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CXMTs Börsengang: 466 Prozent Plus – mehr als nur Hype

Der chinesische Chiphersteller CXMT legte an seinem ersten Handelstag in Shanghai spektakulär zu – doch strukturelle Gründe erklären den Kurssprung.

CXMTs Börsengang: 466 Prozent Plus – mehr als nur Hype

Der chinesische Speicherchiphersteller CXMT hat mit seinem Börsengang in Shanghai für Aufsehen gesorgt. Am ersten Handelstag schossen die Aktien um 466 Prozent in die Höhe und machten das Unternehmen kurzzeitig zum wertvollsten Chinas. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein klassisches Blasensignal – doch der Schein trügt.

Ein wesentlicher Grund für den extremen Kursanstieg liegt in der Struktur des Börsengangs selbst. CXMT verkaufte lediglich ein Zehntel seines Grundkapitals, was zwar doppelt so viel ist wie Elon Musks SpaceX bei seinem Debüt im Juni, aber in absoluten Zahlen nur 8,5 Milliarden US-Dollar einbrachte. Chinesische Regulierungsbehörden lehnen teure Börsengänge grundsätzlich ab, weshalb Unterpreisung bei chinesischen IPOs die Regel ist – nicht die Ausnahme.

Das Phänomen ist kein Einzelfall. Semight Instruments, ein Unternehmen für Chiptests, stieg bei seinem Debüt Anfang dieses Jahres um fast 900 Prozent – und die Aktien legten seitdem weiter zu. Solche Sprünge sind im chinesischen Marktumfeld strukturell bedingt und sagen wenig über die tatsächliche Unternehmensbewertung aus.

Starke Marktposition, aber zyklisches Geschäft

Hinter dem Börsenerfolg steckt jedoch auch operative Substanz. Laut dem Marktforschungsunternehmen Counterpoint hat CXMT aus dem Nichts einen globalen Marktanteil von 8 Prozent im Speicherchip-Segment erreicht. Die Nachfrage nach Speicherchips ist derzeit hoch – angetrieben vor allem durch den KI-Boom.

Dennoch bleibt das Chipgeschäft zyklisch. Das Beratungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass die Kapazitäten in den zwei Jahren bis Mitte 2029 um ein Viertel steigen werden. Gleichzeitig mehren sich erste Anzeichen für einen Nachfragehöhepunkt. Unternehmen, die sich euphorisch auf den Einsatz von KI gestürzt haben, beginnen angesichts der Kosten für sogenannte Rechen-Token – Einheiten von Text, die bei der Verarbeitung durch große Sprachmodelle genutzt werden – zurückzuschrecken.

IBM gehört zu den Unternehmen, die vor dem Ende des sogenannten „Tokenmaxxing" warnen. Statt die KI-Nutzung um jeden Preis in die Höhe zu treiben, sollen Firmen ihre Strategie künftig stärker am tatsächlichen Nutzwert ausrichten. Das könnte die Nachfrage nach Rechenleistung und damit nach Speicherchips dämpfen.

Chinas Herkunft: Fluch und Segen zugleich

CXMTs chinesische Herkunft ist ambivalent zu bewerten. Einerseits stützt die Knappheit auf dem heimischen Markt die Nachfrage nach seinen Chips. Andererseits hat das Unternehmen keinen Zugang zu den neuesten europäischen und amerikanischen Fertigungsanlagen. Doch auch das hat seine Kehrseite: CXMT hat gemeinsam mit Endnutzern wie dem Telekommunikationskonzern Huawei fortschrittliche Packaging-Verfahren und andere Techniken entwickelt – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen gelernt hat, mit weniger Mitteln mehr zu erreichen.

Ein weiteres Indiz für die robuste Nachfrage: Apple, das mit Lieferengpässen konfrontiert ist, versucht laut Berichten, die US-Regierung davon zu überzeugen, den Kauf von Chips bei CXMT zu genehmigen. Das zeigt, wie gefragt die „ausreichend guten" Chips des chinesischen Herstellers auch im internationalen Markt sind.

Auch die Wettbewerber passen sich an. In den USA hat Micron seinen Fokus auf die Belieferung von Hyperscalern mit High-Bandwidth-Memory verlagert. Qualcomm hat eine alternative Architektur entwickelt, die mehr Speicher zu geringeren Kosten bietet. Die Chipbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der neue Anwendungen und Hardware-Konfigurationen hervorbringt.

Selbst wenn die Preise für Token sinken sollten, könnten CXMT und seine Wettbewerber ihren Aufstieg fortsetzen – vorausgesetzt, günstigere Rechenleistung führt zu mehr Nachfrage nach KI und damit nach Speicher. Schon jetzt entscheiden sich Kunden weltweit für Open-Source-Modelle, häufig aus China, die sie anpassen und auf eigenen Servern oder in der Cloud betreiben können. Der globale KI-Sektor mag Blasensignale zeigen – hinter der Geschichte von CXMT steckt jedoch mehr als nur heiße Luft.

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