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CoreWeave: Explodierende Rechenzentrumskosten gefährden ambitioniertes 8-Gigawatt-Ziel

Der KI-Cloud-Spezialist CoreWeave kämpft mit rasant steigenden Baukosten für Rechenzentren auf dem Weg zu 8 Gigawatt bis 2030.

CoreWeave: Explodierende Rechenzentrumskosten gefährden ambitioniertes 8-Gigawatt-Ziel

Der Cloud-Computing-Spezialist CoreWeave verzeichnet ein beeindruckendes Wachstum: Der Auftragsbestand stieg um fast 300 Prozent im Jahresvergleich auf 99,4 Milliarden US-Dollar. Doch gleichzeitig wächst der Kapitalbedarf für den Bau von KI-Rechenzentren in einem alarmierenden Tempo. Die Kosten für die Errichtung KI-fähiger Anlagen werden aktuell auf 15 bis 25 Millionen US-Dollar pro Megawatt geschätzt.

Risikokapitalgeber Chamath Palihapitiya wies in einer Folge des All-In-Podcasts darauf hin, dass der Bau eines modernen 1-Gigawatt-KI-Rechenzentrums inzwischen Gesamtkosten von nahezu 100 Milliarden US-Dollar verursacht. Steigende Grundstücksgebühren, ein zunehmender Mangel an Elektroingenieuren sowie knappe Komponenten treiben die Kosten weiter in die Höhe. Spezialisierte KI-Cloud-Anbieter wie CoreWeave befinden sich damit in einem hyperinflationären Infrastruktur-Wettlauf um Skaleneffekte.

Eine zweckoptimierte Plattform für KI-Workloads

CoreWeave betreibt eine vertikal integrierte Plattform, die speziell auf die Leistungsanforderungen von KI-Workloads ausgerichtet ist. Das Unternehmen bezieht die neuesten Grafikprozessoren (GPUs) von seinem Partner Nvidia und kombiniert diese mit weiterer Hardware sowie eigener Software. So erreicht CoreWeave eine Performance, die Allzweck-Cloud-Anbieter oft nur schwer replizieren können.

Das Geschäftsmodell funktioniert als Vermittler: CoreWeave least physische Rechenzentrumsanlagen von Drittanbietern, anstatt sie selbst zu besitzen, und vermietet die Rechenkapazität weiter an Unternehmen für KI-Modelle und Hyperscaler. Diese Betriebsform hält die Kapitalkosten vergleichsweise niedrig. Die Spezialisierung hat CoreWeave zu einem wichtigen Partner für bedeutende KI-Labore gemacht und mehrjährige „Take-or-Pay"-Verträge mit Kunden wie Meta Platforms und OpenAI gesichert.

Die Kundenstruktur verbessert sich dabei kontinuierlich: Zehn Kunden haben sich verpflichtet, jeweils mindestens 1 Milliarde US-Dollar auszugeben. KI-Labore ohne Investment-Grade-Rating machen inzwischen weniger als 30 Prozent des Auftragsbestands aus – ein positives Signal für die Kreditqualität des Portfolios.

Milliardenschwere Schulden für die Expansion

Um die aggressive Expansion zu finanzieren, hat CoreWeave Schulden in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar in Form sogenannter „Delayed-Draw Term Loans" (DDTLs) aufgenommen. Das Funktionsprinzip: Das Unternehmen schließt einen Kundenvertrag ab, nutzt diesen als Sicherheit für Kredite gegen künftige Cashflows und ruft die Mittel erst ab, wenn die Kapazitäten tatsächlich bereitgestellt werden. Da die Kreditgeber die Bonität des Endkunden – etwa Meta – berücksichtigen, profitiert CoreWeave von besseren Konditionen.

Diese Struktur hat dazu beigetragen, den durchschnittlichen Zinssatz von Werten im mittleren Zehnerbereich auf knapp unter 10 Prozent bis Ende 2025 zu senken. Die Investitionsausgaben (Capex) werden in diesem Jahr voraussichtlich 30 Milliarden US-Dollar übersteigen – nach 15 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Das Unternehmen befindet sich damit auf einem hochkapitalintensiven Kurs, der nur so lange tragfähig ist, wie neue Verträge abgeschlossen und die Kapitalmärkte zugänglich bleiben.

Das erklärte Ziel ist ehrgeizig: CoreWeave will von derzeit rund einem Gigawatt auf eine Kapazität von 8 Gigawatt bis zum Jahr 2030 wachsen. Die steigenden Baukosten könnten jedoch die wirtschaftliche Skalierbarkeit dieses Vorhabens erheblich beeinträchtigen.

Chancen und Risiken für Anleger

Ein wichtiger Faktor, der das Risiko an Wert verlierender Hardware teilweise ausgleicht, ist die steigende Nachfrage nach KI-Inferenz. Diese sorgt dafür, dass ältere, weniger leistungsstarke GPUs länger als üblich wirtschaftlich wertvoll bleiben. Sollte die KI-Inferenz für Anbieter in den nächsten drei bis fünf Jahren hochprofitabel bleiben, dürfte sich die Preisgestaltung für Rechenkapazitäten gut behaupten.

Allerdings bestehen auch erhebliche Abwärtsrisiken. Falls die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückbleibt oder sich der Markt in Richtung kostengünstiger Open-Source-Modelle verschiebt, könnte dies die Tarife für künftige Verträge unter Druck setzen. Da die Kosten für Speicherchips und andere Vorleistungen steigen, nimmt die Kapitalbelastung für sogenannte „Neoclouds" und deren Partner insgesamt zu.

CoreWeave bietet Anlegern eine einzigartige Möglichkeit, am Ausbau der KI-Infrastruktur teilzuhaben. Angesichts der großen Bandbreite möglicher Entwicklungen und der erheblichen Unsicherheit darüber, wer langfristig zu den Gewinnern und Verlierern gehören wird, empfiehlt sich jedoch ein umsichtiger Ansatz bei der Positionsgröße, um das Einzeltitelrisiko in dieser sich schnell entwickelnden Branche zu begrenzen.

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