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CustomCells stellt Insolvenzantrag nach Lilium-Zusammenbruch

Ausbleibende Zahlungen, geplatzte Investorenrunde und vergebliche Rettungsversuche führen zum Aus

 CustomCells stellt Insolvenzantrag nach Lilium-Zusammenbruch

Das norddeutsche Start-up CustomCells hat Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Kiel eröffnete am 29. April ein vorläufiges Insolvenzverfahren für die CustomCells Itzehoe GmbH. Auch der Standort in Tübingen ist betroffen. Das Unternehmen entwickelte Lithium-Ionen-Zellen, insbesondere für Luftfahrt- und Fahrzeuganwendungen, und belieferte unter anderem den Flugtaxi-Hersteller Lilium. Seit 2021 war Lilium ein Großkunde von CustomCells. Die Insolvenz des Flugzeugbauers hatte direkte finanzielle Auswirkungen auf das Batterieunternehmen.

Laut Angaben von CustomCells wurden offene Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe durch Lilium nicht beglichen. Es sei nicht gelungen, kurzfristig Investoren zu finden, die diese Lücke schließen konnten. Die schwierige Lage in der Batteriebranche sowie gescheiterte Bemühungen um staatliche Unterstützung durch Land, Bund und EU verschärften die Situation zusätzlich. Nach der Insolvenz von Lilium im Oktober hatte ein Investorenkonsortium den Flugtaxi-Hersteller an Weihnachten übernommen. Auch CustomCells war daran beteiligt, um Forderungen zumindest teilweise auszugleichen. Im Februar meldete jedoch auch die neue Lilium-Holding Insolvenz an, womit für CustomCells ein Totalausfall eintrat.

Die Geschäftsführung bezeichnete die Insolvenzentscheidung als notwendig, trotz positiver Geschäftsentwicklung und technischer Erfolge. CEO Dirk Abendroth betonte, dass externe Umstände maßgeblich zu diesem Schritt geführt hätten. Für die Übergangszeit wurde eine Brückenfinanzierung in einstelliger Millionenhöhe bereitgestellt. Eine geplante neue Investmentrunde scheiterte kurzfristig, da sich beteiligte Parteien kurz vor Vertragsunterzeichnung zurückzogen. Bereits ein Notartermin war angesetzt, um neue Mittel im niedrigen zweistelligen Millionenbereich zu sichern.

Im Jahr 2022 erwirtschaftete CustomCells einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen seinen Umsatz in den fünf Jahren bis 2024 verdreifacht und dabei stets schwarze Zahlen geschrieben. Die Holding-Gesellschaft von CustomCells, zu der die Standorte in Itzehoe und Tübingen sowie Beteiligungen wie E-Lyte gehören, ist derzeit nicht von der Insolvenz betroffen. Die Beteiligung an der Cellforce Group, einem Joint Venture mit Porsche, wurde bereits im Vorjahr vollständig an den Autobauer übertragen.

Gegründet wurde CustomCells 2012 als Spin-off der Fraunhofer-Gesellschaft von Leopold König und Torge Thönnessen. Neben Lilium zählten auch Vaeridion und Porsche zu den Abnehmern der Batteriezellen. Noch im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen dem US-Zulieferer Group14 die Abnahme von Silizium-Batteriematerial im Wert von 300 Millionen Dollar zugesagt und plante ein neues Werk in den USA. Die 200 Mitarbeitenden erhalten bis einschließlich Juni Insolvenzgeld. Das Verfahren wird vom Rechtsanwalt Malte Köster begleitet, der gemeinsam mit der Geschäftsführung einen neuen Investorenprozess anstoßen will. Der laufende Betrieb wird fortgesetzt.

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