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Chinesische Küstenwache dringt erneut in Pratas-Sperrzone ein

Ein chinesisches Küstenwachschiff verschaffte sich gewaltsam Zutritt zu taiwanischen Sperrgebieten – die Lage eskaliert weiter.

Chinesische Küstenwache dringt erneut in Pratas-Sperrzone ein

Ein Schiff der chinesischen Küstenwache ist am Freitagmorgen erneut in die Sperrgebiete rund um die von Taiwan kontrollierten Pratas-Inseln im nördlichen Südchinesischen Meer eingedrungen. Laut Taiwans Küstenwache beschleunigte das chinesische Schiff, vollzog eine scharfe Wende und ignorierte dabei sämtliche Warnungen des taiwanischen Schiffes. Anschließend verschaffte es sich „gewaltsam Zutritt" zu den Sperrgebieten.

Die beiden Schiffe befinden sich seither in einer „Patt-Situation" und liefern sich einen „intensiven verbalen Schlagabtausch", wie die taiwanische Küstenwache mitteilte. Das Büro für Taiwan-Angelegenheiten in China reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Ein ähnlicher Vorfall hatte sich bereits vor knapp zwei Wochen ereignet – damals drehte das chinesische Schiff schließlich ab.

Strategisch bedeutsame Inseln im Fokus

Die Pratas-Inseln sind ein Atoll im nördlichen Südchinesischen Meer, das geografisch etwa zwischen dem südlichen Taiwan und Hongkong liegt. Die Entfernung zur taiwanischen Hauptinsel beträgt mehr als 400 Kilometer. Sicherheitsexperten stufen die Inseln deshalb als besonders anfällig für einen möglichen chinesischen Angriff ein. Verteidigt werden die Inseln nicht vom Militär, sondern lediglich von der Küstenwache – die Inseln gelten damit als schwach gesichert. Gleichzeitig sind die Pratas-Inseln auch als taiwanischer Nationalpark ausgewiesen.

Im Januar dieses Jahres hatte Taiwan bereits gemeldet, dass eine chinesische Aufklärungsdrohne kurzzeitig über die Pratas-Inseln geflogen sei. Die Vorfälle häufen sich damit in jüngster Zeit und deuten auf eine systematische Ausweitung des chinesischen Drucks in der Region hin.

Taiwan wirft China Provokation vor

Taiwans Küstenwache erklärte, das chinesische Schiff versuche gezielt, den falschen Eindruck zu erwecken, dass China die Gerichtsbarkeit über die Gewässer rund um die Pratas-Inseln besitze. In einer offiziellen Erklärung hieß es: „Dies untergräbt nicht nur den Status quo von Frieden und Stabilität in der Straße von Taiwan, sondern macht China auch zu einem Unruhestifter in den Beziehungen zwischen beiden Seiten der Meerenge und in regionalen Angelegenheiten." Die Behörde betonte unmissverständlich: „Taiwans maritime Souveränität darf nicht infrage gestellt werden."

Der Vorfall fügt sich in ein größeres Muster ein: China beansprucht das demokratisch regierte Taiwan als Teil seines eigenen Territoriums – eine Position, die die Regierung in Taipeh strikt ablehnt. In den vergangenen fünf Jahren hat Peking seinen Druck auf Taiwan kontinuierlich erhöht und die Militärpräsenz rund um die Insel deutlich verstärkt. Die Konfrontationen im Südchinesischen Meer sind dabei zu einem weiteren Schauplatz dieser anhaltenden Spannungen geworden.

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