DAX bei 25.147 Punkten: Schwache Exportdaten bremsen Rekordfahrt
Der DAX zeigt sich am Freitagmorgen nahezu unverändert und notiert mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 25.147 Punkten. Noch am Mittwoch hatte der deutsche Leitindex erstmals die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten durchbrochen, gestern erreichte er im Handelsverlauf ein weiteres Allzeithoch bei 25.217 Punkten. Der Schwung ließ allerdings nach – am Ende stand nur ein minimales Plus auf 25.127 Zähler.
"Die ersten fünf Handelstage des neuen Jahres sind absolviert und der DAX hat den Jahresstart mit Bravour in Form von vier neuen Allzeithochs gemeistert", konstatieren die Marktbeobachter von HSBC. Historisch betrachtet besitzt die Kursentwicklung der ersten fünf Handelstage häufig Signalcharakter für das Gesamtjahr. Vor dem Hintergrund der geopolitisch angespannten Lage erscheinen die Kursgewinne seit Jahresbeginn besonders bemerkenswert.
Deutsche Exporte brechen deutlich ein
Aktuelle Konjunkturdaten aus Deutschland liefern ein gemischtes Bild. Die deutschen Exporte sind nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts im November 2024 gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent gesunken – der stärkste Rückgang seit anderthalb Jahren. Die Industrieproduktion überraschte dagegen positiv und legte im November um 0,8 Prozent zu.
Die Exportdaten enttäuschten viele Ökonomen. "Der Exportsektor scheint die beste Zeit hinter sich zu haben", kommentiert Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Hauck Aufhäuser Lampe. Jörg Krämer von der Commerzbank sieht in der Produktionssteigerung lediglich einen Ausgleich zur Delle vom Sommer: "Ein deutlicher Aufschwung zeichnet sich noch nicht ab."
US-Arbeitsmarktbericht im Fokus
Entscheidend für die weitere Richtung an den Aktienmärkten könnte der heute um 14:30 Uhr veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht sein. Die Arbeitsmarktentwicklung ist für die Geldpolitik der Federal Reserve von zentraler Bedeutung. Von Reuters befragte Experten erwarten für Dezember die Schaffung von 60.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach 64.000 im November.
"Schwächelnde Arbeitsmarktdaten erhöhen den Druck auf die Federal Reserve, die Zinsen schneller zu senken, um die Wirtschaft zu stützen", erklärt Frank Sohlleder, Analyst beim Broker ActivTrades. Niedrigere Zinsen bedeuten günstigere Finanzierungskosten für Unternehmen – ein direkter Impuls für künftige Investitionen und Gewinne. Allerdings erhöhen niedrige Leitzinsen auch die Inflationsrisiken.
Spannung vor Gerichtsentscheidung zu Trump-Zöllen
Investoren blicken zudem gespannt auf eine Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs zur Rechtmäßigkeit von Zöllen, die für heute Nachmittag erwartet wird. Im Kern geht es um die Frage, ob Präsident Trump bei den Abgaben gegen zahlreiche Länder seine Befugnisse auf Kosten des Kongresses überschritten hat.
"Für den Aktienmarkt wäre es kurzfristig ein positives Signal, wenn das Gericht die Zölle kippt", stellt Jochen Stanzl von der Consorsbank fest. Anleger versprechen sich davon höhere Gewinnmargen der Unternehmen und geringere Belastungen für Konsumenten. Mittelfristig dürfte die Unsicherheit jedoch wieder zunehmen, da die US-Regierung versuchen würde, die Zölle auf anderen Wegen erneut zu aktivieren.
Ölpreise steigen trotz Venezuela-Intervention
Nach dem US-Militärangriff auf Venezuela waren die Ölpreise zunächst gefallen. Die Hoffnungen auf langfristig günstigere Notierungen erweisen sich jedoch als verfrüht. Aktuell verteuert sich Öl wieder: Brent-Öl legt um gut ein Prozent auf 62,26 Dollar je Barrel zu, WTI-Öl steigt auf 57,98 Dollar. Bereits am Vortag hatte sich Öl um mehr als drei Prozent verteuert.
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Zur AktienanalyseDerzeit verunsichern die anhaltenden Proteste im Iran die Anleger. "Der Iran ist trotz aller Sanktionen ein wichtiger Ölproduzent, und Instabilität dort könnte auch die Ölproduktion im Mittleren Osten gefährden", warnt Stanzl. Im Dezember brach im Iran die größte Protestwelle seit drei Jahren aus. Hintergrund sind die wachsende Not im Zuge der kriselnden Wirtschaft, eine galoppierende Inflation und Einschränkungen der politischen und sozialen Freiheiten. Auch die unsichere Lage in Venezuela bleibt ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor.
Mega-Fusion in der Rohstoffbranche bahnt sich an
In der Branche der Rohstoff-Versorger könnte ein bedeutsamer Zusammenschluss bevorstehen: Die Bergbaukonzerne Glencore und Rio Tinto loten eine Fusion zum weltgrößten Unternehmen der Branche mit einem Börsenwert von rund 207 Milliarden Dollar aus. Beide Firmen bestätigten Gespräche. Aktuell gehe es um eine mögliche Zusammenlegung einiger oder aller Geschäftsbereiche. Eine Option sei eine Übernahme von Glencore durch Rio Tinto im Zuge eines Aktientauschs.
Rio Tinto ist der weltgrößte Eisenerzförderer und kommt auf eine Marktkapitalisierung von 142 Milliarden Dollar, Glencore wird mit 65 Milliarden Dollar bewertet. Gemäß den britischen Übernahmeregeln hat Rio Tinto bis zum 5. Februar Zeit, ein formelles Angebot für Glencore abzugeben oder zu erklären, dass der Vorstoß nicht fortgesetzt wird.


