. Thyssenkrupp hatte die Aufzugsparte 2020 an Finanzinvestoren verkauft, hält aber noch indirekt rund 16 Prozent an dem Unternehmen und würde entsprechend von dem Deal profitieren.

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