Chinesische KI-Chips bedrohen ASML und Chipzulieferer an der Börse
Angst vor chinesischer Konkurrenz bei Lithografie-Maschinen schickt europäische Chipwerte auf Talfahrt.

Die Furcht vor einem verschärften Wettbewerb aus China trifft die europäische Chipindustrie hart. An der Amsterdamer Börse verloren die Aktien von ASML, ASM International und BE Semiconductor am Dienstag bis zu vier Prozent. Auch in Deutschland gaben die Papiere von Aixtron und Siltronic in ähnlicher Größenordnung nach.
Auslöser der Verkaufswelle ist ein Insider-Bericht über ein bislang kaum bekanntes staatliches chinesisches Unternehmen: Shanghai Aishengna Electronic Technology hat demnach die Produktion von Lithografie-Maschinen aufgenommen. Diese sogenannten DUV-Anlagen (Deep Ultraviolet) belichten mit tief-ultraviolettem Licht Schaltkreise auf Siliziumscheiben – die Grundlage für die Herstellung von Computerchips. Auch das Nachrichtenportal „The Information" berichtete über die Fortschritte bei der Chipmaschinen-Entwicklung in China.
Qualitativ reichen die Maschinen von Aishengna laut dem Insider bislang nicht an die Produkte des niederländischen Weltmarktführers ASML heran. Dennoch ist allein die Tatsache, dass China eigene Anlagen produziert, für Anleger ein Warnsignal. ASML selbst wollte sich zu dem Thema nicht äußern, Aishengna reagierte nicht auf eine Anfrage.
Milliarden-Geschäft von ASML in China unter Druck
Für ASML steht dabei viel auf dem Spiel. Der Konzern erwirtschaftet rund ein Fünftel seines Umsatzes in China – und zwar genau mit jenen DUV-Maschinen, die nun aus heimischer chinesischer Produktion stammen könnten. Die Geräte sind gigantisch: Sie haben die Größe eines Doppeldeckerbusses und können pro Stück mehrere hundert Millionen Euro kosten.
Dieses lukrative China-Geschäft ist jedoch bereits durch westliche Exportbeschränkungen bedroht. Auf Druck der US-Regierung haben die Niederlande ASML die Lieferung der neuesten EUV-Maschinen (Extreme Ultraviolet) nach China bereits untersagt. Einem aktuellen US-Gesetzentwurf zufolge könnten künftig auch DUV-Anlagen unter dieses Embargo fallen. Die USA wollen damit den militärischen und technologischen Aufstieg der Volksrepublik bremsen. Für Peking ist die Entwicklung eigener Chipmaschinen folgerichtig ein strategischer Schritt hin zu mehr technologischer Unabhängigkeit von westlichen Lieferanten.
Laut „The Information" gehören die chinesischen Halbleiterhersteller SMIC, Hua Hong und CXMT zu den ersten Abnehmern der neuen DUV-Anlagen aus heimischer Produktion.
Samsung und SK Hynix mit historischen Kursverlusten
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Zur AktienanalyseBesonders hart traf es die südkoreanischen Speicherchip-Giganten. Die Aktien von Samsung und SK Hynix brachen an der Börse in Seoul um 13,4 beziehungsweise 14,7 Prozent ein. Für Samsung war es der größte Tagesverlust seit fast 20 Jahren. Auch US-Wettbewerber Micron blieb nicht verschont: Die Aktie verlor im vorbörslichen Handel an der Wall Street mehr als fünf Prozent.
Hintergrund ist der Börsenneuling CXMT, ein chinesischer Speicherchip-Anbieter, der auf einem Markt antritt, der aktuell von Versorgungsengpässen geprägt ist. CXMT konkurriert direkt mit Samsung, SK Hynix und Micron. Die CXMT-Aktie selbst gab in Shanghai am Dienstag zwar vier Prozent nach – nach einem spektakulären Börsendebüt am Montag mit einem Kursanstieg von fast 500 Prozent.
Die Entwicklungen zeigen: China arbeitet systematisch daran, seine Abhängigkeit von westlicher Halbleitertechnologie zu reduzieren. Für Anleger in europäische und amerikanische Chipwerte bleibt das ein strukturelles Risiko, das den Sektor weiter belasten dürfte.


