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Customers Bank setzt KI-Klon ein und kooperiert mit OpenAI

CEO Sam Sidhu ließ seinen KI-Avatar eine Analystenkonferenz leiten – und unterzeichnete kurz darauf eine mehrjährige Partnerschaft mit OpenAI.

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Customers Bank setzt KI-Klon ein und kooperiert mit OpenAI

Sam Sidhu, CEO der US-amerikanischen Customers Bank, sorgte bei einer Telefonkonferenz zur Erörterung der Quartalsergebnisse für Aufsehen: Fast eine halbe Stunde lang sprach nicht er selbst, sondern ein KI-Klon seiner Person. Das ungewöhnliche Manöver sollte laut Sidhu einen tiefgreifenden Wandel unterstreichen, den die Bank gerade durchläuft – hin zu einem KI-gestützten Geschäftsmodell.

Wie CNBC exklusiv berichtet, hat die Customers Bank eine mehrjährige Partnerschaft mit OpenAI unterzeichnet. Im Rahmen dieser Kooperation wird OpenAI eigene Ingenieure in das Unternehmen entsenden, um die Automatisierung der Kreditvergabe und des Kunden-Onboardings voranzutreiben. Der Deal geht damit weit über eine typische Software-Lizenzvereinbarung hinaus: Beide Seiten bringen Ressourcen ein, um gemeinsam neue Werkzeuge zu entwickeln.

Die Customers Bank ist ein Kreditinstitut mit einer Bilanzsumme von 25,9 Milliarden US-Dollar, das sich auf Startups und kleine Unternehmen spezialisiert hat. Sidhu, der seine Karriere 2004 bei Goldman Sachs begann, sieht sein Haus im Vergleich zu Branchenriesen wie JPMorgan Chase – mit einem Vermögen von 4,9 Billionen US-Dollar – in einer günstigen Ausgangslage: Großbanken hätten weitaus höhere Komplexitäts- und Regulierungsstandards bei der KI-Implementierung, so der CEO.

Konkrete Ziele: Kreditvergabe in sieben statt 45 Tagen

Die Bank plant, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten KI-Agenten in den Bereichen Kreditvergabe, Einlagen und Zahlungsverkehr einzuführen. Die Auswirkungen sollen erheblich sein: Die Bearbeitung eines gewerblichen Kredits – inklusive Underwriting, Dokumentensammlung und rechtlicher Verhandlungen – soll von bisher 30 bis 45 Tagen auf rund sieben Tage verkürzt werden. Die Kontoeröffnung für komplexe Firmenkunden, die bisher mehr als einen Tag dauern kann, soll durch konversationelle KI und automatisierte Dokumentenerfassung auf unter 20 Minuten reduziert werden.

Sidhu verknüpft die KI-Strategie direkt mit messbaren Finanzzielen. Das Projekt soll die Efficiency Ratio des Unternehmens von rund 49 auf den niedrigen 40er-Bereich verbessern, was die Rendite der Bank ab dem nächsten Jahr steigern dürfte. Während viele Banker KI lediglich mit allgemeinen Produktivitätssteigerungen in Verbindung bringen, setzt Sidhu auf konkrete Kennzahlen.

Bereits heute nutzt die Customers Bank KI, um die Hälfte ihres Softwarecodes zu schreiben. Bisher wurden dadurch 28.000 Arbeitsstunden eingespart – was dem Verzicht auf die Einstellung von rund 15 Vollzeitmitarbeitern entspricht. Die Bank prüft zudem den Einstieg in neue, sogenannte „KI-native" Geschäftsfelder, in denen kleinere Teams automatisierte Systeme überwachen, die früher eine große Anzahl von Mitarbeitern erfordert hätten.

Symbiotische Partnerschaft mit OpenAI

Die Beziehung zu OpenAI hat eine Vorgeschichte: Bereits 2023 knüpfte Sidhu über seine Kontakte in der Venture-Capital-Welt erste Verbindungen zu dem KI-Unternehmen und hielt nach eigenen Angaben eine kleine Beteiligung daran. Der nun unterzeichnete Vertrag weitet diese Zusammenarbeit deutlich aus. OpenAI, das die Finanzbranche als einen seiner Kernbereiche identifiziert hat, gewinnt durch die Partnerschaft reale Anwendungsfälle innerhalb eines regulierten Finanzinstituts.

Denise Dresser, Chief Revenue Officer von OpenAI, erklärte gegenüber CNBC, man sei stolz darauf, die Customers Bank dabei zu unterstützen, „ein intelligenteres Betriebsmodell aufzubauen, das Mitarbeiter stärkt, den Kundenservice verbessert und einen neuen Standard für das regionale Bankwesen setzt."

Die Customers Bank ist Teil einer kleinen Gruppe von Kreditinstituten, die gezielt auf die Startup- und Venture-Capital-Community abzielen. Berichten zufolge bot sie 2023 inmitten der damaligen Regionalbankenkrise für die Silicon Valley Bank. Mit der OpenAI-Partnerschaft positioniert sich das Institut nun als Vorreiter im KI-gestützten Bankwesen – und setzt damit ein deutliches Signal an die gesamte Branche.

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