Citi: Chinas Konjunkturabkühlung durch faktische Sparpolitik verschärft
Chinas Wirtschaft litt im zweiten Quartal unter unerwartet schwacher Fiskalunterstützung – trotz offiziell wachstumsfördernder Haltung Pekings.

Chinas wirtschaftliche Abkühlung im zweiten Quartal 2025 wurde durch eine unterschätzte Phase „faktischer fiskalischer Austerität" erheblich verschärft. Das geht aus einem aktuellen Bericht der US-Großbank Citi hervor, der im Vorfeld einer entscheidenden Datenwoche für die chinesische Wirtschaft veröffentlicht wurde. Sowohl die Zentral- als auch die Lokalregierungen leisteten demnach weniger fiskalische Unterstützung als erwartet – obwohl Peking offiziell eine wachstumsfördernde Politik verfolgt.
Citi definiert „faktische fiskalische Austerität" als eine Situation, in der die Fiskalpolitik das Wachstum weniger unterstützt, ohne dass formelle Ausgabenkürzungen beschlossen wurden. Konkret entsteht dieser Effekt, wenn steigende Staatseinnahmen und gleichzeitig schwächere Ausgaben der Lokalregierungen zusammenwirken und so den gesamten fiskalischen Stimulus verringern. Das Ergebnis: Die Fiskalpolitik straffte sich unbeabsichtigt, während die Entscheidungsträger eigentlich versuchten, das Wachstum zu stabilisieren.
Schwache Ausgaben belasten Investitionen und Konsum
Laut Citi sind schwächere öffentliche Ausgaben zu einer erheblichen Belastung für Investitionen und den privaten Konsum geworden. Dies geschah vor dem Hintergrund eines anhaltenden Immobilienabschwungs und einer fragilen Binnennachfrage – zwei strukturellen Problemen, die Chinas Wirtschaft seit Jahren begleiten. Die Kürzung von Inzahlungnahmeprämien für Verbraucher sowie eine langsamere Auszahlung von Regierungsgeldern hätten die Haushaltsausgaben im Quartal zusätzlich gedämpft.
Die Zahlen untermauern die Analyse: Das breite Haushaltsdefizit verringerte sich im Zeitraum Januar bis Mai auf 2,2 Prozent des BIP, verglichen mit 2,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Dies spiegele laut Citi eher eine unerwartete Straffung der fiskalischen Bedingungen wider als eine Expansion. Die Zentralregierung erzielte dabei über den Erwartungen liegende Einnahmen – begünstigt durch stabilere Erzeugerpreise und eine strengere Steuerdurchsetzung.
Die Lokalregierungen hingegen schränkten ihre Ausgaben deutlich ein. Sinkende Einnahmen aus Grundstücksverkäufen, Schuldenbeschränkungen und ein Mangel an tragfähigen Infrastrukturprojekten begrenzten ihre Kapazitäten zur wirtschaftlichen Stimulierung. Gerade die Lokalregierungen spielen in China traditionell eine zentrale Rolle bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten und der Ankurbelung der regionalen Wirtschaft.
BIP-Wachstum dürfte sich auf 4,5 Prozent verlangsamen
Die Datenwoche, auf die der Citi-Bericht vorbereitet, verspricht wichtige Aufschlüsse über den Zustand der chinesischen Wirtschaft. Anleger warten auf Handelsdaten für Juni, Kreditwachstumszahlen, das BIP für das zweite Quartal, Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze sowie Anlageinvestitionen. Ökonomen erwarten weitgehend, dass sich das jährliche BIP-Wachstum von 5,0 Prozent im ersten Quartal auf etwa 4,5 Prozent verlangsamen wird.
Das Gesamtbild der chinesischen Wirtschaft bleibt gemischt. Während Exporte und die High-Tech-Produktion relativ widerstandsfähig geblieben sind, verharrt die Binnennachfrage auf niedrigem Niveau. Jüngste Inflationsdaten verdeutlichten zudem die anhaltende Divergenz zwischen steigenden Erzeugerpreisen und schwächeren Konsumausgaben – ein Ungleichgewicht, das die strukturellen Herausforderungen des Landes unterstreicht.
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Zur AktienanalyseZweite Jahreshälfte soll fiskalische Wende bringen
Trotz der kurzfristigen Schwäche zeigt sich Citi für die zweite Jahreshälfte vorsichtig optimistisch. Die Bank erwartet, dass sich die fiskalische Unterstützung verstärken wird, da Peking die Budgetverwendung beschleunigt, anstatt einen Nachtragshaushalt einzuführen. Ein solcher Ansatz gilt als politisch einfacher umsetzbar und könnte die Konjunktur noch im laufenden Jahr spürbar stützen.
Längerfristig gewinnen laut Citi Reformen zur Neugewichtung der fiskalischen Zuständigkeiten zwischen Zentral- und Lokalregierungen zunehmend an Bedeutung. Dies sei besonders relevant, da China seine Wirtschaft an die Anforderungen von Künstlicher Intelligenz und ein langsameres strukturelles Wachstum anpasse. Die Frage, wie Peking die Lasten zwischen den Regierungsebenen neu verteilt, dürfte damit zu einem zentralen Thema der chinesischen Wirtschaftspolitik der kommenden Jahre werden.


