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Citadel Securities warnt: Fed sollte Zinserhöhungen ins Auge fassen

Steigende Inflation, nicht der Arbeitsmarkt, sei laut Citadel Securities die größte Bedrohung für die US-Wirtschaft.

Citadel Securities warnt: Fed sollte Zinserhöhungen ins Auge fassen

Die Federal Reserve sollte nach Einschätzung von Citadel Securities eine Zinserhöhung ernsthaft in Betracht ziehen. Hintergrund ist ein erneuter Anstieg der Verbraucherpreise, der die Notenbank unter Druck setzt. „Die Inflation und nicht der Arbeitsmarkt ist das größere Risiko", sagte Nohshad Shah, Leiter des Bereichs EMEA Fixed-Income Sales bei Citadel Securities.

Shah warnte, die Fed müsse ihren Kurs bald anpassen, um nicht „hinter die Kurve" zu geraten. Diese Formulierung beschreibt in der Finanzwelt eine Situation, in der eine Zentralbank zu langsam auf steigende Inflation reagiert und dadurch die Kontrolle über das Preisniveau zu verlieren droht. Die Warnung kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt für die US-Geldpolitik.

Ölpreisanstieg und KI-Boom befeuern Inflation

Auslöser des jüngsten Inflationsschubs ist laut Shah der Anstieg der Ölpreise seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran – der stärkste Preisanstieg in diesem Bereich seit 2023. Gleichzeitig haben sich die US-Finanzbedingungen durch eine Aktienmarktrallye entspannt, die Shah auf eine „einmalige KI-Transformation" zurückführt. Die massiven Investitionsausgaben in Künstliche Intelligenz treiben zusätzlich das Wachstumstempo an.

Das interne Modell von Citadel Securities deutet darauf hin, dass der aktuelle Leitzins der Fed nahe dem sogenannten neutralen Niveau liegt – also jenem Zinssatz, der das Wirtschaftswachstum weder stimuliert noch bremst. Shah sieht darin einen Widerspruch zur Markterwartung, die von einer solide expandierenden Wirtschaft ausgeht. Diese Diskrepanz erhöhe den Handlungsdruck auf die Notenbank.

Auch das Protokoll der April-Sitzung der Fed stützt diese Einschätzung: Eine Mehrheit der Entscheidungsträger warnte demnach, dass Zinserhöhungen notwendig werden könnten, falls die Inflation hartnäckig über dem Zielwert von 2 Prozent verbleibt. Zinsswap-Märkte preisen eine erste Erhöhung frühestens Ende Oktober ein, während eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt bis Anfang 2027 als nahezu sicher gilt. Auch die Anleiherenditen sind seit Ende Februar angesichts erneuter Inflationssorgen kräftig gestiegen.

Arbeitsmarkt zeigt Anzeichen einer Beschleunigung

Entgegen der Erwartung einer Abkühlung zeigt der US-Arbeitsmarkt laut Shah eher Anzeichen einer erneuten Beschleunigung. Wöchentliche ADP-Daten deuten darauf hin, dass die Neueinstellungen im Privatsektor einem Tempo entsprechen, das bei Fortbestehen monatlich 170.000 bis 180.000 neue Stellen bedeuten würde. Fed-Vertreter haben eingeräumt, dass das neutrale Beschäftigungswachstum aufgrund des verschärften Vorgehens gegen Einwanderung nun nahe Null liegen könnte.

Das derzeitige Tempo der Stellenschaffung berge das Risiko, den Lohndruck erneut anzuheizen, so Shah. Jüngste Daten zeigten zudem, dass der Energieschock beginne, auf das allgemeine Preissetzungsverhalten durchzuschlagen, während sich die Inflationserwartungen der Verbraucher in die falsche Richtung bewegten. Der Anleihemarkt erwache angesichts der Realität einer heißlaufenden Wirtschaft mit den Risiken eines klassischen nachfragebedingten Inflationsprozesses.

Politischer Druck auf Fed-Chef Warsh

Die Lage wird durch politische Einflussnahme zusätzlich kompliziert. Präsident Donald Trump hat die Fed wiederholt dafür kritisiert, die Zinsen nicht stärker gesenkt zu haben. Der Anstieg der Inflation erschwere nun die Aufgabe von Fed-Chef Kevin Warsh, den Trump an die Spitze der Notenbank berufen hat und der mutmaßlich das Ziel verfolgt, einen Zinserhöhungszyklus zu vermeiden.

Shah fasste die Lage unmissverständlich zusammen: In einem Szenario mit hartnäckiger Inflation und einem starken Arbeitsmarkt wäre es für jeden Fed-Vorsitzenden schwierig, Zinserhöhungen zu vermeiden. Für Anleger bedeutet dies erhöhte Unsicherheit an den Zins- und Anleihemärkten – und möglicherweise eine geldpolitische Wende, die viele noch nicht vollständig eingepreist haben.

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