DAX gibt nach Trump-Drohungen ab – Siemens Energy glänzt mit 6 Prozent
Der DAX hat am Freitag seine anfängliche Stabilität nicht halten können und schloss mit einem Minus von 0,22 Prozent bei 25.297 Punkten. Nach einem lange Zeit seitwärts tendierenden Handel kam im späten Geschäft moderate Verkaufsneigung auf. Auslöser war eine erneute Drohung von US-Präsident Donald Trump: Er kündigte neue Zölle gegen Länder an, die seine Besitzansprüche auf Grönland nicht unterstützen.
Trotz des verhaltenen Wochenschlusses blicken Anleger auf eine bemerkenswerte Handelswoche zurück. Der deutsche Leitindex markierte bei 25.507 Punkten ein neues Rekordhoch und liegt seit Jahresanfang mit einem Plus von gut drei Prozent im grünen Bereich. Die positive Stimmung speist sich vor allem aus Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland.
Wirtschaftliche Erwartungen stützen Aktienmärkte
Nach zwei Rezessionsjahren in Folge wuchs die deutsche Wirtschaft 2024 wieder um 0,2 Prozent. Für das laufende Jahr trauen Ökonomen Europas größter Volkswirtschaft ein Wachstum von etwa einem Prozent zu. Diese Aussichten motivieren Anleger, sich mit deutschen Aktien einzudecken.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, spricht aktuell von einer "Verschnaufpause". Nach den ereignisreichen ersten Wochen des Jahres mit geopolitischen Spannungen in Venezuela, Grönland und Iran müssten die Kapitalmärkte diese Entwicklungen erst verdauen. "Alles zusammen ließ die Aktienmärkte zunächst auf einen Konsolidierungspfad einschwenken", so Kater.
Verhaltener Handel in New York
Auch an der Wall Street zeigten sich die Märkte zur europäischen Handelsschlusszeit verhalten. Die großen US-Indizes bewegten sich nahe ihrer Vortagesschlussstände und tendierten uneinheitlich. Die Technologiebörse Nasdaq notierte leicht im Plus.
Im Fokus der Anleger stehen derzeit Chip-Aktien. Der taiwanesische Halbleiterproduzent TSMC hatte am Donnerstag überraschend starke Quartalszahlen vorgelegt. Investoren erwarten weiterhin eine durch den Boom um Künstliche Intelligenz getriebene hohe Chip-Nachfrage.
USA und Taiwan sichern Chip-Lieferkette
Um die Versorgung mit modernster Chip-Technologie zu sichern, haben die USA mit Taiwan ein bedeutendes Handelsabkommen geschlossen. Taiwanesische Chip-Konzerne sollen mindestens 250 Milliarden Dollar in den USA investieren. Im Gegenzug fallen die US-Zölle für taiwanesische Waren von 20 auf 15 Prozent.
Das Abkommen zielt darauf ab, die Lieferkette zu sichern und die Produktion verstärkt in die USA zu verlagern. Moderne Chips sind in unzähligen Produkten verbaut – von Smartphones über KI-Rechenzentren bis hin zu militärischen Anwendungen. Eine Versorgungskrise, etwa durch Spannungen zwischen den USA und China um Taiwan, würde die Wirtschaft an einer ihrer empfindlichsten Stellen treffen.
Siemens Energy und RWE gefragt
Bei den Einzelwerten im DAX waren Aktien von Unternehmen gefragt, die von der Energiewende und dem KI-Ausbau profitieren. Siemens Energy führte als Tagessieger mit einem Plus von rund sechs Prozent. Auch der Energieversorger RWE setzte seinen guten Lauf fort und legte um 1,4 Prozent zu. Den Papieren kam zuletzt der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute.
Chemiewerte unter Druck
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Zur AktienanalyseAus Branchensicht gaben insbesondere Chemiewerte nach. Analysten von Barclays und JPMorgan zeigten sich skeptisch bezüglich einer starken Belebung der seit langem schwächelnden Branche. Brenntag und BASF gehörten zu den größten Verlierern im DAX.
Klöckner-Aktie schießt nach oben
Eine der spektakulärsten Bewegungen des Tages verzeichnete die Klöckner & Co-Aktie im SDAX. Die Papiere des Stahl- und Metallverarbeiters schossen um 28 Prozent nach oben. Hintergrund ist die geplante Übernahme durch den US-Konzern Worthington Steel. Der Wert der Transaktion beläuft sich auf insgesamt 2,1 Milliarden Euro. Vorstand und Aufsichtsrat von Klöckner empfehlen den Aktionären die Annahme des Angebots.
Thomas Schulte-Vorwick, Analyst beim Bankhaus Metzler, kommentierte, er erachte die Übernahme als strategisch sinnvoll wegen eines hohen Potenzials an operativen Synergien. Die positive Marktreaktion unterstreicht, dass Investoren das Übernahmeangebot als attraktiv bewerten.


