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Core-Satellite-Strategie: So ergänzen Sie Ihr Weltportfolio sinnvoll

Mit Value- und Dividenden-ETFs lässt sich ein globales Basisportfolio gezielt erweitern – wenn man die richtige Methodik kennt.

Core-Satellite-Strategie: So ergänzen Sie Ihr Weltportfolio sinnvoll

Ein globales Aktienportfolio muss nicht aus einem einzigen ETF bestehen. Viele Anleger fahren besser mit einem Baukastensystem: einem starken Kern und gezielt ausgewählten Ergänzungen. Im Fachjargon nennt sich das Core-Satellite-Strategie – und sie bietet mehr Flexibilität, als es auf den ersten Blick scheint.

Das Core-Investment bildet die breite Basis des Depots. Klassischerweise übernimmt diese Rolle ein ETF auf den FTSE All-World oder den MSCI All Country World (ACWI). Wer mehr Kontrolle möchte, kann das Weltportfolio auch aus mehreren ETFs selbst zusammenstellen und einzelne Regionen individuell gewichten. Die sogenannten Satelliten – kleinere Positionen rund um den Kern – sollen Lücken schließen, Klumpenrisiken senken oder zusätzliche Renditequellen erschließen.

Wichtig dabei: Die Satelliten sollten sich klar vom Kerninvestment unterscheiden und keine größeren Überschneidungen aufweisen. Schwellenländer-ETFs gelten als klassischer Diversifikations-Satellit – allerdings nur dann, wenn das Basisinvestment diese Märkte kaum oder gar nicht abdeckt.

Value-ETFs: Günstige Bewertung als Renditefaktor

Ein weiterer beliebter Satellitenansatz sind ETFs, die auf den sogenannten Value-Faktor setzen. Dabei geht es um Aktien, deren Börsenbewertung den tatsächlichen Unternehmenswert deutlich unterschreitet – viel Substanz zu günstigem Preis. Christian W. Röhl, Chefökonom bei Scalable Capital, empfiehlt diesen Ansatz für Anleger, die das Gefühl haben, dass die meisten Aktien bereits hoch bewertet sind.

Doch Anleger sollten genau hinschauen, was ein Value-ETF tatsächlich enthält. Der MSCI World Value Factor etwa legte in den vergangenen zwölf Monaten rund 50 Prozent zu – stärker als der Nasdaq 100. Treiber waren jedoch ausgerechnet Technologiewerte wie Micron, Intel und Cisco, die zusammen rund 20 Prozent des Index ausmachen. Die Sektoren IT und Kommunikation kommen im Value-Index auf insgesamt rund 45 Prozent.

Dieser Effekt ist methodisch bedingt: MSCI wählt beim halbjährlichen Rebalancing nicht einfach die günstigsten Aktien quer durch alle Branchen. Stattdessen wird die Sektorgewichtung des Mutterindex MSCI World beibehalten und dann mit den Titeln aufgefüllt, die nach drei Kennzahlen am besten abschneiden: Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs-Gewinn-Verhältnis und Unternehmenswert zu operativem Cashflow (EV/CFO). Das Ergebnis ist ein „sektorneutraler" Value-Ansatz – mit einem Tech-Klumpen, nur mit anderen Namen. Immerhin liegt der US-Anteil mit rund 48 Prozent deutlich niedriger als beim klassischen MSCI World mit rund 72 Prozent.

Dividenden-ETFs: Qualität vor hoher Rendite

Wer einen defensiveren Akzent setzen möchte, greift oft zu Dividenden-ETFs. Dabei gilt eine wichtige Faustregel: Eine hohe Dividendenrendite allein ist kein Qualitätsmerkmal – sie kann sogar ein Warnsignal sein. Entscheidend sind strenge Qualitätskriterien oder eine besonders breite Streuung.

Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Dividenden-Satelliten konstruiert sein können:

Vanguard All-World High Dividend Yield

: Fokus auf hohe Dividendenrenditen, rund 2.300 Positionen, die Top Ten machen etwa zehn Prozent aus. Aktien werden absteigend nach Dividendenrendite sortiert und nach Börsenwert gewichtet.

L&G Global Quality Dividend

: Basis ist der FTSE Global Developed Markets (All Cap) inklusive Nebenwerte. Unternehmen mit gesunkener Dividende über zehn Jahre, negativer Eigenkapitalrendite oder schlechter Bilanzstruktur werden ausgeschlossen. Rund 959 Werte, halbjährlich gleichgewichtet. Sektorstruktur: rund 30 Prozent Finanzen, 20 Prozent Industrie, nur 5 Prozent Tech. USA-Anteil rund 30 Prozent, Euro-Anteil 20 Prozent, Japan 16 Prozent.

VanEck Morningstar Dividend Leaders

: Konzentrierter Ansatz mit 100 Titeln. Oberstes Kriterium ist Dividendenstabilität (fünf Jahre positive Entwicklung, Ausschüttungsquote unter 75 Prozent). Einzelgewichte bis zu fünf Prozent, Top-Ten-Konzentration bei rund 36 Prozent.

Klare Rolle für jeden Satelliten

Wer Satelliten ins Depot aufnimmt, sollte ihnen von Anfang an eine klare Funktion zuweisen. Sollen sie Risiken reduzieren oder neue Renditequellen erschließen? Value- und Dividenden-ETFs können beides leisten. Bei ungünstiger Auswahl können sie jedoch neue Klumpenrisiken erzeugen, anstatt bestehende zu reduzieren.

Eine gute Diversifikation entsteht nicht durch möglichst viele ETFs, sondern durch eine sorgfältige und bewusste Auswahl der einzelnen Bausteine. Wer diesen Grundsatz beherzigt, baut ein Weltportfolio, das wirklich mehr ist als die Summe seiner Teile.

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