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Commerzbank-Übernahme: Bund formuliert Bedingungen für UniCredit-Gespräche

Die Bundesregierung akzeptiert die drohende Übernahme und bereitet nun konkrete Forderungen für Verhandlungen mit UniCredit vor.

Die Bundesregierung vollzieht in der Commerzbank-Übernahmedebatte eine bemerkenswerte Kehrtwende. Statt die Transaktion weiterhin zu blockieren, bereitet Berlin nun Forderungen für mögliche Gespräche mit UniCredit vor. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der Strategiewechsel ist deutlich: Weg vom Widerstand, hin zur Frage, unter welchen Bedingungen eine Übernahme stattfinden könnte. Ein konkreter Gesprächstermin zwischen den Parteien ist bislang allerdings nicht festgesetzt worden.

Mittelstand und Börsennotiz im Fokus

Zu den zentralen Forderungen Berlins gehört laut Insidern die Sicherung der Rolle der Commerzbank als Finanzierungspartner des deutschen Mittelstands. Besonderes Gewicht legt die Bundesregierung dabei auf das internationale Netzwerk der Bank sowie ihr Handelsfinanzierungsgeschäft.

Darüber hinaus verlangt Berlin Garantien für eine weiterhin eigenständige Börsennotierung der Commerzbank. Auch Frankfurt soll nach einer möglichen Übernahme ein bedeutender Standort des Instituts bleiben. Weder UniCredit noch Commerzbank wollten sich zu den Berichten äußern, ein Sprecher der Bundesregierung reagierte nicht auf eine Anfrage.

Der Sinneswandel in Berlin hat einen klaren Hintergrund: UniCredit hält inzwischen knapp unter 50 Prozent an der Commerzbank. Auf einer Hauptversammlung hätte die italienische Bank damit die Mehrheit — und könnte theoretisch den aktuellen Commerzbank-Vorstand abberufen und ersetzen. Die EZB muss den vollständigen Aktienerwerb zwar noch genehmigen, was voraussichtlich bis 2027 dauern wird. Dennoch hat Berlin den Kreisen zufolge weitgehend akzeptiert, dass eine Kontrolle der Commerzbank durch UniCredit kaum noch zu verhindern ist.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte diese Woche erklärt, dass Aktionäre und nicht die Politik über das Schicksal der Bank entscheiden sollten. Gleichzeitig bekräftigte er seinen Unmut über die Art und Weise, wie UniCredit den Einstieg vorangetrieben habe, und betonte die Bedeutung der Commerzbank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft.

Stellenabbau und Angebotspreis als Streitpunkte

UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte vor knapp zwei Jahren die ersten Commerzbank-Anteile erworben und seinen Anteil seitdem kontinuierlich ausgebaut. Die bisher veröffentlichten Pläne sehen vor, das internationale Filialnetz der Commerzbank zu verkleinern und das Geschäft stärker auf Deutschland und Polen zu konzentrieren. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte erklärt, dieser Plan würde das Geschäftsmodell der Bank beschädigen.

Im Falle einer Übernahme plant UniCredit außerdem den Abbau von bis zu 7.000 Stellen — ein Vorhaben, das bei Arbeitnehmervertretern, die bei der Commerzbank erheblichen Einfluss besitzen, auf scharfe Kritik gestoßen ist. Garantien für den weitgehenden Erhalt der Beschäftigtenzahl haben für Berlin dem Vernehmen nach eine etwas geringere Priorität. Allerdings würde die Bundesregierung darauf drängen, dass UniCredit betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Zu den weiteren möglichen Forderungen Berlins zählt ein höherer Angebotspreis. Die Bundesregierung hatte den bisherigen Übernahmepreis als zu niedrig kritisiert, da er Aktionären praktisch keine Prämie bot. Offen bleibt weiterhin, ob und wann Berlin bereit wäre, seinen Staatsanteil von rund 12 Prozent an der Commerzbank zu veräußern.

Relevant für Anleger: Falls UniCredit innerhalb von zwölf Monaten nach Ablauf des Übernahmeangebots Commerzbank-Aktien zu höheren Preisen kauft als dem ursprünglichen Angebotspreis, müsste die Bank jene Investoren entschädigen, die das Angebot bereits angenommen hatten.

UniCredit signalisiert Gesprächsbereitschaft

Die italienische Großbank strebt ihrerseits direkte Gespräche mit der Bundesregierung an und ist bereit, Zugeständnisse zu machen. Laut Insidern ist UniCredit bereit, Zusagen zur Unterstützung deutscher Unternehmen — insbesondere des Mittelstands — abzugeben, um die Transaktion voranzubringen.

Der künftige Hauptsitz von UniCredit in Deutschland hat nach Angaben informierter Kreise weder für UniCredit noch für Berlin hohe Priorität. Derzeit befindet sich der Deutschlandsitz der Bank in München. UniCredit-Chef Orcel hat zudem ausgeschlossen, den Konzernsitz aus Italien zu verlegen.

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