Dänische Werft hält Putins arktische LNG-Flotte am Laufen
Die Fayard-Werft bei Odense wartet weiterhin russische Eisbrecher-Tanker – trotz Krieg und wachsendem Sanktionsdruck aus Brüssel.

Ein russischer Eisbrecher-Tanker steuert in der Nacht auf Montag durch den Ärmelkanal, umrundet das Skagerrak und nimmt Kurs auf die dänische Insel Fünen. Ziel des Schiffes namens Rudolf Samoylovich: die Fayard-Werft bei Odense. Das belegen Positionsdaten, die die WirtschaftsWoche ausgewertet hat. Am Dienstag fuhr der Tanker in eines der Trockendocks der Werft ein.
Hinter Fayard steht eine der reichsten Familien Dänemarks. Seit Jahren steht der Betrieb in der Kritik, weil er eisbrechende LNG-Tanker für Russland wartet – auch nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022. Insgesamt 16 solcher Schiffe setzt Russland heute ein, um arktisches Flüssigerdgas (LNG) ganzjährig weltweit zu exportieren. Eine andere wirtschaftliche Verwendung für diese hochspezialisierten Schiffe gibt es de facto nicht.
Warum Fayard trotz Kritik weitermacht
Die Werft betont, keine Dienstleistungen für sanktionierte Schiffe anzubieten. Man überprüfe die Daten aller Schiffe, bevor man ihnen die Einfahrt in die Anlage erlaube, so das Unternehmen gegenüber der WirtschaftsWoche. Tatsächlich steht die Rudolf Samoylovich laut OpenSanctions bislang auf keiner Embargoliste der EU, der USA oder der UN. Die Ukraine hingegen sanktioniert das Schiff eigenen Angaben zufolge seit dem 13. Dezember 2025, weil es im russischen Energiesektor aktiv sei, „dessen Gewinne eine der wichtigsten Einnahmequellen für den Haushalt des Aggressorstaates darstellen".
Fayard argumentiert zudem, das Schiff habe keinen russischen Eigner. Viele der 16 Eisbrecher sind nicht in Russland, sondern in Ländern wie den Bahamas registriert und werden von ausländischen Gesellschaften betrieben, die Russland anmietet. Dennoch wurden diese Schiffe ausdrücklich im Auftrag Russlands gebaut und werden exklusiv für den russischen Arktis-Gasexport genutzt.
Seit Februar 2022 hat jeder Arc7-LNG-Tanker im Schnitt 5,3 Millionen Tonnen Flüssigerdgas transportiert – das entspricht rund 70 voll beladenen Touren je Schiff, schätzt die deutsche Organisation Urgewald. Basierend auf historischen Wartungszyklen von drei Jahren könnten diesen Sommer bis zu sechs solcher Schiffe die Fayard-Werft anlaufen.
Sanktioniertes Gas aus der Arktis
Die Wartungsarbeiten gelten als besonders heikel, weil einige der 16 Schiffe seit 2025 nicht mehr ausschließlich Gas vom bislang nicht sanktionierten Jamal-LNG-Terminal transportieren. Immer mehr Ladungen stammen vom Arctic-LNG-2-Terminal – und das ist sanktioniert. Eine Satellitenbildrecherche der WirtschaftsWoche vom Mai zeigte, dass dieses Gas offenbar per Eisbrecher zum schwimmenden Terminal Saam nahe Murmansk gebracht und dort auf reguläre LNG-Tanker umgeladen wird. Ohne eisbrechende Schiffe ist das kaum möglich, da die Zufahrt zu den arktischen Terminals den größten Teil des Jahres zugefroren ist.
Es ist daher zu erwarten, dass die nun in Dänemark gewarteten Schiffe künftig auch am sanktionierten Arctic-LNG-2-Terminal eingesetzt werden. Fayard selbst kündigt an, die Wartungsarbeiten spätestens Ende 2026 einzustellen – und verweist darauf, dass die EU-Kommission LNG aus Jamal bis 2027 als notwendig für die europäische Energieversorgung eingestuft habe.
Eigentümerfamilie profitiert finanziell
Die Eigentümerfamilie der Fayard-Werft um Thomas Wilkens Andersen belegte im dänischen Magazin „Danmarks rigeste" 2025 Platz 59 der reichsten Dänen – mit einem geschätzten Vermögen von rund 508 Millionen Euro. Seit 2024 soll dieses Vermögen um fast 190 Millionen Euro gestiegen sein. Fayard selbst bestreitet allerdings, dass die russischen Aufträge wirtschaftlich besonders bedeutsam seien: 2025 habe man fünf eisbrechende LNG-Tanker gewartet, bei insgesamt 120 gewarteten Schiffen im Jahr.
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Zur AktienanalyseFayard ist inzwischen die letzte europäische Werft, die diese Schiffe betreut. Die niederländische Damen-Werft im französischen Brest hatte sich 2024 auf politischen Druck hin aus dem Geschäft zurückgezogen. Ab dem 1. Januar 2027 tritt eine EU-Regelung in Kraft, die Reparaturen an russischen LNG-Schiffen vollständig verbietet – parallel zu einem Einfuhrstopp für russisches LNG.
Russland plant Verlagerung nach China und Asien
Für den Kreml sind die Eisbrecher strategisch unverzichtbar. Als die Nord-Stream-Pipelines gesprengt wurden, übernahmen die Schiffe nahezu die gesamte Exportkapazität. Zudem verleihen sie Russland Flexibilität: Das Gas lässt sich auch in Länder außerhalb Europas liefern, sobald Sanktionen dies erfordern.
Gebaut wurden die Arc7-Tanker in Südkorea. Da sich das Land aufgrund der Sanktionen aus Verträgen mit Moskau zurückgezogen hat, verzögert sich der Bau weiterer Schiffe seit Jahren. Umso wichtiger ist es für den Kreml, dass keines der bestehenden Schiffe wegen eines Defekts ausfällt. Ab 2027 dürfte Russland Wartungsarbeiten nach China verlagern – einem der größten LNG-Tanker-Produzenten weltweit. Auch eine schwimmende Umladestation am Nordpazifik hat der Kreml bereits installieren lassen. Der Eisbrecher Christophe de Margerie war zuletzt bereits auf der Asien-Route unterwegs.


