Covestro ruft höhere Gewalt wegen Rhein-Niedrigwasser aus
Der Chemiekonzern Covestro erklärt Force Majeure für ausgewählte Produkte – der Rhein-Pegel bedroht die Produktion in Dormagen.

Der deutsche Chemiekonzern Covestro hat wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein höhere Gewalt erklärt. Betroffen sind ausgewählte Produkte und Lieferverpflichtungen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die betroffenen Kunden bereits informiert.
Im Mittelpunkt der aktuellen Situation steht der PET-Betrieb am Standort Dormagen. Dort produziert Covestro Polyether-Polyole – wichtige Vorprodukte für die chemische Weiterverarbeitung. Diese Rohstoffe werden als Komponenten in Polyurethan-Hart- und Weichschaumstoffen eingesetzt.
Die Anwendungsgebiete der betroffenen Produkte sind dabei breit gefächert und für den Alltag vieler Verbraucher relevant. Polyurethan-Schaumstoffe finden sich unter anderem in Matratzen sowie in der Isolierung von Kühlschränken. Ein Produktionsausfall in Dormagen kann daher Auswirkungen auf nachgelagerte Industrien haben.
Rhein-Niedrigwasser als wiederkehrendes Risiko
Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands und für die chemische Industrie von zentraler Bedeutung. Niedrigwasserphasen schränken den Schiffstransport erheblich ein, da Frachtschiffe bei geringen Pegelständen nur noch mit reduzierter Ladung fahren können oder der Betrieb ganz eingestellt werden muss. Für Chemieunternehmen wie Covestro, die auf den Fluss als Transportweg für Rohstoffe und Fertigprodukte angewiesen sind, stellt dies ein erhebliches logistisches und operatives Risiko dar.
Die Erklärung höherer Gewalt – im internationalen Handelsrecht als „Force Majeure" bekannt – entbindet Unternehmen in der Regel von vertraglichen Lieferpflichten, wenn außergewöhnliche und nicht vorhersehbare Ereignisse die Erfüllung unmöglich machen. Covestro setzt dieses Instrument nun ein, um sich gegenüber seinen Kunden rechtlich abzusichern.
Covestro und der Standort Dormagen
Covestro ist ein weltweit führender Hersteller von Hochleistungskunststoffen und Vorprodukten für die Polyurethan- und Polycarbonat-Industrie. Das Unternehmen ging 2015 aus dem Bayer-Konzern hervor und ist seitdem eigenständig börsennotiert. Der Standort Dormagen am Rhein gehört zu den bedeutenden deutschen Produktionsstandorten des Konzerns.
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Zur AktienanalyseNiedrigwasserereignisse auf dem Rhein sind kein neues Phänomen. Bereits in der Vergangenheit hatten extreme Niedrigwasserphasen – etwa im Jahr 2018 – die deutsche Industrie empfindlich getroffen und zu Produktionseinschränkungen sowie Lieferengpässen geführt. Die aktuelle Situation reiht sich in dieses Muster ein und verdeutlicht die Abhängigkeit der deutschen Chemieindustrie von funktionierenden Wasserstraßen.
Für Anleger und Marktteilnehmer bleibt abzuwarten, in welchem Umfang die Produktionseinschränkungen in Dormagen die Lieferketten der Kunden von Covestro beeinflussen und wie lange die Niedrigwasserphase auf dem Rhein anhält. Das Unternehmen hat bislang keine weiteren Angaben zu möglichen finanziellen Auswirkungen gemacht.


