Dax belastet: Ifo-Einbruch und Iran-Krise drücken Stimmung
Trotz SAP-Rally bleibt der Dax unter Druck – schwacher Ifo-Index und fragile Waffenruhe im Iran belasten die Märkte.

Der deutsche Leitindex kommt am Freitag kaum vom Fleck. Gegen Mittag notiert der DAX mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 24.240 Punkten, der EuroStoxx 50 legt minimal um 0,2 Prozent zu. Dabei können die starken Kursgewinne des DAX-Schwergewichts SAP, dessen Aktie nach überzeugenden Quartalszahlen um mehr als fünf Prozent anzieht, den Gesamtmarkt kaum beflügeln.
Für Gegenwind sorgen gleich zwei Belastungsfaktoren: die fragile Waffenruhe im Iran-Krieg und ein überraschend deutlicher Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex. „Kaum gab es zarte Knospen einer wirtschaftlichen Trendwende, macht der Iran-Krieg einem Aufschwung einen Strich durch die Rechnung", kommentiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank.
Ifo-Index auf tiefstem Stand seit Jahrzehnten
Das Ifo-Geschäftsklima ist im April auf 84,4 Punkte gefallen, nach revidiert 86,3 Zählern im März. Damit hat die militärische Eskalation im Nahen Osten die Stimmung in den deutschen Chefetagen auf das niedrigste Niveau seit Beginn des Jahrzehnts gedrückt. Haupttreiber des Pessimismus sind die stark gestiegenen Energiepreise. „Jeder Tag, den die Straße von Hormus gesperrt ist, verursacht Konjunkturschmerz", warnt Alexander Krüger, Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe.
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar sind die Ölpreise kräftig gestiegen, weil der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus faktisch zum Erliegen gekommen ist. Vor dem Konflikt wurde ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases durch diese Meerenge am Persischen Golf transportiert. US-Präsident Donald Trump hatte die seit dem 8. April geltende Feuerpause zuletzt zwar auf unbestimmte Zeit verlängert, um weitere Gespräche zu ermöglichen. Ob und wann Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran wieder aufgenommen werden, bleibt jedoch offen. Nordseeöl der Sorte Brent kostet aktuell rund 104 Dollar je Barrel, US-Öl WTI notiert bei etwa 95 Dollar.
Notenbanken im Fokus – Fed und EZB dürften stillhalten
Angesichts des Ölpreisschocks und seiner Folgen für Inflation und Weltwirtschaft richten Anleger ihren Blick bereits auf die Zinsentscheide der großen Notenbanken in der kommenden Woche. Experten erwarten allerdings, dass sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine weitere Zinspause einlegen werden. „EZB und Fed agieren bewusst datenabhängig und vermeiden vorschnelle Festlegungen", erklärt Daniel Kerbach von der BayernInvest. Am Devisenmarkt bewegt sich wenig: Der Euro notiert bei 1,1688 Dollar, der Dollar-Index bei 98,80 Punkten.
SAP glänzt, Siemens Energy mit gemischten Signalen
Im Mittelpunkt des Unternehmensgeschehens steht SAP. Der Walldorfer Softwarekonzern hat den Rückgang der Wachstumsraten in seiner wichtigen Cloud-Sparte vorerst gestoppt und übertrifft in mehreren Kategorien die Erwartungen. „Das ist umso erstaunlicher, wenn man die unsicheren makroökonomischen und geopolitischen Rahmenbedingungen sowie den Umbruch betrachtet, der derzeit im Softwaresektor stattfindet", sagt Jochen Stanzl von der Consorsbank.
Verhaltener fällt die Reaktion bei Siemens Energy aus. Zwar hebt der Energietechnikkonzern seine Umsatz- und Gewinnprognose für 2025/2026 an, doch blieben die Quartalszahlen leicht hinter den Erwartungen zurück. Ein Händler fasst es so zusammen: Die Zahlen seien insgesamt stark, wiesen aber auch Schwachstellen in der Bilanz auf. Die Aktie legt im DAX dennoch 3,5 Prozent zu und hat seit Jahresbeginn bereits über 50 Prozent gewonnen.
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Zur AktienanalyseJungheinrich bricht ein, Atoss Software mit Kurssprung
Im MDax sorgt ein Gewinneinbruch im ersten Quartal bei Jungheinrich für Kursverluste. Die Papiere des Gabelstapler-Herstellers verlieren zeitweise bis zu 15 Prozent. Im SDax hingegen schießen die Aktien von Atoss Software um zeitweise elf Prozent nach oben. Das Unternehmen erwartet für das laufende Jahr eine operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) von mindestens 34 Prozent – zwei Prozentpunkte mehr als bisher geplant.
Keinen guten Tag erwischt Electrolux. Der schwedische Hausgerätehersteller ist im ersten Quartal wegen schwacher Nachfrage in den USA überraschend in die Verlustzone gerutscht. Die Aktie bricht zeitweise um rund 25 Prozent ein und fällt auf den niedrigsten Stand seit 2009. Als Reaktion kündigt Electrolux eine weitreichende Partnerschaft mit dem chinesischen Rivalen Midea in Nordamerika an und plant zur Finanzierung der Kooperation sowie weiterer Umbaumaßnahmen eine Kapitalerhöhung im Volumen von neun Milliarden Kronen.


