Dänische Fayard-Werft wartet weiter Putins arktische LNG-Flotte
Trotz Kritik und wachsendem politischen Druck hält die Fayard-Werft an lukrativen Aufträgen für russische Eisbrecher-Tanker fest.

Der eisbrechende russische LNG-Tanker Rudolf Samoylovich legte in der Nacht zum Montag Kurs auf die dänische Insel Fünen. Sein Ziel: die Fayard-Werft bei Odense. Das zeigen Positionsdaten, die die WirtschaftsWoche ausgewertet hat. Am Dienstagmorgen fuhr das Schiff in die Werft ein.
Hinter der Fayard-Werft steht eine der reichsten Familien Dänemarks. Seit Jahren steht der Betrieb in der Kritik, weil er russische Eisbrecher-Tanker auch nach dem Überfall auf die Ukraine weiterhin wartet und instand hält. Russland verfügt heute über 16 solcher Spezialschiffe — sie ermöglichen dem Kreml, arktisches Flüssigerdgas (LNG) ganzjährig weltweit zu exportieren, auch durch zugefrorene Gewässer.
Warum Fayard trotz Kritik weitermacht
Die Werft betont, keine Dienstleistungen für sanktionierte Schiffe anzubieten. Man verfolge die Positionsdaten aller Schiffe und überprüfe diese, bevor ihnen die Einfahrt gestattet werde. Tatsächlich steht die Rudolf Samoylovich laut OpenSanctions bislang auf keiner Embargoliste der EU, der USA oder der UN. Die Ukraine allerdings sanktioniert das Schiff eigenen Angaben zufolge seit dem 13. Dezember 2025 — mit der Begründung, es sei im russischen Energiesektor aktiv, „dessen Gewinne eine der wichtigsten Einnahmequellen für den Haushalt des Aggressorstaates darstellen".
Fayard rechtfertigt die Wartungsarbeiten auch mit einem Verweis auf die EU-Energiepolitik. In einer E-Mail heißt es: „Die Kommission hat entschieden, dass LNG aus Jamal bis 2027 für die europäische Energieversorgung notwendig ist. Daher betreuen wir bestimmte Schiffe, die europäische Häfen anlaufen und das LNG nach Europa liefern, um die Sicherheit im Seeverkehr zu gewährleisten und die EU zu unterstützen." Die Wartungsarbeiten sollen spätestens Ende 2026 eingestellt werden.
Seit Februar 2022 hat jeder Arc7-LNG-Tanker im Schnitt 5,3 Millionen Tonnen Flüssigerdgas transportiert — das entspricht rund 70 voll beladenen Fahrten je Schiff, schätzt die deutsche Organisation Urgewald. Basierend auf historischen Daten könnten diesen Sommer bis zu sechs solcher Schiffe die Fayard-Werft für eine Routinewartung anlaufen. Die Tanker werden alle drei Jahre gründlich gewartet. Viele davon, darunter auch die Rudolf Samoylovich, sind nicht in Russland, sondern in Ländern wie den Bahamas registriert — wohl auch, weil seit April 2026 die Wartung von in Russland registrierten Schiffen verboten ist.
Verbindung zu sanktionierten Terminals wächst
Die Wartungsarbeiten gelten als besonders heikel, weil einige der 16 Schiffe seit 2025 nicht mehr ausschließlich Gas vom bislang nicht sanktionierten Jamal-LNG-Terminal transportieren. Immer mehr Ladungen stammen vom Arctic-LNG-2-Terminal — und das ist sanktioniert. Dieses Gas wird offenbar per Eisbrecher-Tanker zum schwimmenden Terminal Saam nahe Murmansk gebracht und dort auf konventionelle LNG-Tanker umgeladen. Das hatte im Mai eine Satellitenbildrecherche der WirtschaftsWoche belegt. Ohne eisbrechende Schiffe ist dieser Prozess kaum möglich, da die Zufahrt zu den arktischen Terminals den größten Teil des Jahres zugefroren ist.
Früher gab es in Europa zwei Werften, die diese Schiffe warteten: Fayard und die Werft des niederländischen Unternehmens Damen im französischen Brest. Damen zog sich 2024 auf politischen Druck hin aus dem Geschäft zurück. Fayard hielt fest — möglicherweise auch zum eigenen finanziellen Vorteil.
Reichste Dänen profitieren von russischen Aufträgen
Die Eigentümerfamilie der Fayard-Werft um Thomas Wilkens Andersen belegte im dänischen Magazin „Danmarks rigeste" 2025 Platz 59 der reichsten Dänen — mit einem geschätzten Vermögen von rund 508 Millionen Euro. Seit 2024 soll dieses Vermögen um fast 190 Millionen Euro gestiegen sein. Fayard selbst bestreitet jedoch, dass die russischen Aufträge wirtschaftlich besonders bedeutsam seien: 2025 habe man fünf eisbrechende LNG-Tanker gewartet — bei insgesamt 120 gewarteten Schiffen im Jahr.
Für den Kreml hingegen sind die Schiffe von zentraler strategischer Bedeutung. Als die Nord-Stream-Pipelines gesprengt wurden, übernahmen die Arc7-Tanker nahezu die gesamte Exportkapazität. Zudem verleihen sie Russland Flexibilität: Das Gas lässt sich in Länder außerhalb Europas exportieren, sobald Sanktionen dies erfordern. Die eisbrechenden Schiffe gelten daher als einer der wichtigsten ökonomischen Schachzüge des Kremls zur Sicherung seiner Gaseinnahmen.
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Zur AktienanalyseAb 2027 droht das Ende in Europa
Ab dem 1. Januar 2027 tritt eine EU-Regelung in Kraft, die Reparaturen an russischen LNG-Schiffen in Europa verbietet — parallel zu einem Einfuhrstopp für russisches LNG. Der EU-Rat hatte dieses vollständige Verbot erst im Januar gebilligt. Bis dahin bietet Fayard wohl die letzte europäische Anlaufstelle für diese Schiffe.
Gebaut wurden die Arc7-Tanker ursprünglich in Südkorea. Das Land hat sich inzwischen aufgrund der Sanktionen ebenfalls aus Verträgen mit Moskau zurückgezogen, weshalb der Bau weiterer Schiffe seit Jahren stockt. Es ist daher für den Kreml besonders wichtig, dass keines der bestehenden Schiffe wegen eines Defekts ausfällt.
Nach 2027 dürfte Russland die Wartungsarbeiten nach China verlagern — einem der größten LNG-Tanker-Produzenten weltweit und künftig wohl auch einem der wichtigsten LNG-Importeure. Auch eine schwimmende Umladestation hat der Kreml bereits am Nordpazifik installieren lassen. Der Eisbrecher-Tanker Christophe de Margerie war in den vergangenen Wochen bereits auf der Asien-Route unterwegs — ein Zeichen, wohin die Reise geht.


