Chip-Aktien unter Druck: Ausverkauf trifft Europa und Asien
Europäische und asiatische Halbleiterwerte verlieren deutlich, während KI-Bewertungen und Überkapazitäten die Anleger verunsichern.

Europäische Halbleiteraktien stehen massiv unter Druck. Auslöser ist ein erneuter Ausverkauf bei Technologiewerten in Asien, der die Stimmung im globalen Chipsektor eintrübt. Phasen der Volatilität belasteten die Branche bereits in den vergangenen Wochen, da Anleger zunehmend Zweifel an den hohen Bewertungen und den massiven Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) hegen.
In Asien schlossen die Aktien des weltgrößten Auftragschipherstellers Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) 7,3% tiefer. Der japanische Chipausrüster Tokyo Electron büßte sogar 8,2% ein. Die Verluste griffen rasch auf die europäischen Märkte über.
Europäische Chipwerte im Sinkflug
In Europa verzeichneten die Schwergewichte des Sektors erhebliche Kursverluste. Der niederländische Chipausrüster ASML Holding gab um 4,1% nach, der kleinere Konkurrent ASM International verlor 5,1%. Der deutsche Chiphersteller Infineon Technologies büßte 5% ein, während die Aktien von STMicroelectronics um 6,4% nachgaben.
Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank sieht in der angehobenen Investitionsausgaben-Prognose von TSMC einen wesentlichen Auslöser für den Ausverkauf. Der Rekordgewinn von TSMC im zweiten Quartal habe den Aktien keinen Auftrieb verleihen können, was darauf hindeutet, dass die Bewertungen der Chiphersteller ihrer fundamentalen Entwicklung vorausgelaufen sind.
Die Anleger fühlen sich angesichts der Risiken von Überkapazitäten beim massiven Ausbau der Künstlichen Intelligenz zunehmend unwohl, so Ozkardeskaya weiter. Die Technologieunternehmen investieren dennoch ungebremst weiter. Große US-Technologiekonzerne werden in der kommenden Woche ihre Quartalszahlen vorlegen – dies könnte die getrübte Stimmung potenziell drehen. Hinweise darauf, dass Unternehmen wie Alphabet ihre Infrastrukturausgaben verdoppeln, könnten die Aktien jedoch weiter belasten.
Chinesisches KI-Labor überrascht mit neuem Modell
Abseits des Ausverkaufs sorgt eine Entwicklung aus China für Aufsehen im KI-Sektor. Die Veröffentlichung von Kimi K3 durch Moonshot AI hilft dem Unternehmen, den Konkurrenten Z.ai als führendes KI-Labor in China vorerst zu überholen. Die Analysten von Bernstein bezeichnen K3 als „Home Run" und sehen darin ein weiteres Beispiel dafür, wie Chinas führende KI-Labore mit der US-Spitze Schritt halten.
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Zur AktienanalyseK3 ist laut Bernstein 40% günstiger als Anthropics Opus 4 und sogar 70% günstiger als Fable. Die Analysten Robin Zhu und weitere Kollegen bestätigen damit ihre Einschätzung, dass chinesische KI mit den weltweit führenden Laboren mithalten und im Laufe der Zeit Marktanteile gewinnen kann.
Die Analysten sehen zudem mögliche strategische Konsequenzen: Die Veröffentlichung von K3 könnte die Kampagne von Anthropic, sogenannte „Regulatory Capture" als Strategie zu nutzen, massiv beschleunigen. Auf dem chinesischen Heimatmarkt liegt die Last nun bei Z.ai, ein eigenes Modell mit einer Billion Parametern auf den Markt zu bringen.


