Chinas Rohölüberschuss steigt im April deutlich
Hohe Importe treffen auf rückläufige Raffinerieauslastung und schwächere Inlandsproduktion

Chinas Überschuss an Rohöl ist im April zum zweiten Mal in Folge deutlich angestiegen. Grund dafür waren vergleichsweise hohe Importe bei gleichzeitig gesunkener Raffinerieauslastung. Nach Berechnungen auf Basis offizieller Daten belief sich der Überschuss auf 1,89 Millionen Barrel pro Tag. Das ist der höchste Wert seit Juni 2023 und ein Anstieg gegenüber den 1,74 Millionen Barrel pro Tag im März.
Der Anstieg des überschüssigen Rohöls im März und April steht im Zusammenhang mit umfangreichen Käufen vergünstigten Öls aus Ländern, die westlichen Sanktionen unterliegen, insbesondere aus Iran und Russland. China veröffentlicht keine offiziellen Zahlen zu Zu- oder Abflüssen von Rohöl in strategische oder kommerzielle Lagerbestände. Ein Näherungswert lässt sich jedoch errechnen, indem man die Menge des verarbeiteten Öls von der Summe aus Importen und heimischer Produktion abzieht.
Im April verarbeiteten chinesische Raffinerien laut offiziellen Angaben 14,12 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Das sind weniger als die 14,85 Millionen Barrel im März und 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Rohölimporte betrugen 11,69 Millionen Barrel pro Tag, ein Rückgang gegenüber dem 19-Monats-Hoch von 12,11 Millionen Barrel im März. Die heimische Förderung lag bei 4,31 Millionen Barrel pro Tag und damit leicht unter dem Wert von 4,48 Millionen im März, dem höchsten Stand seit 14 Jahren.
Aus der Summe von Importen und inländischer Produktion ergibt sich für April ein Gesamtangebot von 16,01 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Zieht man davon die verarbeiteten Mengen ab, ergibt sich der ermittelte Überschuss von 1,89 Millionen Barrel täglich. Im Viermonatszeitraum von Januar bis April stieg der durchschnittliche tägliche Rohölüberschuss auf 880.000 Barrel, verglichen mit 580.000 Barrel pro Tag im ersten Quartal. In den ersten beiden Monaten des Jahres verarbeiteten chinesische Raffinerien noch etwa 30.000 Barrel pro Tag mehr, als durch Importe und eigene Förderung zur Verfügung standen. Diese Lagerentnahmen wurden durch die Überschüsse im März und April jedoch wieder ausgeglichen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseEin Teil des Überschusses dürfte außerhalb der offiziell erfassten Daten verarbeitet worden sein. Dennoch deutet die Entwicklung darauf hin, dass China in den beiden Monaten weit mehr Rohöl einführte, als zur Deckung des heimischen Bedarfs notwendig war. Die Importe aus Russland beliefen sich im April auf 1,38 Millionen Barrel täglich, die aus dem Iran auf 743.000 Barrel. Die Raffinerien dürften weiterhin versuchen, Öl aus diesen beiden Ländern zu beziehen – sofern es ihnen gelingt, die US-Sanktionen zu umgehen.


