Chinesische Klimaanlagen boomen: Europa treibt Exportwachstum an
Hitzewellen sorgen für Rekordnachfrage nach chinesischen Klimaanlagen – und befeuern den Streit über Überkapazitäten und Subventionen.

Europas Hitzewellen bescheren chinesischen Klimaanlagenherstellern volle Auftragsbücher. Im südchinesischen Guangdong laufen die Produktionsbänder auf Hochtouren, Arbeiter legen Extraschichten ein – und die Exportzahlen klettern deutlich nach oben.
Besonders deutlich zeigt sich der Boom beim Hersteller POSI. „Europa macht 70 Prozent unserer Auslandsbestellungen aus", erklärt Shi Chunbo, Finanzvorstand des Unternehmens, im chinesischen Staatsfernsehen. Die Produkte würden vorwiegend nach Frankreich, Deutschland und Spanien geliefert. Allein im Mai erreichte die Bestellmenge mehr als 900.000 Einheiten – ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Gefragt sind vor allem mobile Klimaanlagen, also Geräte ohne feste Installation. Sie lassen sich unkompliziert aufstellen und sind für viele Haushalte in Europa die praktischste Lösung bei sommerlicher Hitze.
Europäische Debatte über Sinn und Nebenwirkungen
In Europa ist die Begeisterung für Klimaanlagen jedoch gespalten. Kritiker verweisen auf den teils erheblichen Stromverbrauch sowie auf Studien, die zeigen, dass Klimaanlagen durch ihre Abwärme die Umgebungstemperatur – besonders in Städten – zusätzlich erhöhen können. Auch die Frage, ob fest installierte Außengeräte an Fassaden zulässig sein sollten, wird kontrovers diskutiert.
In China hingegen stoßen solche Debatten auf Unverständnis. Dort besitzen schätzungsweise 80 Prozent aller Haushalte eine Klimaanlage, und Strom ist vergleichsweise günstig. Chinas Staatsmedien nutzen die gestiegene Exportnachfrage zudem gezielt, um europäischen Vorwürfen rund um das Thema Überkapazitäten entgegenzutreten. Eine Staats-Influencerin auf dem Online-Kanal von China Daily – einem englischsprachigen Propagandamedium der Kommunistischen Partei – bezeichnete chinesische Klimaanlagen nicht als Bedrohung, sondern als lebensrettende Produkte in Hitzeperioden.
Überkapazitäten und Subventionen: Der Kern des Konflikts
Der eigentliche Streitpunkt geht weit über Klimaanlagen hinaus. Europäische Politiker werfen Peking seit Jahren vor, durch übermäßige staatliche Subventionen eine massive Überproduktion anzutreiben. Chinesische Billigprodukte würden europäische Märkte in zahlreichen Branchen überschwemmen und heimische Hersteller unter Druck setzen. Chinas Handelsüberschuss gegenüber der EU beläuft sich mittlerweile auf rund eine Milliarde Euro – pro Tag.
Peking weist diese Kritik konsequent zurück. Außenamtssprecherin Mao Ning erklärte zuletzt in Peking, Kunden würden Produkte bevorzugen, die verfügbar, qualitativ hochwertig und günstig seien. Es handle sich schlicht um „marktgesteuerte Entscheidungen".
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Zur AktienanalyseAndreas Mischer vom Berliner China-Thinktank MERICS widerspricht dieser Darstellung. „Ich finde es schwierig, wenn impliziert werden soll, dass chinesische Unternehmen einfach deswegen so erfolgreich sind, weil sie so wettbewerbsfähig sind", sagt er. Zwar seien viele chinesische Unternehmen tatsächlich gut aufgestellt und böten solide Produkte an – doch kämen nachweislich weitere Vorteile hinzu.
Mischer nennt konkret: direkte staatliche Subventionen, günstige Kredite von staatlichen Banken – zu denen europäische Unternehmen keinen Zugang hätten – sowie eine künstlich niedrig gehaltene chinesische Währung, die chinesische Produkte im Export verbilligt. Vor diesem Hintergrund hält er es für angemessen, dass Europa auf diese Wettbewerbsverzerrungen hinweist und mögliche Gegenmaßnahmen prüft.
Für Anleger, die den Sektor im Blick haben, bleibt die Lage damit zweischneidig: Chinesische Hersteller profitieren kurzfristig von der Hitzewelle und steigender Nachfrage. Mittel- bis langfristig könnten jedoch handelspolitische Maßnahmen der EU – etwa Strafzölle, wie sie bereits in anderen Branchen diskutiert oder eingeführt wurden – das Bild verändern.


