Citi: Bullenmarkt intakt – historische Muster sprechen für Aktien
Die Citigroup hält an ihrer Aktien-Übergewichtung fest und begründet dies mit historischen Zinsmustern vergangener Markteinbrüche.

Die Strategen der Citigroup sehen den aktuellen Bullenmarkt als weiterhin intakt an. Ihre Begründung stützt sich auf ein klares historisches Muster: Bedeutende Markteinbrüche der vergangenen Jahrzehnte wurden stets durch aggressive Zinserhöhungszyklen der US-Notenbank Federal Reserve ausgelöst – ein Szenario, das im heutigen Umfeld nicht vorliegt.
Ein Blick auf die großen Markthochs der jüngeren Geschichte verdeutlicht das Argument der Bank. Das S&P-500-Hoch im Jahr 2000 folgte auf Zinserhöhungen der Fed um 175 Basispunkte. Der Marktgipfel von 2007 kam nach einer Straffung um 425 Basispunkte. Der Rücksetzer 2018 war das Ergebnis von Anhebungen um 225 Basispunkte, und der Ausverkauf von 2022 wurde durch einen Zinserhöhungszyklus von insgesamt 525 Basispunkten ausgelöst. Lediglich der Corona-Crash und der kurze Ausverkauf am sogenannten „Liberation Day" bildeten Ausnahmen, bei denen Zinsen keine entscheidende Rolle spielten.
„Angesichts der Tatsache, dass die Fed noch kein einziges Mal die Zinsen erhöht hat und die Bilanz der Fed immer noch wächst, glauben wir, dass der Bullenmarkt wahrscheinlich noch intakt ist", erklärten die Citi-Strategen. Die Bank behält daher eine positive Übergewichtung von einer Stufe bei Aktien bei, mit einem klaren Fokus auf die USA und die Schwellenländer in Asien.
Positionierungsrisiken und S&P-500-Ziel angehoben
Die Strategen weisen jedoch auf bestehende Positionierungsrisiken hin. Diese seien vor allem bei KI-bezogenen Trades sowie bei den Positionen in Schwellenländern Asiens am höchsten. Gleichzeitig stellten sie fest, dass die Positionierung im südkoreanischen KOSPI seit der Zeit vor dem Iran-Konflikt deutlich zurückgegangen ist – und das, obwohl Nasdaq und S&P 500 in dieser Zeit weiter gestiegen sind.
Citi hat zudem kürzlich sein Kursziel für den S&P 500 für das Jahr 2026 von 7.700 auf 8.100 Punkte angehoben. Als Begründung nannte die Bank die starke Gewinnentwicklung der US-Unternehmen. Dies unterstreicht die insgesamt optimistische Haltung der Citigroup gegenüber dem amerikanischen Aktienmarkt.
Europa: Taktisch long, strukturell neutral
Mit Blick auf Europa geht Citi nach der Bekanntgabe einer Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran eine taktische Long-Position auf den Euro Stoxx 50 ein. In der breiteren Allokation bleibt die Bank gegenüber europäischen Aktien jedoch neutral. Die Strategen halten es für unwahrscheinlich, dass die jüngste Outperformance europäischer Aktien – die unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass Europa als Nettoölimporteur von niedrigeren Energiepreisen profitiert – von Dauer sein wird.
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Zur AktienanalyseEin strukturelles Argument spricht laut Citi klar gegen Europa: Das Thema Künstliche Intelligenz, das als wichtigster struktureller Treiber für die globalen Aktienmärkte gilt, fehle in Europa weitgehend. „Wir halten es nach wie vor für verfrüht, das Ende des KI-Trades auszurufen", erklärte das Team. Da der Iran-Konflikt weitgehend eingepreist sei und die Europäische Zentralbank (EZB) zu den wenigen G10-Zentralbanken gehöre, die mit Zinserhöhungen begonnen hätten, sei es noch nicht an der Zeit, eine strukturellere Position in europäischen Aktien aufzubauen.
Industriewerte als bevorzugte Ergänzung im US-Portfolio
Auf Sektorebene hebt Citi Industriewerte als bevorzugte Ergänzung im US-Portfolio neben dem Technologiesektor hervor – insbesondere im Vorfeld der laufenden Berichtssaison. Der Sektor liegt bei den Gewinnrevisionen im vergangenen Jahr im 87. Perzentil und weist ein geringeres sogenanntes „Crowding" auf als die Bereiche Finanzen, Technologie und Kommunikationsdienste. Die Gewinnrevisionen im Technologiesektor selbst liegen zwar nicht an der Spitze, sind aber das gesamte Jahr über stark geblieben – ein weiteres Zeichen für die anhaltende Stärke des Sektors.


