CXMT-Börsengang: Chinas Chiphersteller knackt alle Rekorde
Der DRAM-Spezialist CXMT feiert ein spektakuläres Börsendebüt in Shanghai – mit einem Kursplus von zeitweise 535 Prozent.

Der chinesische Chiphersteller CXMT hat an seinem ersten Handelstag an der Shanghaier Börse Geschichte geschrieben. Die Aktie des DRAM-Spezialisten schoss zeitweise um 535 Prozent in die Höhe und schloss am Ende des Handelstages noch mit einem Plus von 466 Prozent bei 49 Yuan. Damit katapultierte sich das Unternehmen mit einem Börsenwert von umgerechnet rund 490 Milliarden Dollar auf einen Schlag an die Spitze der wertvollsten Unternehmen Festlandchinas – übertroffen wird dieser Wert nur noch vom in Hongkong notierten Internetriesen Tencent.
Auch beim Handelsvolumen setzte das Debüt neue Maßstäbe. Insgesamt wechselten CXMT-Aktien im Wert von 141,1 Milliarden Yuan den Besitzer. Es ist das erste Mal in der Geschichte der chinesischen Börsen, dass eine einzelne Aktie an einem einzigen Handelstag einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Yuan erzielte.
Nervöses Marktumfeld – und dennoch Rekorde
Das Debüt fiel in ein angespanntes Marktumfeld. Der Shanghaier Technologieindex STAR 200 war im laufenden Monat trotz staatlicher Stützungsmaßnahmen bereits um 30 Prozent eingebrochen. Zuletzt hatten Sorgen um die Nachhaltigkeit des Technologiebooms zugenommen. Am Tag des CXMT-Börsengangs stabilisierte sich der Index immerhin um drei Prozent.
Nicht alle Marktteilnehmer zeigten sich von der Euphorie mitgerissen. „Die Aktie ist zu teuer und riecht nach Spekulation", kommentierte Hedgefonds-Manager Yuan Yuwei vom Vermögensverwalter Trinity Synergy. Ähnlich kritisch äußerte sich Wu Zhou von Shenzhen Deyuan Investment, der seine im Börsengang erworbenen Anteile sofort wieder abstieß: „Bei einem solchen Preis wage ich es nicht, die Aktie zu halten oder zu kaufen."
Chinas Antwort auf Samsung, SK Hynix und Micron
CXMT, ursprünglich als ChangXin Memory Technologies gegründet, ist Chinas führender Produzent von DRAM-Speicherchips. Diese Arbeitsspeicher sind in nahezu allen elektronischen Geräten unverzichtbar – von Smartphones und PCs bis hin zu Servern für Künstliche Intelligenz. Gerade im KI-Bereich spielen DRAM-Chips eine Schlüsselrolle, da sie Trainingsdaten der Modelle zwischenspeichern und damit als eine Art digitales Gedächtnis fungieren.
Das von Peking massiv geförderte Unternehmen hat sich mittlerweile zur weltweiten Nummer vier im DRAM-Markt entwickelt – hinter den Platzhirschen Samsung, SK Hynix und Micron. Für 2025 weist CXMT einen Marktanteil von 7,7 Prozent aus. Die starke KI-Nachfrage trieb den Umsatz im ersten Quartal um mehr als 700 Prozent in die Höhe.
Analystin Ellie Wang vom Marktforscher TrendForce sieht weiteres Potenzial: „Der Speichermarkt bleibt angespannt. Die Preise dürften bis Ende 2027 weiter steigen." Viele Kunden bemühten sich zudem, ihre Lieferantenbasis zu diversifizieren – ein Trend, von dem CXMT profitieren dürfte.
US-Sanktionen als dauerhaftes Risiko
Trotz des beeindruckenden Wachstums steht CXMT vor erheblichen Hürden. Gegenüber den Marktführern besteht ein technologischer Rückstand – besonders bei hochmodernen HBM-Speicherchips, die für KI-Anwendungen besonders gefragt sind. Hinzu kommen US-Sanktionen, die den Zugang zu modernen Chips und Fertigungsanlagen einschränken. Im Juni stufte das US-Verteidigungsministerium CXMT als „chinesisches Militärunternehmen" ein. Eine Aufnahme auf die sogenannte „Entity List", die den Handel mit US-Firmen massiv einschränken würde, bleibt eine permanente Bedrohung.
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Zur AktienanalyseMit den beim Börsengang eingenommenen rund zehn Milliarden Dollar plant CXMT, seine Produktionskapazitäten auszubauen und die Forschung zu intensivieren, um den technologischen Abstand zur Konkurrenz zu verringern.
DAX profitiert – ifo-Klima hellt sich auf
Auch am deutschen Aktienmarkt hinterließ der erfolgreiche Börsengang Spuren. Technologietitel wurden gestützt, und der DAX kletterte bis zum frühen Nachmittag um 1,7 Prozent auf 25.529 Punkte – begünstigt auch durch die Angriffspause der USA im Persischen Golf. Zusätzlichen Rückenwind lieferte das ifo-Geschäftsklima, das zum dritten Mal in Folge zulegte. Die befragten 9.000 Unternehmen bewerten ihre Lage trotz des ungelösten Iran-Konflikts weniger pessimistisch als zuvor.


