Commerzbank baut 3.000 Stellen ab und hebt Ziele an
Im Abwehrkampf gegen UniCredit präsentiert die Commerzbank einen ambitionierteren Strategieplan mit höheren Gewinnzielen und neuem Stellenabbau.

Die Commerzbank hat am Freitag einen verschärften Strategieplan vorgestellt, der den Abbau von 3.000 Stellen und deutlich angehobene Finanzziele bis 2028 vorsieht. Der Plan ist eine direkte Antwort auf den laufenden Übernahmeversuch der italienischen UniCredit, die offiziell ein Angebot von 37 Milliarden Euro für die deutsche Bank eingereicht hat. Die Commerzbank will damit Investoren überzeugen, dass sie als eigenständiges Unternehmen langfristig erfolgreich sein kann.
Der Übernahmeversuch der UniCredit unter Führung von CEO Andrea Orcel hatte das deutsche Unternehmens- und Politikestablishment 2024 aufgeschreckt. Die italienische Bank hatte sich einen Anteil von knapp unter 30 Prozent an der Commerzbank gesichert und drängt seitdem auf einen Zusammenschluss – dem bisher ehrgeizigsten Versuch einer paneuropäischen Bankenfusion. Die Commerzbank bezeichnete das Vorgehen der UniCredit in ihrer Mitteilung vom Freitag scharf: „Der kommunizierte Plan der UniCredit bleibt vage und birgt erhebliche Umsetzungsrisiken, während er gleichzeitig irreführende Narrative verwendet, die die Commerzbank diskreditieren."
Angehobene Ziele für 2028
Zu den neuen Zielen gehört ein prognostizierter Umsatz von 15 Milliarden Euro im Jahr 2028, gegenüber dem bisherigen Ziel von 14,2 Milliarden Euro. Der angestrebte Gewinn für 2028 wurde auf 4,6 Milliarden Euro angehoben, nach zuvor 4,2 Milliarden Euro. Analysten hatten bereits weitgehend damit gerechnet, dass die Commerzbank ihre im vergangenen Jahr gesteckten Ziele übertreffen würde. Im Zuge des Stellenabbaus weist die Bank zudem Restrukturierungskosten von rund 450 Millionen Euro aus.
Gleichzeitig meldete die Commerzbank starke Quartalszahlen: Der Nettogewinn im ersten Quartal stieg um 9,4 Prozent auf 913 Millionen Euro und übertraf damit die eigene Konsensprognose von 868 Millionen Euro deutlich. Die soliden Ergebnisse unterstreichen den Anspruch der Bank, eigenständig wettbewerbsfähig zu sein.
Dritte Entlassungswelle in wenigen Jahren
Der nun angekündigte Stellenabbau ist bereits die dritte Entlassungswelle bei der Commerzbank in kurzer Zeit. Zu Beginn des Jahrzehnts hatte das Institut rund 10.000 Stellen gestrichen – ein Drittel der deutschen Belegschaft. Im vergangenen Jahr folgten Pläne für den Abbau weiterer 3.900 Stellen. UniCredit-Chef Orcel hatte im vergangenen Monat seinerseits einen Restrukturierungsplan für die Commerzbank präsentiert, der Kosteneffizienzen von 1,3 Milliarden Euro und den Abbau von 7.000 Stellen vorsah.
Der Kampf um die Unabhängigkeit der Commerzbank hat sich zu einem politischen Testfall entwickelt. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte am Donnerstag, Deutschland lehne feindliche und aggressive Übernahmen im Bankensektor ab. „So geht man nicht mit Institutionen wie einer Bank in Deutschland um, namentlich der Commerzbank. So wird Vertrauen zerstört und nicht neues Vertrauen gefördert", sagte Merz. Der deutsche Staat hält nach einer Rettungsaktion während der Finanzkrise vor rund zwei Jahrzehnten noch immer einen Anteil von 12 Prozent an der Commerzbank. Einige Politiker und Banker fordern Berlin auf, diese Beteiligung zu erhöhen, um die UniCredit abzuwehren – ein Schritt, der jedoch mit erheblichen Hürden verbunden wäre.
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Zur AktienanalyseGespräche zwischen den Bankchefs gescheitert
Die Chefs beider Banken hatten Anfang des Jahres miteinander gesprochen, doch die Gespräche scheiterten nach Ostern. UniCredit argumentiert, die Commerzbank schöpfe ihr Potenzial nicht aus und Europa würde in einer Welt chaotischer Geopolitik von größeren Banken profitieren. Die Commerzbank hingegen beharrt auf ihrer Unabhängigkeit und sieht sich als systemrelevantes Institut für die Finanzierung der größten Volkswirtschaft Europas und des Finanzplatzes Frankfurt.


