Chipbranche ringt mit einseitigem KI-Boom
Nvidia dominiert das Wachstum, während große Teile der Industrie unter Auslastungsproblemen leiden

Die globale Chipindustrie zeigt in diesem Jahr ein starkes Umsatzwachstum, das laut Berechnungen von Techinsights auf 797 Milliarden Dollar steigen soll. Dieser Anstieg beruht jedoch nahezu ausschließlich auf dem Geschäft mit KI-Beschleunigern, insbesondere jenen des Marktführers Nvidia. Analysten weisen darauf hin, dass nur wenige Unternehmen von dieser Entwicklung profitieren, während ein großer Teil der Branche mit Überkapazitäten und hohen Lagerbeständen konfrontiert ist.
Nvidia und dessen Zulieferer verzeichnen Rekordumsätze, während zahlreiche Fabriken in anderen Bereichen der Halbleiterproduktion nicht ausgelastet sind. Branchenexperten betonen, dass die derzeitige Marktdynamik nur von wenigen Wachstumstreibern geprägt ist und warnen vor einer einseitigen Abhängigkeit von KI-Technologien. Diese Situation führt zu einer deutlichen Spaltung innerhalb der Industrie.
Besonders profitieren Hersteller von Speicherchips. Trendforce hat berechnet, dass der Umsatz mit DRAM-Chips im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 30 Prozent gestiegen ist. DRAM bildet eine zentrale Komponente für KI-Beschleuniger von Nvidia und AMD, wird aber auch in klassischen Endgeräten wie PCs und Notebooks eingesetzt. Für das laufende Quartal erwarten die Marktforscher Preissteigerungen von bis zu 55 Prozent. Techinsights prognostiziert, dass der weltweite DRAM-Umsatz in diesem Jahr um fast ein Drittel auf 129 Milliarden Dollar wächst und 2025 auf 170 Milliarden Dollar ansteigt. Unternehmen wie Dell zeigen sich überrascht von der Geschwindigkeit des Preisanstiegs.
Der DRAM-Markt wird von drei großen Anbietern beherrscht: SK Hynix, Samsung und Micron, die zusammen mehr als 90 Prozent der Erlöse erzielen. SK Hynix hat bereits mitgeteilt, dass die Kapazitäten für das kommende Jahr vollständig ausgebucht sind.
Während die Speicherchipbranche deutlich zulegt, entwickelt sich der Umsatz mit Grafikprozessoren noch dynamischer. Techinsights erwartet einen Anstieg um die Hälfte auf 173 Milliarden Dollar. Nvidia hält einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent und meldete zuletzt ein Umsatzplus von über 60 Prozent. Auch AMD verzeichnet ein deutliches Wachstum.
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Zur AktienanalyseZu den Verlierern zählen Unternehmen, die kaum am KI-Boom teilhaben. Der deutsche Hersteller Infineon meldete für das abgeschlossene Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang und geringere Gewinne. Zwar wächst das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung von Rechenzentren, doch macht dieser Bereich weiterhin nur einen kleinen Teil der Erlöse aus. Die geringe Nachfrage aus der Automobilbranche, dem Energiesektor und der Unterhaltungselektronik belastet die Zahlen zusätzlich. Im vergangenen Geschäftsjahr fielen bei Infineon Leerstandskosten von einer Milliarde Euro an, und auch im neuen Geschäftsjahr werden hohe Kosten erwartet.
Analysten rechnen damit, dass der KI-Boom ab 2027 an Dynamik verliert. Für die gesamte Halbleiterindustrie wird ab dann nur noch geringes Wachstum erwartet. Erst gegen Ende des Jahrzehnts dürften neue Einsatzfelder für KI in Alltagsgeräten zu einer breiteren Markterholung führen.


