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Citi kürt IAG zum Top-Favoriten und stuft Lufthansa ab

Die Citibank erhöht das Kursziel für IAG auf 610 Pence und empfiehlt gleichzeitig den Verkauf von Lufthansa-Aktien.

Citi kürt IAG zum Top-Favoriten und stuft Lufthansa ab

Die International Consolidated Airlines Group (IAG), Muttergesellschaft von British Airways und Iberia, bleibt die bevorzugte Aktie der Citibank im westeuropäischen Luftfahrtsektor. Die US-Großbank bekräftigte ihre „Buy"-Empfehlung für IAG und hob das Kursziel von 600 Pence auf 610 Pence an. Gleichzeitig stufte Citi-Analyst Conor Dwyer die Lufthansa-Aktie von „Neutral" auf „Sell" herab.

Dwyer begründet seine klare Präferenz für IAG mit einer auffälligen Bewertungsdiskrepanz: IAG werde lediglich zum halben EV/EBIT-Multiplikator im Vergleich zu anderen etablierten Wettbewerbern gehandelt – obwohl das Unternehmen eine mehr als doppelt so hohe operative Marge erziele. Trotz dieser fundamental unterschiedlichen Ausgangslage entwickelten sich die Aktien von IAG und Lufthansa im vergangenen Jahr weitgehend im Gleichschritt, was der Analyst als Fehlbewertung des Marktes wertet.

Als weitere Stützfaktoren für IAG nennt Dwyer den geringeren Verschuldungsgrad sowie die attraktive Free-Cashflow-Rendite, die kontinuierliche Kapitalrückzahlungen an die Aktionäre ermögliche. Die Citi hob ihre EBIT-Schätzung für IAG für das Jahr 2026 um 5% auf 4,6 Milliarden Euro an, was einer Marge von 13% entspricht. Für die Jahre 2027 bis 2029 gab es geringfügige Anhebungen um 2 bis 3%, da niedrigere Treibstoffkosten teilweise durch die Preisgestaltung ausgeglichen werden.

Bullen- und Bären-Szenario für IAG

Die Bandbreite möglicher Szenarien für IAG ist beträchtlich. Im optimistischen Fall geht die Citi davon aus, dass die aktuellen Margen von nahezu 15,5% über den gesamten Zyklus hinweg gehalten werden können – dies würde einem fairen Wert von 7,20 britischen Pfund entsprechen. Im pessimistischen Szenario, bei dem die Margen auf den Branchendurchschnitt etablierter Fluggesellschaften von 6,5% fallen würden, impliziert das Modell einen Wert von lediglich 2,10 britischen Pfund.

Im direkten Vergleich fällt das Urteil über Lufthansa deutlich kritischer aus. Dwyer senkte das Kursziel für die deutsche Fluggesellschaft von 8,70 Euro auf 8,20 Euro und begründete die Herabstufung auf „Sell" damit, dass die Bewertung nach der jüngsten Kursrally „weniger überzeugend" erscheine. Die Lufthansa-Aktie ist seit Jahresbeginn um mehr als 20% gestiegen, obwohl die Konsenserwartungen für die Unternehmensgewinne nach unten tendierten.

Rentenstreit und strukturelle Risiken belasten Lufthansa

Dwyer verwies auf mehrere konkrete Belastungsfaktoren für Lufthansa. Der ungelöste Rentenstreit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit stelle ein anhaltendes Risiko dar. Streiks im zweiten Quartal hätten den Konzern an sechs Streiktagen rund 150 Millionen Euro gekostet. Darüber hinaus erwartet die Bank, dass der Nachfragerückenwind durch umgeleitete Verkehre im Nahen Osten nachlassen wird, sobald sich die regionalen Kapazitäten erholen.

Strukturell sieht der Analyst die Lufthansa-Margen mittelfristig bei rund 6% – weit unterhalb des Ziels von 8 bis 10%, das das Management auf seinem Kapitalmarkttag 2025 ausgegeben hatte. Dwyer liegt mit seinen Schätzungen für das Geschäftsjahr 2026 rund 5% unter dem Marktkonsens und für die Jahre 2027 bis 2029 etwa 4% darunter. „Während das Erreichen des mittelfristigen Margenziels des Unternehmens von 8-10% Aufwärtspotenzial für die Aktien bieten würde, sehen wir Herausforderungen bei der Umsetzung und halten 6% für wahrscheinlicher", schrieb Dwyer.

Sein Fazit fällt eindeutig aus: Er bevorzuge weiterhin „das Engagement bei dem margenstärkeren Betreiber mit einem erheblichen Abschlag" – und meint damit IAG gegenüber Lufthansa. Für deutsche Privatanleger, die im europäischen Luftfahrtsektor investiert sind oder eine Position aufbauen möchten, liefert die Citi-Analyse damit eine klare Richtungsentscheidung: Qualität und Bewertung sprechen derzeit für den britisch-spanischen Konzern.

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