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Chip-Aktien im Sturm: KI-Hype trifft auf harte Realität

Massive Kursbewegungen bei Tech- und Chip-Werten, politische Turbulenzen in Großbritannien und ein schwacher Yen prägten eine turbulente Börsenwoche.

Chip-Aktien im Sturm: KI-Hype trifft auf harte Realität

Die globalen Technologiemärkte erlebten diese Woche extreme Schwankungen. Zu Wochenbeginn gerieten die großen US-Indizes unter Druck, belastet durch die Schwäche der Tech-Megacaps. Als Auslöser wurden zunächst Sorgen über die extrem hohen KI-Investitionsausgaben (Capex) vermutet – doch der Ausverkauf weitete sich schnell auf Chip-Aktien aus, die eigentlich zu den Hauptprofiteuren dieser Ausgaben zählen.

Der koreanische KOSPI verlor dabei fast 10%, während der SOX-Chip-Index rund 8% einbüßte. Angesichts der starken Kursgewinne vieler KI-Favoriten im ersten Halbjahr war eine solche Volatilität kurz vor dem Quartalsende jedoch nicht völlig überraschend.

Micron beruhigt – Apple schockt

Zwischenzeitlich sorgte ein starkes Quartalsergebnis des Speicherchipherstellers Micron Technology am Mittwoch für Erleichterung. Doch die Ruhe währte nicht lange: Apple kündigte am Donnerstag an, die Preise für iPads und MacBooks zu erhöhen – als direkte Reaktion auf steigende Kosten für Speicher- und Storage-Chips. Der Apple-Kurs brach daraufhin über Nacht um mehr als 6% ein und zog am Freitag die asiatischen Märkte erneut nach unten.

Dieses Wechselspiel verdeutlicht eine Schattenseite des KI-Hypes: Steigende Chip-Nachfrage treibt die Kosten für Endprodukte in die Höhe und belastet letztlich die Margen der Gerätehersteller. Die Frage, ob der KI-Überschwang irrational geworden ist – in Anlehnung an den verstorbenen Ex-Fed-Chef Alan Greenspan, der diese Woche im Alter von 100 Jahren verstarb –, beschäftigt die Märkte zunehmend.

Die Meinungen sind gespalten: SoftBank-Chef Masayoshi Son bezeichnete das Reden über eine KI-Blase als „Blasphemie gegen die KI". Gleichzeitig heben viele Wall-Street-Häuser ihre S&P-500-Prognosen für das Jahresende deutlich an und sehen noch erheblichen Spielraum für die Rallye.

Fed, Dollar und Zinspolitik im Fokus

Wird die US-Notenbank Fed zum Spielverderber? Eher nicht – zumindest nicht explizit. Der neu ernannte Fed-Vorsitzende Kevin Warsh scheint wenig geneigt, Vermögenspreisblasen aktiv platzen zu lassen. Dennoch sorgt die zunehmende Unklarheit über den geldpolitischen Kurs für Unsicherheit, da zwischen Wall-Street-Banken massive Lücken bei den Zinserwartungen klaffen. Warshs Streben nach weniger Fed-Kommunikation und die Abschaffung der Forward Guidance könnten ein Rezept für anhaltende Volatilität sein.

Neue Inflationsdaten befeuerten die Debatte zusätzlich: Der PCE-Index – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed – stieg im Jahresvergleich bis Mai um 4,1% und überschritt damit erstmals seit drei Jahren die 4%-Marke. Der Kern-PCE legte um 3,4% zu. Beide Werte lagen im Rahmen der Erwartungen. Die Märkte sehen dennoch eine Wahrscheinlichkeit von rund 80% für eine Zinserhöhung bei der September-Sitzung.

Der US-Dollar profitierte von den Zinserhöhungserwartungen und kletterte gegenüber den wichtigsten Handelspartnern auf ein Einjahreshoch, gab nach den PCE-Daten jedoch leicht nach. Besonders auffällig: Der japanische Yen verharrt nahe einem 40-Jahres-Tief jenseits der Marke von 160 Yen pro Dollar, was die Märkte in Alarmbereitschaft für mögliche Interventionen versetzt.

Politisches Beben in Großbritannien

Auch jenseits des Ärmelkanals sorgte diese Woche für Schlagzeilen: Großbritannien steht kurz davor, seinen siebten Premierminister innerhalb eines Jahrzehnts zu erhalten. Keir Starmer kündigte am Montag nach monatelangem Druck und der Rückkehr des Labour-Herausforderers Andy Burnham ins Parlament seinen Rücktritt an. Die britischen Märkte reagierten zunächst gelassen.

Burnham gilt als wahrscheinlicher Nachfolger und könnte bereits im nächsten Monat sein Amt antreten. Investoren suchen nach Klarheit darüber, wie er die Wirtschaft führen und wen er als Finanzminister einsetzen wird. Grundlegende Probleme wie schwaches Produktivitätswachstum und aufgeblähte Sozialausgaben bleiben jedoch ungelöst – und ein weiterer Regierungswechsel allein wird daran nichts ändern.

Ölpreise und Energiemärkte

Die Ölpreise fielen die gesamte Woche über weiter und erreichten am Donnerstag Vorkriegsniveau. Rohöllieferungen durch die Straße von Hormus erreichten das höchste Volumen seit Kriegsbeginn. Händler setzen darauf, dass das Interims-Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran zu einer dauerhaften Normalisierung der Energieströme führt – auch wenn ein taiwanesisches Schiff Berichten zufolge am Donnerstag beim Durchqueren der Meerenge angegriffen wurde.

Sinkende Rohölpreise drücken zwar die Preise an US-Tankstellen, könnten aber gleichzeitig die Konsumausgaben ankurbeln und damit die Inflation weiter befeuern – was die Kalkulation der Fed zusätzlich erschwert. Die nächste Woche wird wegen des amerikanischen Unabhängigkeitstages verkürzt sein, bringt aber dennoch wichtige Wirtschaftsdaten, darunter die US-Arbeitsmarktdaten (Nonfarm Payrolls) für Juni.

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