Chinas Wirtschaft erholt sich im Juni dank steigender US-Exporte
Steigende Lieferungen in die USA und anziehende Fabrikaktivität geben Chinas Wirtschaft nach schwachem Frühjahr neuen Schwung.

Chinas Wirtschaft zeigt im Juni deutliche Erholungszeichen. Nach einem starken ersten Quartal hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im April und Mai spürbar an Fahrt verloren – nun deuten aktuelle Daten auf eine Trendwende hin. Treiber der Erholung sind vor allem wieder anziehende Exporte in die Vereinigten Staaten.
Die Schwäche im Frühjahr war erheblich: Im Mai sanken die chinesischen Einzelhandelsumsätze zum ersten Mal seit der Pandemie. Auch das „618"-Shopping-Festival, das von Mitte Mai bis Mitte Juni stattfand, zeigte eine deutliche Verlangsamung des Umsatzwachstums. Die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe fielen im Mai auf Jahresbasis zum ersten Mal seit Dezember 2020, belastet durch Rückgänge in der Metall-, Chemie- und Automobilproduktion.
Fabrikaktivität beschleunigt sich im Juni
Im Juni dreht sich das Bild: Das sogenannte „Beige Book" – ein viel beachteter Wirtschaftsbericht – meldet, dass sich die Fabrikaktivität „beschleunigt" habe und „Bestellungen aus den USA erneut deutliche Zuwächse im Jahresvergleich verzeichneten". Chinas Exporte in die USA stiegen im April um 11,3 Prozent und im Mai sogar um 35,4 Prozent – nach zweistelligen Rückgängen im Großteil des vergangenen Jahres, als US-Präsident Donald Trump die Zölle auf chinesische Waren erhöht hatte.
Die Frachtraten für Verschiffungen zwischen Asien und den USA sind laut S&P Global auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gestiegen. Importeure ziehen Lieferungen vor, um höheren Treibstoffzuschlägen und Preiserhöhungen asiatischer Lieferanten zuvorzukommen. Diese Bevorratungswelle könnte jedoch bis Ende Juli nachlassen.
Das Wachstum der chinesischen Exportaufträge nach Asien und in andere Entwicklungsländer verlangsamte sich im Juni gegenüber Mai, während das Wachstum der Exporte nach Europa stabil blieb. Chinas Exporte in die USA erreichten im Mai laut offiziellen Daten fast 90 Prozent des Niveaus von 2024 – ein deutlicher Kontrast zu den Zahlen für Mai 2025, als die Exporte auf 70 Prozent des Vorjahresniveaus gefallen waren.
Zölle und politische Rahmenbedingungen bleiben entscheidend
Das Treffen von US-Präsident Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping signalisiert, dass die Zölle vorerst wahrscheinlich auf einem niedrigeren Niveau bleiben werden. Zusätzliche Abgaben aus den sogenannten „Section 301"-Untersuchungen Washingtons, die auf Länder mit Überkapazitäten und Zwangsarbeitspraktiken abzielen, wurden bislang nicht verhängt. Der unter „Section 122" verhängte Zoll von 10 Prozent auf Waren der meisten wichtigen Handelspartner läuft am 24. Juli aus.
Tianchen Xu, Senior Economist bei der Economist Intelligence Unit, erklärt, dass sich Unternehmen beeilen, Waren in die USA zu versenden, bevor die Zölle potenziell wieder steigen. Er ergänzt, dass die starke Nachfrage nach Technologie und Komponenten für künstliche Intelligenz sowie sinkende Ölpreise infolge der Entspannung in der Straße von Hormus dazu beitragen werden, den Druck auf Chinas Wirtschaft zu mildern.
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Zur AktienanalyseGoldman Sachs hebt Wachstumsprognose an
Goldman Sachs hob am Sonntag seine Prognose für das chinesische BIP-Wachstum im dritten Quartal von 4,5 Prozent auf 5 Prozent (annualisiert gegenüber dem Vorquartal) an. Die Bank begründet dies mit niedrigeren Ölpreisen und schnelleren Staatsausgaben in den kommenden Monaten. Für das zweite Quartal prognostiziert Goldman Sachs hingegen lediglich ein Wachstum von 3,5 Prozent.
Wichtige Daten stehen in Kürze an: Die erste offizielle Einschätzung der Wirtschaftsleistung im Juni wird erwartet, wenn das Nationale Statistikamt den offiziellen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe veröffentlicht. Laut einer Reuters-Umfrage wird ein Wert von 50,1 erwartet – was knapp in den expansiven Bereich hineinreichen würde. Am 14. Juli sollen die Handelsdaten für Juni folgen, am 15. Juli dann die Einzelhandelsumsätze, Industriedaten sowie das BIP für das zweite Quartal.

