DAX auf Rekordjagd: Kommt nach 25.000 die nächste Rallye?
Der deutsche Leitindex DAX hat am Montagmorgen erneut Geschichte geschrieben und ein frisches Allzeithoch bei 25.283 Punkten markiert. Damit setzt sich die beeindruckende Rallye fort, die den Index bereits in der vergangenen Woche erstmals über die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten katapultiert hatte. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund drei Prozent zu Buche.
Doch während sich Anleger über die starke Performance freuen, mehren sich die mahnenden Stimmen. "Natürlich stellt sich bei aller Euphorie die Frage nach der Nachhaltigkeit. Ewig kann eine derart steile Rallye nicht ohne Verschnaufpause weitergehen", gibt Frank Sohlleder, Analyst beim Broker ActivTrades, zu bedenken. Auch die Experten der Helaba sehen zumindest vorübergehende Rücksetzer als realistisches Szenario.
Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners spricht sogar von einer "Woche der Wahrheit" für den DAX. Seine Einschätzung: Der Index sei derzeit überkauft. Besonders wichtig wird nun die US-Berichtssaison, die in diesen Tagen startet. "Da muss sich zeigen, ob die steigenden Aktienkurse auch von steigenden Unternehmensgewinnen gestützt werden", so Altmann.
US-Bankbilanzen im Fokus
Am Dienstag eröffnet JPMorgan den Reigen der Quartalsberichte und gibt damit den Startschuss für die US-Berichtssaison. Die Zahlen der großen Banken sind für Anleger von besonderem Interesse, da sie einen zuverlässigen Einblick in den Gesamtzustand der US-Wirtschaft ermöglichen. Die Unternehmensbilanzen bleiben der wesentliche Kurstreiber am Aktienmarkt – entsprechend intensiv werden Investoren die kommenden Geschäftsberichte analysieren.
Doch nicht nur die Unternehmenszahlen sorgen für Aufmerksamkeit. In den USA eskaliert der Konflikt zwischen Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell weiter. Die US-Regierung droht dem Notenbankchef nun mit einer Klage wegen angeblicher Falschaussagen im Zusammenhang mit Sanierungskosten für Fed-Gebäude in Washington. Powell selbst sieht darin lediglich einen Vorwand, um Druck auf die Notenbank auszuüben.
Streit um Fed-Unabhängigkeit belastet US-Märkte
Trump hatte die Federal Reserve wiederholt aufgefordert, die Leitzinsen stärker zu senken. Niedrigere Zinsen würden zwar den Aktienmarkt und die Konjunktur stützen, bergen jedoch gleichzeitig erhöhte Inflationsrisiken. "Es ist offensichtlich, dass es innerhalb der Regierung ein großes Lager gibt, das darauf dringt, die Unabhängigkeit der Fed zu beenden", analysiert Neil Wilson von Saxo Markets die Situation.
Interessanterweise könnte dieser Konflikt dem deutschen Aktienmarkt sogar zugutekommen. "Ausgerechnet der Fed-Streit könnte die Suche der Anleger nach Alternativen zu US-Aktien anheizen", stellt Jochen Stanzl, Marktanalyst bei der Consorsbank, fest. "Das könnte dem DAX zugutekommen."
Die US-Investoren reagieren jedenfalls nervös auf die politischen Querelen. Die Futures für die Wall Street notieren aktuell im Minus, was auf einen schwachen Handelsstart hindeutet. Dabei waren die US-Börsen am Freitag noch mit Gewinnen ins Wochenende gegangen: Der Dow Jones schloss 0,5 Prozent höher bei 49.504 Punkten, der Nasdaq legte 0,8 Prozent auf 23.671 Zähler zu, und der S&P 500 stieg um 0,6 Prozent auf 6.966 Punkte.
Auf Wochensicht präsentierten sich die US-Indizes robust: Der S&P 500 gewann 1,6 Prozent, der Nasdaq 1,9 Prozent und der Dow Jones sogar 2,3 Prozent.
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Zur AktienanalyseGold profitiert von Unsicherheit
Die geopolitischen Spannungen und die Ermittlungen gegen den Fed-Chef treiben Anleger verstärkt in sichere Häfen. Der Goldpreis kletterte auf ein neues Allzeithoch und kostete in der Spitze erstmals mehr als 4.600 Dollar je Feinunze.
"Die Ereignisse im Iran und eine mögliche Verwicklung der USA sowie die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Fed-Chef haben die US-Futures ins Minus gedreht", erklärt Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade. "Das war grünes Licht für einen Gold-Anstieg."
Für deutsche Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Während der DAX von seiner technischen Stärke und möglichen Umschichtungen aus US-Aktien profitieren könnte, drohen die globalen Unsicherheiten und eine enttäuschende US-Berichtssaison die Stimmung einzutrüben. Die kommenden Handelstage werden zeigen, ob die Rekordjagd des DAX nachhaltig ist oder eine Verschnaufpause ansteht.


