Chinesischer Konzern übernimmt Volocopter nach Insolvenz
Berliner Tochtergesellschaft wickelt Kauf ab – Flugtaxi-Hersteller entlässt zuvor alle 450 Mitarbeitenden

Der chinesische Konzern Wanfeng plant die Übernahme des insolventen Flugtaxi-Herstellers Volocopter aus dem badischen Bruchsal. Die Kaufsumme beläuft sich auf zehn Millionen Euro. Dies geht aus einer aktuellen Börsenmitteilung von Wanfeng hervor, wobei der Kauf über eine neu gegründete Tochtergesellschaft in Berlin abgewickelt werden soll. Diese Tochter ist dem österreichischen Flugzeughersteller Diamond Aircraft zugeordnet, welcher wiederum vollständig zu Wanfeng gehört. Eine Stellungnahme zu der geplanten Übernahme verweigert Volocopter derzeit.
Die Insolvenz von Volocopter hatte sich bereits Ende 2024 angedeutet, als das Unternehmen am zweiten Weihnachtsfeiertag einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Karlsruhe stellte. Dieses bestellte Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte zum vorläufigen Insolvenzverwalter, der zunächst ein Sanierungskonzept entwickeln sollte. Trotz dieser Maßnahmen eröffnete das Gericht Anfang März offiziell das Insolvenzverfahren. In der Folge informierte das Unternehmen die rund 450 Mitarbeitenden über ihre sofortige Freistellung.
Ursprünglich hatte Volocopter das ambitionierte Ziel verfolgt, den regulären Passagierbetrieb mit elektrisch betriebenen, senkrecht startenden Flugtaxis aufzunehmen. Die dafür notwendige Musterzulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit blieb jedoch bislang aus. Nach eigener Aussage hatte das Unternehmen im Februar zwar bereits drei Viertel der erforderlichen Audits erfolgreich absolviert, konkrete Fortschritte hin zur endgültigen Zertifizierung gab es jedoch nicht. Auch eine kürzlich verkündete Partnerschaft mit dem französischen Anbieter Jet Systems Hélicoptères Services, die zunächst den Kauf zweier Flugtaxis vorsah, blieb letztlich nur eine Absichtserklärung.
Das Management von Volocopter stand bereits länger vor personellen Herausforderungen: Firmenchef Dirk Hoke hatte schon im Herbst angekündigt, spätestens Anfang April 2025 zum Technologiekonzern Voith nach Heidenheim zu wechseln. Die Nachfolge blieb ungeklärt, obwohl Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche als Vorsitzender des Beirats bereits mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten beauftragt war.
Die Probleme von Volocopter spiegeln sich auch beim bayerischen Konkurrenten Lilium wider. Dieses Unternehmen musste bereits zweimal Insolvenz anmelden, zuletzt aufgrund fehlender Finanzmittel für den Aufbau der Produktion. Beide Unternehmen hatten in der Vergangenheit vergeblich auf staatliche Unterstützung gehofft. Volocopter hatte zuvor hauptsächlich durch Investitionen privater Kapitalgeber überlebt, was jedoch zuletzt nicht mehr ausreichend war, um den regulären Betrieb außerhalb eines Insolvenzverfahrens sicherzustellen.
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Zur AktienanalyseIn Deutschland waren kommerzielle Flüge von Volocopter bislang lediglich für Rettungszwecke im Rahmen einer Kooperation mit der ADAC-Luftrettung vorgesehen.


