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Dänemark stoppt Netzanschlüsse: Rechenzentren überlasten das Stromnetz

Der KI-Boom treibt die Energienachfrage in die Höhe – Dänemark reagiert mit einem vorübergehenden Stopp für neue Netzanschlussverträge.

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Dänemark stoppt Netzanschlüsse: Rechenzentren überlasten das Stromnetz

Dänemark steht vor einer energiepolitischen Zerreißprobe. Der staatliche Netzbetreiber Energinet verhängte im März einen vorübergehenden Stopp für neue Netzanschlussverträge, nachdem es zu einer „Explosion" bei den Kapazitätsanfragen gekommen war. Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 60 GW warten derzeit auf einen Anschluss – ein Vielfaches des dänischen Spitzenstrombedarfs von etwa 7 GW.

Rechenzentren spielen dabei eine zentrale Rolle: Auf sie entfällt fast ein Viertel der ausstehenden Anträge, nämlich rund 14 GW der insgesamt 60 GW. Die nordischen Länder galten lange als bevorzugter Standort für Rechenzentren – dank stabilem Klima und reichlich erneuerbarer Energie. Doch der rasante Anstieg der Energienachfrage, befeuert durch den globalen KI-Boom, zwingt nun zum Umdenken.

Fantasie-Warteschlange und politisches Vakuum

Henrik Hansen, CEO des dänischen Branchenverbands DDI, beschreibt die Lage gegenüber CNBC als „Fantasie-Warteschlange", in der die Lücke zwischen verfügbarer und beantragter Kapazität immer größer werde. Eine Verlängerung des Moratoriums könne nicht ausgeschlossen werden, so Hansen. Der Verband fordert mehr Kriterien, um festzulegen, wer vorrangigen Netzzugang erhalten soll.

Die politische Entscheidungsfindung gestaltet sich schwierig: Dänemark befindet sich nach den jüngsten Parlamentswahlen noch in der Regierungsbildung. Das Energie- und Klimaministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Vor den Wahlen hatte Energieminister Lars Aagaard gegenüber lokalen Medien erklärt, er prüfe die Möglichkeit, dänischen Kunden vorrangigen Netzzugang zu gewähren und Rechenzentren ans Ende der Warteschlange zu stellen.

Die Pause soll drei Monate dauern oder so lange, bis Energinet eine Übersicht erstellt und neue Maßnahmen zur Kapazitätserhöhung umgesetzt hat. Neue politische Vereinbarungen und angepasste regulatorische Rahmenbedingungen sind laut Energinet notwendig, um die zahlreichen Anträge sinnvoll priorisieren zu können.

Branche sucht nach fairen Lösungen

Auf der Konferenz „Data Centers Denmark" in Kopenhagen dominierten Fragen rund um Moratorien und Energiepriorisierung die Diskussionen. Joana Reicherts, EMEA Datacenter Government Affairs Director bei Microsoft, brachte es auf den Punkt: „Die Zeiten, in denen man Rechenzentren im Stillen bauen konnte, sind vorbei."

Sebastian Schwartz Bøtcher von Schneider Electric bezeichnete die Debatte als „energiepolitische Hunger Games" zwischen Rechenzentren und anderen Unternehmen und sprach sich dagegen aus, einzelne Branchen gezielt zu benachteiligen. Tobias Johan Sørensen vom Think Tank Concito schlug vor, verschiedene Warteschlangen auf Basis eines Kriterienkatalogs einzuführen, anstatt einzelne Akteure pauschal ans Ende zu stellen.

Pernille Hoffmann, Managing Director für die nordischen Länder beim Rechenzentrumsdienstleister Digital Realty, beschrieb den Stimmungswandel deutlich: „In der Vergangenheit hieß es immer, dass es hier Strom im Überfluss gibt, daher war es nie ein Thema. Ich denke, wir sehen diese enorme Nachfrage, die auch von Rechenzentren kommt und die überhaupt nicht mit dem Verteilungsnetz oder dem Stromnetz im Einklang steht. Darum muss man sich kümmern." Auf die Frage, ob die Pause verlängert werden könnte, sagte sie: „Ich befürchte, dass es so kommen wird, aber ich hoffe es nicht."

Europäischer Kontext: Dänemark nicht allein

Dänemark ist nicht das erste Land, das mit diesem Problem konfrontiert wird. In Europa haben bereits die Niederlande und Irland vollständige Moratorien für Rechenzentren verhängt – beide haben die Beschränkungen seither unter bestimmten Bedingungen wieder gelockert. Auch in den USA wächst der Widerstand: Maine stand kurz vor einem Bauverbot, Virginia und Oklahoma erwägen Moratorien, und in Pennsylvania könnten die Gegenreaktionen etablierten Akteuren vor Wahlen schaden.

Dänemark verfügte im Jahr 2026 über eine installierte Rechenzentrumskapazität von rund 398 MW, weitere 208 MW befanden sich im Bau. Laut DDI soll diese Kapazität bis 2030 um 1,2 GW wachsen. Hyperscaler – also große Cloud-Anbieter wie Microsoft, Google oder Amazon – machen bereits 60 Prozent der derzeitigen Kapazität aus.

Einige Branchenbeobachter hoffen, dass die Situation in Dänemark zu neuen Vorschriften führen wird, die als Modell für andere nordische Länder und europäische Staaten dienen können. Der Druck auf die Stromnetze breitet sich über den gesamten Kontinent aus – getrieben vom KI-Boom, der Energiewende und der fortschreitenden Digitalisierung.

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