DAX auf Erholungskurs: Starke Quartalszahlen und Trump-Xi-Gipfel beflügeln

Infineon-Aktien auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000, Allianz mit Rekordgewinn und Merck mit angehobener Jahresprognose – der heutige Handelstag an der Frankfurter Börse stand ganz im Zeichen starker Unternehmenszahlen. Dazu gesellte sich die Hoffnung auf Fortschritte im sino-amerikanischen Handelsstreit, was dem DAX Auftrieb verlieh.
Der Deutsche Aktienindex schloss den Handel bei 24.136,81 Punkten – ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit zeigte der deutsche Leitindex trotz eines schwierigen konjunkturellen Umfelds eindrucksvoll, dass viele heimische Unternehmen operativ gut aufgestellt sind.
Trump trifft Xi – Märkte hoffen auf Handelsdurchbruch
Ein zentrales Thema an den Finanzmärkten ist das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Trump traf bereits heute in Peking ein, das eigentliche Treffen findet morgen statt. Im Vorfeld hatten sich Unterhändler beider Seiten bereits im südkoreanischen Seoul zusammengefunden, um den Boden für mögliche Einigungen zu bereiten.
Die Erwartungen sind hoch: Investoren weltweit erhoffen sich Bewegung im festgefahrenen Zollstreit zwischen Washington und Peking, der bislang besonders heftig ausgetragen wird. Trump reist in Begleitung einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation – ein Signal, das Spekulationen über konkrete Fortschritte bei Zöllen und Handelsbeschränkungen zusätzlich anheizt. Die Volksrepublik hatte trotz des Drucks ihre Exporte steigern können, überschwemmt damit aber zunehmend andere Regionen mit Dumpingpreisen.
Neben dem Handelsstreit stehen auch diplomatische Impulse im Nahost-Konflikt im Fokus. China gilt als einflussreicher Akteur in der Region und unterhält enge Beziehungen zu Teheran. Peking hat ein starkes wirtschaftliches Interesse an einer Deeskalation, da ein Großteil des chinesischen Ölbedarfs aus der Golfregion gedeckt wird. Auch Trump steht innenpolitisch unter Druck: Die US-Inflation kletterte im April auf 3,8 Prozent – den höchsten Stand seit drei Jahren – angetrieben vor allem durch stark gestiegene Öl- und Gaspreise als direkte Folge des Iran-Krieges.
Allianz glänzt mit Rekordgewinn
Europas größter Versicherungskonzern Allianz startete mit einem historischen Rekordergebnis ins laufende Jahr. Der Betriebsgewinn stieg um 6,6 Prozent auf 4,52 Milliarden Euro – ein Wert, der zuvor noch nie erreicht wurde. Analysten hatten lediglich 4,36 Milliarden Euro erwartet. Das gesamte Geschäftsvolumen aus Versicherungsprämien und Fondsgebühren legte um 3,5 Prozent auf 53 Milliarden Euro zu. Für Aktionäre ist das ein starkes Signal: Die Allianz beweist, dass sie auch in einem herausfordernden Marktumfeld profitabel wächst.
Merck hebt Prognose an – neuer Chef überzeugt
Auch der Darmstädter Merck-Konzern lieferte erfreuliche Zahlen. Trotz negativer Wechselkurseffekte und Umsatzrückgängen bei wichtigen Medikamenten verdiente das Pharma- und Chemieunternehmen operativ mehr als erwartet. Der neue Konzernchef Kai Beckmann, der Anfang Mai das Ruder von Belen Garijo übernahm – die an die Spitze des französischen Pharmakonzerns Sanofi wechselte –, nutzte die Gelegenheit und hob die Jahresprognose an. Die Märkte honorierten dies mit steigenden Kursen.
Siemens spürt Zolldruck – hält aber an Jahreszielen fest
Weniger rosig präsentierte sich das Bild beim Technologiekonzern Siemens. Das Münchener Traditionsunternehmen leidet unter den US-Zöllen und dem schwachen Dollar. Sowohl Umsatz als auch Betriebsgewinn blieben im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 hinter den Analystenerwartungen zurück. Dennoch halten die Münchener an ihren Zielen für das Gesamtjahr, das im September endet, fest – ein Zeichen ungebrochenen Vertrauens ins eigene Geschäftsmodell.
RWE profitiert von Wind und Entschädigung
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Zur AktienanalyseDer Energiekonzern RWE startete erwartungsgemäß mit einem kräftigen Gewinnsprung ins Jahr. Dem DAX-Konzern half eine Entschädigungszahlung des niederländischen Staates sowie verbesserte Windverhältnisse in Europa im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kamen neu in Betrieb genommene Windkraftanlagen, Solarparks und Batteriespeicher. Der bereinigte Betriebsgewinn stieg im ersten Quartal um rund ein Viertel auf über 1,6 Milliarden Euro.
Infineon – Tagessieger mit KI-Rückenwind
Der klare Gewinner des Tages war Infineon. Die Aktien des Halbleiterherstellers sprangen um fast elf Prozent nach oben und erreichten damit den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Das Unternehmen profitiert weiterhin vom anhaltenden KI-Boom, der die Nachfrage nach Halbleitern antreibt. Für Anleger, die auf den Megatrend Künstliche Intelligenz setzen, bleibt Infineon ein Name, den es im Blick zu behalten gilt.
Insgesamt präsentierte sich der deutsche Aktienmarkt heute in robuster Verfassung. Die Kombination aus starken Unternehmensergebnissen und geopolitischen Hoffnungen sorgte für gute Stimmung – auch wenn die strukturellen Risiken durch Handelskonflikte und geopolitische Spannungen nicht verschwunden sind.


