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Crittall-Fenster: Hat der Innendesign-Trend seinen Höhepunkt erreicht?

Schwarze Stahl-Glas-Konstruktionen prägten Londons Renovierungswelle – doch Experten warnen vor einem drohenden Klischee-Image.

Crittall-Fenster: Hat der Innendesign-Trend seinen Höhepunkt erreicht?

Wer in einem frisch renovierten, trendigen Reihenhaus im Londoner Osten „Innendesign-Bingo" spielen würde, käme an Crittall-Türen kaum vorbei. Diese charakteristischen Glas-Stahl-Konstruktionen mit schwarzem Rahmen sind in den vergangenen Jahren zu einem der markantesten Merkmale moderner Wohnrenovierungen in Großbritannien geworden. Doch nun wächst die Sorge, dass dieser Look seinen Zenit möglicherweise bereits überschritten hat.

Der Vergleich, den Beobachter ziehen, ist aufschlussreich: Ähnlich wie die an Flugzeughangars erinnernden Anbauten, die vor rund zwei Jahrzehnten viele Häuser im Londoner Westen ergänzten, könnte auch der Crittall-Stil bald veraltet wirken. Damals galten großzügige Glasanbauten mit Stahldach als Inbegriff zeitgemäßer Architektur – heute gelten viele dieser Konstruktionen als überholt und austauschbar.

Vom Trendstück zum Klischee?

Die Warnung kommt deutlich: „Schlecht kopiert oder ohne Kontext eingesetzt, kann Crittall heute furchtbar klischeehaft wirken", heißt es in der Analyse der Financial Times. Genau darin liegt das Dilemma vieler Designtrends – je weiter sie sich verbreiten und je häufiger sie ohne Rücksicht auf das architektonische Umfeld eingesetzt werden, desto schneller verlieren sie ihren ursprünglichen Reiz und ihre Exklusivität.

Crittall-Fenster und -Türen haben ihren Ursprung in der britischen Industriegeschichte. Das Unternehmen Crittall wurde im 19. Jahrhundert gegründet und lieferte ursprünglich Stahlrahmenfenster für Fabrikhallen und öffentliche Gebäude. Die charakteristische Optik – feine schwarze Metallprofile, die große Glasflächen in geometrische Felder unterteilen – erlebte in den vergangenen Jahren eine Renaissance in der Wohnarchitektur und im Innendesign. Besonders in urbanen Sanierungsprojekten und bei der Umnutzung alter Industriegebäude wurden die Elemente zum Stilmittel schlechthin.

Ein Trend mit Verfallsdatum?

Die Frage, ob ein Designtrend seinen Höhepunkt erreicht hat, ist für Hausbesitzer und Investoren gleichermaßen relevant. Wer heute noch in Crittall-Elemente investiert, riskiert möglicherweise, in einigen Jahren mit einer Optik dazustehen, die als veraltet gilt – ähnlich wie es den Flugzeughangar-Anbauten ergangen ist. Für den deutschen Immobilienmarkt ist dieses Phänomen ebenfalls bekannt: Auch hierzulande kommen und gehen Designtrends, die zunächst als zeitlos gelten.

Der FT-Newsletter, in dem Chefredakteurin Roula Khalaf wöchentlich ihre Lieblingsgeschichten auswählt, greift mit diesem Thema eine Debatte auf, die weit über London hinausgeht. Letztlich stellt sich bei jedem Designtrend dieselbe Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen – und wann ist es bereits zu spät?

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