DAX kaum bewegt – Anleger warten auf Berichtssaison und Fed-Entscheid
Nach der turbulenten Vorwoche mit dem Grönland-Konflikt herrscht an der Frankfurter Börse angespannte Ruhe. Der DAX schloss am Freitag mit einem minimalen Plus von 0,18 Prozent bei exakt 24.900 Punkten. Die kräftige Erholungsrally vom Vortag, als der Index nach der Beilegung des Zollstreits mit den USA um 1,2 Prozent auf 24.856 Punkte gestiegen war, fand keine Fortsetzung.
Anleger zeigen sich zurückhaltend vor einer ereignisreichen Woche. Ab Montag startet die Berichtssaison in Deutschland, zudem steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed an. "Der Grönland-Thriller ist zwar entschärft, aber noch lange nicht ausgestanden", kommentiert Frank Sohlleder vom Broker Activtrades die Stimmung. Marktbeobachter Andreas Lipkow ergänzt: Die Frage bleibe offen, welches Thema von den USA als nächstes komme oder wieder aufgewärmt werde.
Adidas unter Druck – SAP vor Quartalszahlen gefragt
Bei den Einzelwerten fiel Adidas negativ auf. Die Aktie verlor über fünf Prozent und war damit DAX-Schlusslicht. Offenbar erwarten Anleger keine überzeugenden Ausblicke vom Sportartikelhersteller. Dabei sind gerade die Prognosen der Unternehmen jetzt entscheidend: Nach dem Krisenjahr 2025 hoffen Investoren auf eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland im laufenden Jahr.
Auf der Gewinnerseite stand SAP. Der Walldorfer Softwarekonzern eröffnet am kommenden Donnerstag die heiße Phase der Berichtssaison. Die Spannung steigt, denn die SAP-Aktie hat seit dem Sommer mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. Anleger fragen sich, ob künstliche Intelligenz komplexe Softwareprogramme künftig ersetzen könnte.
Intel enttäuscht – Friedenshoffnung für Ukraine
An der Wall Street präsentierten sich die Indizes uneinheitlich. Während der Dow Jones moderat nachgab, legte die Technologiebörse Nasdaq zu. Dramatisch verlief der Handelstag für Intel: Die Aktie des Chipherstellers brach um knapp 16 Prozent ein. Das Umsatzziel für das laufende Quartal enttäuschte die Wall Street, Lieferengpässe bremsen den Sanierungskurs. JPMorgan-Analyst Harlan Sur hatte zuvor gewarnt, der Kursanstieg von fast 50 Prozent seit Jahresbeginn sei zu viel des Guten gewesen.
Eine positive Nachricht kam von der geopolitischen Front: Unter Vermittlung der USA wollen Unterhändler Russlands und der Ukraine in Abu Dhabi erstmals seit längerem wieder auf offizieller Ebene miteinander verhandeln. "Ein möglicher Durchbruch auf dem Weg zum Frieden wäre für die europäischen Märkte der ultimative Wachstumstreiber und könnte den DAX schnell wieder über die 25.000er-Marke hieven", prognostiziert Experte Sohlleder.
Edelmetalle auf Rekordkurs
Die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten treiben Anleger weiter in sichere Häfen. Der Silberpreis durchbrach erstmals die Marke von 100 Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm). In den ersten Wochen des Jahres verteuerte sich Silber damit um fast 40 Prozent – und war damit gefragter als Gold.
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Zur AktienanalyseAber auch Gold kennt derzeit nur eine Richtung und nähert sich der Marke von 5.000 Dollar je Feinunze. Kyle Rodda, leitender Marktanalyst bei Capital.com, erklärt: "Das Vertrauen in die USA und deren Vermögenswerte ist erschüttert, das treibe das Kapital in Edelmetalle." Die politischen Kapriolen der Trump-Regierung und geopolitische Krisen befeuern die Flucht in das als sicher geltende Edelmetall.
Ausblick: Berichtssaison und Fed im Fokus
Die kommende Woche wird richtungsweisend für die weitere Entwicklung an den Märkten. Neben dem Auftakt der Berichtssaison mit SAP steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank an. Anleger erwarten wichtige Signale zur künftigen Geldpolitik. Zudem bleiben die Entwicklungen in den Ukraine-Friedensgesprächen und weitere mögliche Überraschungen aus Washington auf der Agenda.


