Circle Internet Aktie bricht ein: Open-Standard-Konsortium bedroht USDC
Visa, BlackRock, Stripe und über 100 Partner gründen ein Stablecoin-Konsortium – und setzen Circle damit massiv unter Druck.

Die Aktie von Circle Internet (CRCL) verlor am Montag im frühen Handel 8,2 Prozent und fiel auf rund 69,74 US-Dollar. Auslöser war ein Bloomberg-Bericht über die Gründung eines mächtigen neuen Stablecoin-Konsortiums namens Open Standard, dem mehr als 100 Partner angehören – darunter Schwergewichte wie Visa, Stripe, BlackRock, die Bank of New York Mellon, Klarna, Alphabet und Coinbase Global.
Das Ziel des Konsortiums ist die Emission eines eigenen, an den US-Dollar gekoppelten Stablecoins namens Open USD. Alle Partner planen, den neuen Token in ihre Systeme zu integrieren, sobald dieser im weiteren Jahresverlauf live geht. Als Interims-CEO von Open Standard soll Zach Abrams fungieren, Mitbegründer und CEO des zu Stripe gehörenden Infrastrukturunternehmens Bridge.
Direkte Bedrohung für Circles Kerngeschäft
Die Entwicklung trifft Circle an einem empfindlichen Punkt. USDC, der von Circle emittierte Stablecoin, und Tether (USDT) vereinen derzeit den Großteil des weltweiten Stablecoin-Marktvolumens auf sich. Ein gut kapitalisiertes Konsortium aus globalen Finanzriesen, das einen konkurrierenden Dollar-Stablecoin auf den Markt bringt, stellt eine direkte Herausforderung für diesen First-Mover-Vorteil dar.
Der Kursrückgang kommt nicht überraschend: Die Aktie befindet sich bereits seit Anfang Juni in einem anhaltenden Abwärtstrend, nachdem sie einen Höchststand von über 100 US-Dollar erreicht hatte. Vom 52-Wochen-Hoch bei 262,97 US-Dollar ist der Kurs damit weit entfernt. Unternehmensinsider traten im vergangenen Jahr per saldo als Verkäufer auf, was das Bild zusätzlich eintrübt.
Einen kleinen Lichtblick lieferte ARK Invest: Der bekannte Technologie-Investmentfonds von Cathie Wood kaufte am 29. Juni rund 81.757 CRCL-Aktien hinzu – ein Zeichen für gewisses institutionelles Kaufinteresse auf dem aktuellen Kursniveau.
Regulatorischer Gegenwind verschärft die Lage
Neben dem neuen Wettbewerber belasten auch regulatorische Entwicklungen die Stimmung. Die US-Notenbank Federal Reserve schlug Mitte Juni Regeln vor, die von Stablecoin-Emittenten wie Circle die Einführung von Kunden-Identifizierungsprogrammen nach Bankenstandard verlangen würden. Dies würde potenzielle Compliance-Kosten und operative Komplexität mit sich bringen.
Auch der GENIUS Act, ein bundesweiter Lizenzrahmen für Stablecoins, der ursprünglich als regulatorischer Schutzwall für Circle galt, wird zunehmend anders bewertet. Statt Circle zu schützen, gilt er nun als Türöffner für kapitalstarke, etablierte Akteure wie Visa und Mastercard, die unter gleichen regulatorischen Bedingungen in den Stablecoin-Markt eintreten können.
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Zur AktienanalyseKein makroökonomischer Faktor – rein unternehmensspezifisch
Das breite Marktumfeld bietet den CRCL-Bullen dabei wenig Trost. Der S&P 500 legte in der heutigen Sitzung um 0,3 Prozent zu, der Dow Jones gewann 0,2 Prozent und der Nasdaq stieg um 0,6 Prozent. Der deutliche Rückgang bei Circle ist damit eindeutig unternehmensspezifisch und spiegelt keine makroökonomische oder branchenweite Schwäche wider.
Zusammengenommen konkretisiert der offizielle Start des Open-Standard-Konsortiums ein Wettbewerbsrisiko, das sich seit Wochen abgezeichnet hatte. Eine einst spekulative Bedrohung verwandelt sich in einen konkreten, finanzstarken Rivalen, der von einigen der mächtigsten Namen der globalen Finanzwelt unterstützt wird. Anleger bewerten nun neu, welchen Aufschlag Circle für seinen First-Mover-Vorteil bei regulierten Stablecoins noch verdient.


